18.09.2020 05:00 |

Künstliche Befruchtung

Sicherheit auf dem Weg zum Wunschkind?

Kürzliche Schockmeldungen rund um die In-vitro-Fertilisation (IVF) verursachen naturgemäß Bedenken bei Paaren, die auf diese Weise Eltern werden. Experten geben aber Entwarnung.

„Gleich vorweg sei versichert: Schwere Komplikationen passieren bei einer IVF-Behandlung äußerst selten“, beruhigt Univ.-Prof. Dr. Andreas Obruca, Gründer und ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien sowie Präsident der österreichischen IVF-Gesellschaft. „Schließlich ist dieses Verfahren bereits seit 40 Jahren etabliert, 15.000 Behandlungen werden jährlich hierzulande durchgeführt.“ Doppelt dramatisch natürlich, wenn an sich gesunden Frauen dabei etwas passiert, wie kürzlich etwa ein Todesfall in einer Kinderwunschklinik in Baden (NÖ). „Kein Wunder, dass nun viele Paare beunruhigt sind“, versteht auch Mitgründer und ärztlicher Leiter Univ.-Prof. Dr. Heinz Strohmer. „Dennoch haben etwaige Komplikationen nicht unbedingt mit der künstlichen Befruchtung an sich zu tun. Ein Problem bei der Narkose, wie in Baden, hätte auch bei anderen Routineeingriffen auftreten können.“ Die Behandlung an sich ist sehr sicher, die Komplikationsrate niedriger als etwa bei einer Bauchspiegelung.

Falls sich Probleme ergeben, können diese einerseits bei der Hormonbehandlung, andererseits bei der Eizellentnahme auftreten. „Manchmal, in ein bis drei Prozent der Fälle, kommt es vor, dass die Eierstöcke übermäßig auf die Stimulation reagieren und zu viele Eizellen produzieren. Das kann zu Beschwerden führen, die aber mit modernen Präparaten mittlerweile gut in den Griff zu bekommen sind“, erklärt Prof. Obruca. „Später werden die Eizellen bei einem kleinen Eingriff unter Ultraschall mit einer Nadel direkt aus dem Eierstock abgesaugt. Hier kann natürlich eine lokale Blutung auftreten. Bei etwa 800.000 IVF-Zyklen kommt das jedoch in nur 0,1 Prozent der Fälle vor.“ Dennoch findet natürlich bei jeder Patientin ein individuelles Risikomanagement statt, um die Gefahren zu minimieren.

Sich aus Angst vor Komplikationen bei unerfülltem Kinderwunsch nicht einmal Richtung künstlicher Befruchtung zu informieren, wäre laut Experten nicht empfehlenswert. Derzeit sind 10-15 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos. „Die Ursachen dafür liegen zu 55,1 Prozent beim Mann, zu 14,8 Prozent bei der Frau (ab 33 nimmt die Fruchtbarkeit ab) und in 30,1 Prozent der Fälle an beiden Partnern“, erklärt Prof. Obruca. „Es kommt natürlich sehr auf das Alter an, aber ich würde sagen, dass ein Erstgespräch in einer Kinderwunschklinik angezeigt ist, wenn es etwa ein Jahr lang trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr nicht mit dem Nachwuchs klappt."

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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