Demnach sollen 2009 unter anderem 1.500 E-Mails aus dem Büro des Dalai Lama, des in Nordindien etablierten tibetischen Exil-Oberhauptes, ausgekundschaftet worden seien. Bei der Verfolgung der Spione entdeckten die Forscher auch Dokumente der indischen Regierung, die als "geheim" oder "vertraulich" eingestuft waren. Es sei um geheime Einschätzungen der Sicherheitslage in indischen Unionsstaaten oder Beziehungen Indiens zu anderen Ländern gegangen. Ziel waren auch militärische und wissenschaftliche Einrichtungen.
China weist Vorwürfe zurück
Die Regierung in Peking wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Wir verstehen nicht, warum diese Leute immer die chinesische Regierung erwähnen", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu. Die Volksrepublik China lehne Cyber-Verbrechen ab und gehe gegen Hacker vor. Solche Angriffe seien ein "internationales Problem".
"Komplexes System von Cyber-Spionage"
In ihrer achtmonatigen Untersuchung hatten die Forscher das entdeckte "komplexe System von Cyber-Spionage" zu "bekannten Gruppen innerhalb des kriminellen Untergrunds" in China zurückverfolgt. Die Forscher bauten auf ihren Untersuchungen auf, die im März 2009 zur Enthüllung eines "Ghostnet" (Geisternetz) genannten Spionagerings geführt hatten, der ebenfalls mit China in Verbindung gebracht worden war. Von den damaligen Angriffen, die auf die exiltibetische Gemeinde abzielten, waren Computer von Behörden und Organisationen in 103 Ländern betroffen.
Ganzes Ausmaß der Spionage nicht feststellbar
Das ganze Ausmaß der neuen Cyber-Spionage konnten die Forscher nicht enthüllen. Nach ihrer Kenntnis sind unter anderem Computer einer Vertretung der Vereinten Nationen in Thailand sowie von indischen Botschaften und Konsulaten in Kabul, Moskau, Dubai und Abuja in Nigeria kompromittiert worden. Vertrauliche und persönliche Visa-Informationen von Bürgern verschiedener Staaten seien ebenso entwendet worden wie vertrauliche Angaben über Reisetätigkeiten unter anderem in Afghanistan.
Die Hacker hätten kostenlos verfügbare soziale Netzwerke und freie Serverdienste benutzt, die von Computern in China gesteuert worden seien. "Im globalen Meer der Informationen ist heute kein Land oder keine Organisation mehr eine sichere Insel", heißt es in dem Bericht. Die Sicherheit von Informationen sei "nur so groß wie das schwächste Verbindungsglied in der Kette".
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