10.01.2020 09:28 |

Erfolg für Netflix

Oberstes Gericht kassiert Verbot von Jesus-Parodie

Die Brasilianer dürfen weiter über einen schwulen Jesus und eine kiffende Gottesmutter lachen: Nach nur einem Tag hat der Oberste Gerichtshof des südamerikanischen Landes das Verbot einer umstrittenen Jesus-Parodie auf Netflix wieder aufgehoben. „Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Satire die Macht hat, die Werte des christlichen Glaubens zu untergraben, die mehr als 2000 Jahre alt und in der Überzeugung der Mehrheit der Brasilianer verwurzelt sind“, schrieb Gerichtspräsident José Antonio Dias Toffoli am Donnerstag in seiner Begründung. „Die Demokratie gedeiht nur in einem Umfeld, in dem unterschiedliche Überzeugungen geäußert und gegeneinander gestellt werden können.“

Am Vortag hatte ein Gericht in Rio de Janeiro den Streamingdienst Netflix angewiesen, den Film „A Primeira Tentação de Cristo“ (Die erste Versuchung Christi) der Satire-Gruppe Porta dos Fundos aus dem Programm zu nehmen. Damit gab es dem Antrag einer christlichen Gruppe auf eine einstweilige Verfügung statt, die durch den Film ihren Glauben geschmäht sah. Der Vorsitzende der brasilianischen Anwaltskammer, Felipe Santa Cruz, sprach von Zensur und nannte die Entscheidung verfassungswidrig. Netflix legte daraufhin Beschwerde gegen das Urteil ein.

In dem Weihnachtsspezial kommt Jesus nach 40 Tagen in der Wüste für die Party zu seinem 30. Geburtstag nach Hause, im Schlepptau seinen offensichtlich schwulen Freund Orlando, der die Feier mit anzüglichen Liedern aufmischt. Dort hängt der Haussegen ohnehin schief, weil Gott seinem Sohn Jesus eröffnet, dass er sein wirklicher Vater ist. Die Heiligen Drei Könige bringen eine Prostituierte zu der Party mit und die Gottesmutter Maria raucht Marihuana.

„Schlag ins Gesicht aller Christen“
Politiker und Geistliche kritisierten den Film als Angriff auf den christlichen Glauben. Der Bischof von Palmares, Henrique Soares da Costa, nannte den Film einen „Schlag ins Gesicht aller Christen“ und rief die Gläubigen dazu auf, ihre Netflix-Abos zu kündigen. Auch der Sohn des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro, Eduardo Bolsonaro, wetterte im Internet gegen die Satire. Im Dezember wurde ein Brandanschlag auf die Büroräume von Porta dos Fundos verübt. Ein mutmaßliches Mitglied einer rechten Gruppe bekannte sich zu der Tat und setzte sich Medienberichten zufolge später nach Russland ab.

„Zum Nachdenken anregen“
„Wir unterstützen nachdrücklich das Recht auf künstlerische Entfaltung und werden weiterhin dieses wichtige Prinzip verteidigen, das das Herzstück großartiger Geschichten“, schrieb Netflix Brasilien nach der Gerichtsentscheidung auf Twitter. Die Satiriker-Truppe betonte ebendort, „gegen jede Art von Zensur, Gewalt, Illegalität, Autoritarismus und alles, von dem wir nicht mehr erwartet haben, es Mitte 2020 ablehnen zu müssen“, zu sein. Ihre Aufgabe sei es, „Humor zu machen und davon ausgehend zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen.“

„Für diejenigen, die freie Meinungsäußerung nicht schätzen oder eine Wertschätzung für Werte haben, an die wir nicht glauben, gibt es andere Türen als unsere. Wir werden weiterhin jeden Montag, Donnerstag und Samstag unsere Sketche auf unseren Kanälen veröffentlichen.“

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