Kai Pommerenke, Wirtschaftswissenschafter der Universität von Kalifornien in Santa Cruz, hat das Non-Profit-Unternehmen "Chronicle of Life" (zu Deutsch: Chronik des Lebens) im vergangenen Monat gestartet. Es soll garantieren, dass Daten quasi auf ewig erhalten bleiben.
"Die Menschen wiegen sich in einer falschen Sicherheit", sagt der Wirtschaftswissenschafter. "Digitale Daten sind sehr anfällig. Man muss aktiv etwas tun, um die Daten zu bewahren."
Daten werden gespeichert, überprüft und angepasst
Ziel von "Chronicle of Life" ist es, die Sicherung digitaler Daten mit der gleichen Sorgfalt zu betreiben, wie dies große Archive, Bibliotheken und Unternehmen überall auf der Welt machen. Von den gespeicherten Daten würden täglich, wöchentlich und monatlich Sicherungen auf Servern in den USA und Irland erstellt, sagt Pommerenke. Eine Software überprüfe dabei, ob die Dateien auch nicht beschädigt seien. Sollte sich etwas bei den Dateiformaten, wie dem derzeit gebräuchlichen JPEG für Fotos, ändern, würden diese Dateien auch automatisch in das neue Format umgewandelt, wenn es zum Standard werde. Vor allem aber soll es mehrere Kopien der Dateien an verschiedenen Orten geben.
Hohe Kosten für das digitale Überleben
"Chronicle of Life" soll mit der Sicherung der Daten zwar keinen Gewinn machen, aber das Unternehmen braucht natürlich Geld, um überleben zu können. Ein Megabyte kostet deshalb einen Dollar. Nutzer müssen mindestens zehn Megabyte erwerben. Das ist sehr viel Geld, wenn man bedenkt, was der Speicherplatz auf Festplatten oder DVDs kostet - das sind nur Bruchteile eines Cents pro Megabyte. "Chronicle of Life" will aber auch gar nicht alle Dateien einer Person sichern. Es gehe nur um eine Auswahl, um die Dinge, die dem Nutzer besonders wichtig sind, so Pommerenke.
Auf die Idee für den Dienst kam der Wissenschaftler, nachdem er - wie wohl jeder andere frisch gebackene Vater mit einer Digitalkamera - zahllose Bilder von seiner neugeborenen Tochter gemacht hatte. Je mehr er sich erkundigte, desto unsicherer wurde er, was er tun sollte, damit die Bilder auch dann noch da sind, wenn die Kleine erwachsen ist. Festplatten können kaputt gehen, auch CDs and DVDs bieten keine Sicherheit. Und Firmen, die Bilder online speichern, können bankrottgehen oder ihr Geschäftsmodell ändern.
Die meisten Fotos existieren nur noch digital
Eine Flucht zurück in die analoge Fotografie gibt es nicht. Diese Ära ist kurz vor dem neuen Jahr zu Ende gegangen, als das weltweite letzte Labor, das Kodachrome-Filme entwickelte, die Annahme neuer Filmrollen einstellte. An dem gleichen Wochenende teilte Facebook mit, dass die Nutzer inzwischen 750 Million Fotos hochgeladen hätten.
Auch Texte, Tondateien und Videos gefährdet
Unsere Erinnerungen werden jetzt in Bits und Bytes festgehalten. Und Experten stimmen mit Pommerenke überein, dass es viel wahrscheinlicher ist, unsere digitalen Daten zu verlieren als eine Schuhschachtel mit alten Fotografien. Niemand könne garantieren, dass die digitalen Daten immer erhalten blieben. Es gebe den Computer noch gar nicht lange genug, um so etwas sagen zu können. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur Fotos, sondern auch Tondateien, Texte, Videos, Blogs - alles, was digital gespeichert wird. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann diesem Problem nun zum Beispiel über die "Chronik des Lebens" abhelfen.
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