08.02.2021 14:11 |

Broschüre vorgestellt

Zivilschutzverband gibt Tipps für den Blackout

Kein Zug fährt, kein Handy lässt sich laden, kein elektrisches Licht und im Tiefkühlfach beginnt die Schmelze - auch Treibstoff gibt‘s keinen, denn selbst die Tankstellenpumpe braucht Strom. Dies wären Auswirkungen eines Blackout, des oft mehrere Staaten erfassenden Zusammenbruchs der Stromnetze. Wie sich Bürger und Gemeinden vorbereiten können, hat der steirische Zivilschutzverband in eine herunterladbare Broschüre mit über 300 Tipps gepackt, die am Montag vorgestellt wurde.

Bei dem Leitfaden - hier zum Download - gehe es darum, Gemeinden und Bürger zu informieren, so der Geschäftsführer des Zivilschutzverbands (ZVB), Heribert Uhl. Man wolle, dass die Menschen sich vorbereiten und keine Panik erzeugen. Deshalb habe man auch die Zusammenarbeit mit der Energie Steiermark und den Energienetzen Steiermark (ENS) gesucht. Vertiefung des in der Broschüre geballten Wissens könne auch über Vorträge vom ZVB in Gemeinden erfolgen.

Generell weise man für einen Katastrophenfall darauf hin, dass Bevorratung für alle Personen im Haushalt ratsam sei. Eine Faustregel sei, dass zwei Liter Trinkwasser pro Person im Haushalt pro Tag für eine Woche vorrätig sein sollte.

Blackout vor einem Monat nur knapp abgewendet
Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) sagte, vor knapp einem Monat sei man haarscharf an einem europäischen Blackout vorbeigeschrammt. „Das müssen wir uns bewusst machen für den Fall des Falles, der hoffentlich nie eintritt, da kann jeder etwas beitragen“, sprach Schützenhöfer die Vorsorge an. Sogenannte Sicherheitsinseln, die auch in Krisen und ohne Energie von außen funktionierten, analog jener des Bundesheeres, seien in größeren Gemeindegebilden vorgesehen, sagte der Landeshauptmann.

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Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass es nicht vorhersehbare Ereignisse gibt, siehe Corona, das uns nun schon ein Jahr beschäftigt.

Landeshauptmannstellvertreter Anton Lang

SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Anton Lang, auch Finanzreferent, meinte: „Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass es nicht vorhersehbare Ereignisse gibt, siehe Corona, das uns nun schon ein Jahr beschäftigt. Das kostete bisher so an die 50 Milliarden Euro, ein Tag Blackout kostet jedoch eine Milliarde Euro.“ Die kritische Infrastruktur müsse sich wappnen, aber wie bei Corona liege es auch beim Bürger, vorzusorgen.

Energie Steiermark-Vorstand Christian Purrer sagte, bei einem drohenden Blackout sei das Eingreifen in den sogenannten Warten wichtig. In der Steiermark seien 40 bis 50 Mitarbeiter hier zuständig, da verstehe er nicht, warum diese von der Impfdringlichkeit ausgenommen seien. „Aber wichtig ist es, dass die Bevölkerung weiß, was zu tun ist, deshalb wurden wir Sponsoren des Projekts“, sagte Purrer.

Netze werden rund um die Uhr beobachtet
Vorstandskollege Martin Graf erklärte, in der E-Wirtschaft habe jeder ein Ziel: „Versorgungssicherheit, 7/24. Rund um die Uhr wird das Funktionieren der Netze beobachtet.“ Man investiere rund 100 Millionen Euro unter anderem in die Sicherheit der Energienetze. Wer ja zu Sicherheit der Energieversorgung sage, müsse auch ja zum Netzausbau sagen. Die Frage sei auch, ob ein E-Unternehmen die Fähigkeit zum sogenannten Schwarzstart habe, wenn ein Blackout eintrete. Dabei werden Kraftwerke ohne Strom aus dem Netz wieder hochgefahren, die könnten das Netz dann wieder aufbauen, in einem Tag sei wieder ein recht großer Teil an die Versorgung angeschlossen.

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Es ist laut Experten nur die Frage, wann es einen Blackout geben könnte. Deshalb müssen wir gut vorbereitet sein.

Martin Weber, ZVG-Präsident

ZVB-Präsident und SPÖ-Kommunalpolitiker Martin Weber erinnerte daran, dass Bürgermeister im Katastrophenfall behördliche Einsatzleiter seien. „Es ist laut Experten nur die Frage, wann es einen geben könnte. Deshalb müssen wir gut vorbereitet sein. In der Broschüre finden sich über 300 Tipps und Maßnahmen. Wir setzen auf die persönliche Vorbereitung der Bevölkerung, ohne deren Kooperation lauft nicht viel.“

ZVB-Vizepräsident und Landtagsabgeordneter Armin Forstner (ÖVP) sagte, die Gemeinden müssen die Grundversorgung bei Wasser leisten. „Früher benötigte man fast keinen Strom, um das Wasser zu den Verbrauchern zu bekommen. Heute brauche man neben Strom für die Pumpen auch Strom für die UV-Behandlung des Wassers.“ Forstner wies darauf hin, dass mittlerweile fast jede Gemeinde bzw. Feuerwehr Dieselaggregate für Notstromerzeugung habe.

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