18.07.2019 08:44 |

Weniger neue Kunden

Netflix schwächelt nach Preiserhöhung bei Abos

Vielerorts hat Netflix zuletzt die Preise erhöht, das hinterlässt nun unangenehme Spuren in der Quartalsbilanz. Im zweiten Quartal kamen weltweit unterm Strich lediglich 2,7 Millionen neue Bezahlabos hinzu, wie der des US-Streamingdienst am Mittwoch mitteilte. Insgesamt brachte es der Streaming-Riese zum Quartalsende auf knapp 152 Millionen bezahlte Mitgliedschaften. Damit blieb Netflix weit unter den Erwartungen der Wall-Street-Analysten und auch unter seiner eigenen Prognose von fünf Millionen neuen Nutzern.

Netflix hatte in etlichen Ländern die Preise erhöht und die Erwartungen bereits gedämpft, mit einem so geringen Nutzerzuwachs war aber nicht gerechnet worden. Am Markt sorgten die Zahlen für schlechte Stimmung - die Aktie brach nachbörslich um mehr als zwölf Prozent ein. Dass der Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) anstieg und der Gewinn mit 270,7 Millionen Dollar über den Vorhersagen der Finanzanalysten lag, konnte die Börsianer nicht trösten.

Neue Streaming-Anbieter in den Startlöchern
Der wirkliche Härtetest steht Netflix aber ohnehin erst noch bevor: Nachdem Entertainment-Giganten wie Walt Disney das rasante Wachstum des Senkrechtstarters jahrelang relativ passiv verfolgten und dabei immer mehr Kabelkunden ans Fernsehen im Internet verloren, beginnt jetzt der Gegenangriff. Nicht nur Disney, auch der zu AT&T gehörende Konkurrent WarnerMedia mit seinem Bezahlsender HBO („Game of Thrones“) und NBCUniversal haben Konkurrenz-Services in der Pipeline.

Der Angriff trifft Netflix gleich doppelt, denn die Schwergewichte der etablierten Unterhaltungsindustrie verfügen nicht nur über viel Finanzkraft, sondern auch über begehrte Inhalte. Und viele davon liefen bisher gegen Lizenzgebühren bei Netflix. Doch weil Disney & Co. nun eigene Online-Dienste starten, wandern Marvel-Produktionen und andere Hits zu ihnen. So verliert Netflix mit „Friends“ und „The Office“ seine beiden erfolgreichsten US-Shows an direkte Rivalen.

Milliarden für neue eigene Inhalte
Schlecht aufgestellt ist das Unternehmen trotzdem nicht. Netflix hat ein enormes Produktionsbudget - alleine heuer dürften rund 15 Milliarden Dollar in exklusive Inhalte fließen - und verfügt über großes Markenpotenzial, das längst nicht ausgeschöpft ist. Fanartikel, wie sie Disney etwa zu seinen Superheldenfilmen anbietet, hat Netflix für seine Erfolgsproduktionen bisher kaum am Start. Und auch wenn HBO - vor allem dank der Abschlussstaffel von „Game of Thrones“ - Netflix mit insgesamt 137 Nominierungen bei der diesjährigen Emmy-Preisverleihung klar ausgestochen hat, dürfte dies nur eine Momentaufnahme sein. Im laufenden Quartal hat Netflix mit neuen Staffeln von „Stranger Things“ und „Orange Is the New Black“ zwei Superhits im Rennen, die viele neue Abokunden anlocken könnten.

Netflix lehnt Werbung weiter ab
Angesichts der jüngsten Entwicklung verwundert es aber wenig, dass Netflix keine Pläne hat, die Einnahmen durch Werbung zu erhöhen. Dass das Kunden erst richtig abschrecken könnte, ist dem Unternehmen bewusst. „Wir glauben, dass wir langfristig ein wertvolleres Geschäft betreiben, indem wir uns aus dem Wettbewerb um Werbeeinnahmen heraushalten und stattdessen voll und ganz um die Zufriedenheit der Zuschauer konkurrieren“, heißt es im Brief an die Aktionäre.

Fest steht: Im Streaming-Markt wird die Luft bald dünner. Denn nicht nur die Entertainment-Riesen aus Hollywood wollen die Jagd auf Netflix eröffnen. Auch Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley wie der iPhone-Gigant Apple wollen in dem boomenden Geschäft mitmischen. Hinzu kommen bereits vorhandene Kontrahenten wie Amazon und Hulu, die ebenfalls keine Anzeichen von Wettbewerbsmüdigkeit zeigen.

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