Heimlich beobachtet

US-Schulbehörde spionierte Schüler per Webcam aus

Web
20.04.2010 13:52
Eine Schulbehörde in den USA hat per Webcam heimlich Zehntausende Fotos von Nutzern der schuleigenen Laptops gemacht. Auf den Servern der Behörde seien insgesamt 56.000 Aufnahmen sichergestellt worden, darunter neben Fotos auch Screenshots, bestätigte der Anwalt des Schulbezirks Lower Merion in Philadelphia am Montag. Mit dieser zuerst vom "Philadelphia Inquirer" gemeldeten Zahl nimmt der bereits im Februar aufgedeckte Skandal eine neue Dimension an.

Dass Schüler per Webcam ausgespäht wurden, wurde im Februar – krone.at berichtete (siehe Infobox) - durch die Klage eines Betroffenen bekannt. Blake Robbins erfuhr von den Aufnahmen, als er im November von der stellvertretenden Schulleiterin in deren Büro bestellt und mit einem offensichtlich an seinem heimischen Schreibtisch entstandenen Foto konfrontiert wurde. Die Vize-Rektorin wertete das Bild als Hinweis, dass der 15-Jährige mit Drogen handle. Robbins zufolge hielt sie ein auf dem Foto sichtbares Bonbon fälschlicherweise für eine verbotene Tablette.

Die für zwei Schulen zuständige Bezirksverwaltung musste anschließend einräumen, dass ihre Techniker von Zeit zu Zeit die Webcams an schuleigenen Laptops per Fernsteuerung aktivierten. Nach Darstellung der Behörde geschah dies, um vermisste Computer wiederzufinden. Der Schüler Robbins hatte den Laptop mit nach Hause genommen, ohne die dafür eigentlich erforderliche Versicherungsgebühr zu zahlen.

400 Fotos in zwei Wochen
Nach Angaben von Robbins' Anwalt Mark Haltzman wurde sein Mandant im vergangenen Herbst über einen Zeitraum von zwei Wochen rund 400 Mal fotografiert. Einige der Aufnahmen zeigten ihn schlafend oder halbnackt, sagte Haltzman. Überdies habe die Schulbehörde mit den Screenshots auch Chat-Diskussionen zwischen Robbins und seinen Freunden erfasst.

Überwachung zum Schutz vor Diebstahl
Der Anwalt der Schulbehörde, Henry Hockeimer, erklärte dazu, das Webcam-Programm habe automatisch alle 15 Minuten zwei Aufnahmen gemacht - einen Screenshot und ein Foto von der Umgebung des Computers. Das Programm sei teilweise wochen- oder monatelang am Stück gelaufen. 

Von den insgesamt 56.000 Aufnahmen stammten über die Hälfte von sechs Laptops, die aus einem Umkleideraum der Schule verschwunden seien. Mithilfe dieser Bilder sei ein Verdächtiger ausfindig gemacht worden, sagte Hockeimer.

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