26.06.2020 06:32 |

Keine „Peanuts“

Google will Verlagen doch Geld für Inhalte zahlen

Google macht eine Kehrtwende und will Verlagen in Deutschland, Brasilien und Australien künftig Geld für journalistische Inhalte zahlen. „Wir kündigen heute eine neue Initiative an, in deren Rahmen wir von Verlagen Lizenzen über qualitativ hochwertige Inhalte für ein neues Nachrichtenformat erwerben“, teilte Google-Manager Brad Bender am Donnerstag in einem Blogeintrag mit. Das Projekt solle noch in diesem Jahr starten. Wie viel Geld die einzelnen Verlage bekommen, teilte Google allerdings nicht mit. Aus einem großen deutschen Medienhaus hieß es, der Betrag sei angemessen. „Nicht zu viel, aber auch nicht Peanuts.“

Während Kritiker aus der Branche Google mangelnde Transparenz beim Preis vorwerfen, hieß es an anderer Stelle: „Das ist ein Riesenparadigmenwechsel. Vor fünf Jahren wäre das undenkbar gewesen.“ Einige deutsche Verlage hatten sich in den vergangenen Jahren wiederholt vor Gericht um einen finanziellen Gegenwert für die Veröffentlichung von Pressetexten im Internet durch Google gestritten. Die Verlage hatten zwar vor Gericht einen Rückschlag erlitten, weil das deutsche Leistungsschutzrecht gekippt wurde. Allerdings muss das neue europäische Urheber- und Leistungsschutzrecht in Deutschland bis Mitte 2021 in nationales Recht umgesetzt werden.

Auf deutscher Seite sind anfangs mehrere Verlage am Google-Projekt beteiligt: Der „Spiegel“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Zeit“, der „Tagesspiegel“ und die „Rheinische Post“. Stefan Ottlitz, Geschäftsführer der „Spiegel“-Gruppe, sprach von einer interessanten neuen Partnerschaft. „So können wir unsere Reichweite erweitern und vertrauenswürdige Nachrichten in überzeugender Art und Weise über verschiedene Google-Produkte anbieten.“ FAZ-Herausgeber Carsten Knop begrüßte es, dass man „gemeinsam an einem neuen Produkt“ arbeite. „Dieses wird den Lesern der FAZ auf den Google-News-Plattformen einen echten Mehrwert bieten.“

Druck auf Internetkonzerne gewachsen
In den vergangenen Jahren ist der Druck auf Internetkonzerne wie Google und Facebook gewachsen, Medien für Inhalte zu bezahlen, mit denen sie selbst große Werbeeinnahmen einstreichen. So kündigte die australische Regierung im April eine verpflichtende Regelung an, wonach die US-Unternehmen den australischen Medienhäusern Nutzungsgebühren zahlen müssen. Die französische Kartellbehörde verpflichtete Google zu Verhandlungen mit den Medienhäusern über eine Nutzungsgebühr.

Google weigert sich bisher, für Nachrichten, Fotos und Videos von Medieninhalten zu bezahlen. Die im vergangenen Jahr beschlossene EU-Urheberrechtsreform sieht eine solche Vergütung aber vor.

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