US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag im Weißen Haus empfangen – dieses Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gespräch dauerte lediglich eine Stunde. Kiew zeigte sich dennoch zufrieden.
Bei dem Gespräch soll es laut Selenskyj vor allem um weitere US-amerikanische Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gegangen sein.
„Der Präsident und ich haben über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen sowie über verschiedene andere Ideen gesprochen, die hilfreich sein könnten“, erklärte Selenskyj nach dem Treffen auf der Plattform X. „Wir haben auch über Diplomatie gesprochen – es ist wichtig, dass der diplomatische Prozess wiederbelebt wird. Unsere Teams werden die Einzelheiten der weiteren Kommunikation klären.“
Selenskyj sieht „gutes Treffen“
Nachdem ihm die US-Regierung in der Vergangenheit vorgeworfen hatte, undankbar zu sein, ließ der Ukrainer dieses Mal keine Zweifel aufkommen und betonte: „Ich bin den Vereinigten Staaten für ihre entschiedene Unterstützung dankbar.“ Selenskyj sprach von einem „guten Treffen“. Dieser Bestandsaufnahme schloss sich das Weiße Haus an.
Neben Sanktionen gegen Russland sind für Selenskyj vor dem kommenden Winter neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen besonders relevant. Zwar soll Kiew eine Lizenz zur eigenen Produktion dieser Flugkörper bekommen. Doch der Aufbau einer Produktion in der Ukraine wird Monate dauern, die Stückzahlen werden den Bedarf gegen russische Raketenangriffe kaum decken können. Mitte Juli hatte der ukrainische Staatschef als Mindestbedarf 300 dieser Raketen für die drei Wintermonate angegeben.
Neue Russland-Sanktionen
Es wird erwartet, dass Selenskyj am Abend (US-Ostküstenzeit) auch Senatoren beider Parteien trifft. Nach Informationen des US-Portals „The Hill“ wurden alle 100 Senatoren zu dem Treffen eingeladen. Kurz zuvor gab eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren am Dienstag bekannt, dass sie eine Einigung über ein Gesetz erzielt habe, das es Präsident Trump ermöglichen würde, weitere Sanktionen gegen große Abnehmer russischer Energie zu verhängen.
Das Gesetz soll den Namen des jüngst verstorbenen Senators Lindsey Graham tragen, der es seit Monaten vorangetrieben hatte. Medienberichten zufolge könnte das Gesetz noch diese Woche im Senat verabschiedet werden. Allerdings ist die zweite Kongresskammer, das Repräsentantenhaus, bereits im Urlaub, sodass es nicht vor September in Kraft treten dürfte.
Das Gesetz setzt vor allem bei Erdgas- und Ölexporten an – einer zentralen Geldquelle für den russischen Staat auch zur Finanzierung des Angriffskrieges in der Ukraine. Es berechtigt den US-Präsidenten, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen – sowie die fünf Länder, die Russland am stärksten helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren, die wichtige Käufer von russischem Erdöl sind.
Die Einigung auf den Text fiel mit den Trauerfeierlichkeiten für Graham zusammen. Es wurde erwartet, dass Trump, Selenskyj und auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu an einer Gedenkveranstaltung für Senator Graham teilnehmen. Dieser galt sowohl als wichtiger Unterstützer der Ukraine als auch Israels im US-Kongress.
Beziehung deutlich verbessert
Die USA sehen sich in dem Krieg eigentlich als Vermittler – ihre Bemühungen für ein Kriegsende sind zuletzt aber auch infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten. Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen häufiger gesehen: Anfang des Monats beim NATO-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian.
Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg mit, Trump unterstützte auch verschärfte Sanktionen der G7-Gruppe gegen Russland. Der Republikaner hob in Ankara zudem hervor, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Amtskollegen habe.
Im Februar 2025 hatte Trump Selenskyj bei einem Treffen im Weißen Haus noch öffentlich gedemütigt. Trump warf dem ukrainischen Staatschef damals vor, er führe einen aussichtslosen Kampf, riskiere einen Dritten Weltkrieg und habe nicht die Karten in der Hand.
Nach Selenskyj empfing Trump auch noch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in Washington. Es wurde erwartet, dass alle drei im Anschluss an einer Gedenkveranstaltung für den kürzlich gestorbenen US-Senator Lindsey Graham teilnehmen. Dieser galt sowohl als wichtiger Unterstützer der Ukraine als auch Israels im US-Kongress.
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