Diversion statt Strafe

Schüler drohte, Lehrerinnen mit Machete zu köpfen

Vorarlberg
30.07.2026 07:25
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Ein junger Armenier fühlte sich an einer Bludenzer Schule gemobbt und reagierte mit blankem Hass, indem er auf der internen Schulplattform die Direktorin und seine Klassenlehrerin bedrohte. Am Mittwoch musste sich das 15-jährige Früchtchen dafür am Landesgericht Feldkirch verantworten.

Den Kopf gesenkt, die Eltern an seiner Seite – so betrat der 15-jährige Armenier den Gerichtssaal. Doch die gebückte Haltung täuschte über sein eigentliches Wesen hinweg. Auf die Fragen von Richterin Katrin Feurle reagierte der Teenager auffallend teilnahmslos, seine Antworten blieben schmallippig. Immerhin so viel ließ sich herausfinden: Weder Schule noch Arbeit gehören derzeit zu seinem Alltag.

Dass er bislang unbescholten dasteht, hat wenig mit seinem Verhalten zu tun. Der junge Armenier war den Behörden schon früher aufgefallen – nur konnte er wegen seiner damaligen Strafunmündigkeit nicht belangt werden. Jetzt, mit 15 Jahren, ist damit Schluss.

Brutale Drohung und derbe Worte
Gegenstand der Verhandlung war eine Hassbotschaft gegen seine Klassenvorständin und die Direktorin einer Bludenzer Schule. Am 18. Juni hatte der Schüler auf der internen Schulplattform geschrieben: „Diesen beiden gehört mit einer Machete der Kopf abgeschlagen.“

Anschließend folgte ein derber Satz, der an dieser Stelle nicht zitiert werden soll. Hintergrund der Drohung sei gewesen, dass der Jugendliche sich gemobbt gefühlt haben soll. Immerhin: Sein Unrecht sieht er inzwischen ein, er hat sich sogar bei den Lehrerinnen entschuldigt.

Angeklagter: „Gibt es kein anderes Angebot?“
Der Staatsanwalt blieb dennoch hart und sprach sich aus spezialpräventiven Gründen gegen eine Diversion aus – mit deutlichem Verweis auf den Amoklauf an einer Grazer Schule vor einem Jahr.

Die Richterin sah das jedoch anders, Geständigkeit und das junge Alter sprachen für sie klar für eine Diversion. Ihr Urteil: 60 Stunden Sozialarbeit abzuleisten binnen sechs Monaten. Doch statt das Angebot dankbar anzunehmen, fragte der Teenager unverblümt: „Gibt es kein anderes Angebot?“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Nein“, riefen Richterin, Staatsanwalt und Verteidigung im Chor.

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