07.09.2021 23:08 |

Nicht zu Unrecht

Darum trägt dieser BMW einen Heiligenschein

BMW verpasst sich auf der IAA einen Heiligenschein - und das nicht zu Unrecht, denn die Münchner setzen voll auf Nachhaltigkeit und Recycling. Der vollelektrisch angetriebene Viersitzer namens BMW i Vision Circular besteht komplett aus recycleten Materialien und ist seinerseits zu 100 Prozent recycelbar. Ideen und Konzepte sollen jetzt in die Serie einfließen. Spätestens 2040 sollen Autos generell so gebaut werden.

Nachhaltigkeit wird zum nächsten großen Credo bei BMW, nach der „Freude am Fahren“ und „Efficient Dynamics. Aktuell werden Fahrzeuge der BMW Group im Durchschnitt zu knapp 30 Prozent aus recycelten und wiederverwendeten Materialien gefertigt. Mit dem Ansatz “Secondary First„ soll dieser Wert sukzessiv auf 50 Prozent ausgebaut werden. Die Bereitstellung von Sekundärmaterialen ist deutlich weniger umweltschädlich und CO2-intensiv als die Förderung und Herstellung von Primärmaterial. Beim i Vision Circular bestehen z.B. auch alle Stahl- und Aluminiumteile aus wiederverwertetem Material.

BMW baut den neuen Ansatz auf vier Säulen: “Im Designprozess des BMW i Vision Circular haben wir Zirkularität von Beginn an. „Wir nennen das Circular Design“, sagte BMW-Group-Designchef Adrian van Hooydonk, bei der Präsentation auf der IAA in München. „Das umfasst die vier Prinzipien RE:THINK, RE:DUCE, RE:USE und RE:CYCLE.“

  • RE:THINK bedeutet ein Umdenken. Jeder Prozess, jedes Bauteil wird hinterfragt, eventuell weggelassen oder neu gebündelt und dann nach dem Anspruch der geschlossenen Materialkreisläufe gestaltet.
  • RE:DUCE: „I do more with less“, bezeichnet BMW als Credo, also: Alles, was man weglassen kann, wird weggelassen. So verzichtet der BMW i Vision Circular beispielsweise auf Außenlacke, Leder und Chrom. Zudem werden Oberflächen digital inszeniert, statt tatsächlich mehrere Varianten zu produzieren.
  • RE:USE: Im Wagen vorhandene Hardware wird dauerhaft genutzt, erhält aber durch over-the-Air-Updates und Cloud Computing immer wieder neue Updates, was das Auto länger technisch aktuell hält. Aber auch eine Verlängerung des Lebenszyklus durch Wiederaufarbeitung (Refurbishing) und Neugestaltung fällt darunter.
  • RE:CYCLE spricht für sich: Es werden möglichst viele recycelte (= Sekundär-) Materialien verwendet. Entscheidend für gutes Recycling sind wenige unterschiedliche Materialgruppen aus Monomaterialien, deren Verbindungen sich einfach trennen lassen. Daher verzichtet der BMW i Vision Circular auf Verklebungen oder Verbundwerkstoffe. Stattdessen nutzt er clevere Verbindungslösungen, wie Kordeln, Knöpfe und Schnellverschlüsse.

Für eine maximale Reduktion von Ausschuss und Verschnitten werden alle Bauteile und Materialien passgenau hergestellt, z. B. durch 3-D-Druckverfahren.

Nieren nicht „in Stein gemeißelt“
Jeder BMW bisher hat an der Front zwei Nieren, mal größer, mal kleiner, aber immer tatsächlich vorhanden. Mit dieser Tradition bricht BMW beim i Vision Circular und bedeckt die komplette Front mit einer digitalen Fläche. Darauf werden die Nieren und andere Elemente einfach abgebildet. Das könnte in Zukunft geometrische Varianten in Leuchten und Stoßfängern überflüssig machen und so dabei helfen, Material und Werkzeuge einzusparen.

Statt einer Chromleiste zieht sich eine weitere, schmale digitale Fläche wie ein Band um den Hofmeisterknick herum und rahmt die Fenstergrafik ein. Sie ist nicht nur gestalterisches Element, sondern auch Display und Bedienfläche, etwa zur Türöffnung.

Zitat Icon

„Wenn es nicht nachhaltig ist, ist es nicht Premium.“

BMW-Chef Oliver Zipse

Karosserie ganz ohne Lack
Auch wenn es nicht so aussieht: Der BMW i Vision Circular ist nicht lackiert, weder mit Farbe noch mit Klarlack. Stattdessen wurde der Fahrzeugkörper aus Sekundär-Aluminium hellgolden eloxiert. Die Farbe „Anodized Mystic Bronze“ bildet einen ruhigeren Kontrast zu der lebendigeren und farbigeren Oberfläche aus hitzebehandeltem Stahl im hinteren Bereich des Fahrzeugs. Durch die Hitzebehandlung entsteht die Farbe „Temper Blue Steel“.

Die Reifen in „Vivid Blue Rubber“ bestehen aus zertifiziertem, nachhaltig angebautem Naturkautschuk und besitzen eine leicht transparente Optik. Zur Verstärkung werden der Reifenmischung zusätzlich farbige, recycelte Gummipartikel beigegeben.

Maximale Durchlässigkeit in der Felgenmitte kühlt die Bremsen, während die eher geschlossenen Flächen im Außenbereich der Felge für größtmögliche aerodynamische Effizienz sorgen. Befestigt werden die Räder über den „Joyful Fusion“ genannten Schnellverschluss, der wie ein Schmuckstück im Zentrum der Räder einen hochwertigen Akzent setzt.

iDrive Controller als Leseleuchter
Der Innenraum wirkt in seiner Plüschigkeit wie eine Märchenkutsche. Die leicht erhöhte, flauschige Rücksitzbank bietet Komfort für zwei Personen. Die Kopfstützen wirken wie Kissen, darunter ermöglichen Lautsprecher für jeden Sitzplatz eine eigene Sound-Zone. In der C-Säule erhält ein gläserner iDrive Controller eines BMW iX als Leseleuchte ein zweites Leben mit neuer Funktion.Der hochflorige Teppich im gesamten Fahrzeug ist zu 100 % aus rezykliertem Kunststoff gefertigt.

Oberhalb der Instrumententafel befindet sich im unteren Bereich der Windschutzscheibe die Informationsfläche, die man sonst in einem zentralen Informationsdisplay erwarten würde. Die Frontscheibe wird zum Informationsträger und macht andere Displays im Innenraum überflüssig. Der Lenkradkranz ist aus Holzpulver 3-D-gedruckt und bietet eine natürliche, warme Haptik.

Wichtig zu wissen: Der BMW i Vision Circular ist kein Ausblick auf die Neue Klasse, die neue Elektro-Architektur, die für 2025 geplant ist.

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