20.08.2019 12:52 |

Von wegen 70 Mio. ...

Auktionsskandal um den „Ur-Porsche“ Typ 64

Es ist ein besonderer Leckerbissen für Autoliebhaber, der am vergangenen Wochenende unter den Hammer kommen sollte. Das berühmte Auktionshaus Sotheby’s bot den „Ur-Porsche“ Typ 64 an. Von dem Sportwagen wurden ab 1939 drei Stück hergestellt, nur eines gibt es noch. Doch die Auktionsprofis agierten dilettantisch. Die Folge: Die Auktion ist gescheitert.

Er gilt als fehlendes Bindeglied zwischen VW Käfer und Porsche 356 - und als Symbol für den Technik-Chauvinismus im Dritten Reich. Nun hätte eines der beiden letzten Exemplare des Porsche Typ 64 versteigert werden sollen. Sein heutiger Wert gilt als unschätzbar, wäre aber durch die Auktion bestimmt worden.

Aber: Während der Auktion wurden auf der Leinwand hinter dem Auktionator drastisch falsche Gebote angezeigt. Statt des Startgebots von 13 Millionen Dollar schienen 30 Millionen auf, und so ging es weiter, bis zuletzt 70.500.000 Dollar angezeigt wurden. Es dürfte sich einfach um ein Missverständnis gehandelt haben, das der Auktionator erst nach einiger Zeit aufklärte.

So fiel der Hammer bei 17.500.000 Dollar, das Auto wurde nicht verkauft - offenbar war das vom Verkäufer vorab festgesetzte Mindestgebot nicht erreicht. Ob sich potentielle Bieter von dem Auktions-Chaos abschrecken ließen oder ob der Porsche Typ 64 schlichtweg nicht mehr wert ist, kann man nicht mit Sicherheit sagen.

Schnelle Autos und schnelle Siege waren bei den Nazis populär. Der Porsche 64 sollte in dieser Beziehung 1939 neue Standards setzen und Europa die Leistungsfähigkeit deutscher Ingenieure und Autobahnen deutlich vor Augen führen - mit einer Rekordfahrt von Berlin nach Rom. Rund 1700 Kilometer Vollgas waren geplant, als Gegenprogramm zur damals populären Rallye Lüttich-Rom-Lüttich.

Basis für den extrem windschlüpfigen Anderthalbsitzer war der von Ferdinand Porsche konstruierte KdF-Wagen, aus dem nach Kriegsende der VW Käfer entstehen sollte. Dem Fahrgestell wurde eine Aluminiumkarosserie verpasst und ein zunächst 35 PS, später 40 PS starker Vierzylinder-Boxer mit 0,98 Liter Hubraum ins Heck gepflanzt. Gemeinsam mit der aufwendig aerodynamisch optimierten Karosserie machte der Viertakter eine theoretische Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h möglich. Unter Beweis stellen konnte das Coupé das für seine Zeit extreme Tempo jedoch nicht mehr: Die für den Herbst geplante Rallye wurde abgeblasen, weil am 1. September der Krieg ausbrach.

Nur drei Exemplare wurden bis dahin gebaut. Eines wurde bald darauf bei einem Unfall zerstört, das zweite wurde nach Kriegsende von US-Soldaten kaputtgefahren, später aber von Experten des Hamburger Automuseums restauriert. Das dritte Modell steht nun Mitte August im kalifornischen Monterey zum Verkauf. Von dem ursrpünglichen Trio hat es die bewegteste Geschichte. Zunächst fungierte es als privates Familienauto von Ferry und Ferdinand Porsche, die es nach Zell am See mitnahmen, wo es auch den heute noch vorhandenen Porsche-Schriftzug erhielt. Nach dem Krieg startete der Typ 64 bei Autorennen und gefiel dem damaligen Piloten Otto Mathé so sehr, dass er es anschließend kaufte und fast 50 Jahre behielt. Nach seinem Tod ging es an den Sammler und Porsche-Experten Thomas Gruber, bis es 2009 an eine Münchner Unternehmensgruppe verkauft wurde.

Nun wartet der Klassiker auf seinen fünften Besitzer - jemanden, der Ursprung und Geschichte zu würdigen weiß. „Ohne den Typ 64 gäbe es keinen Porsche 356, keinen 550 und keinen 911“, sagt Marcus Görig, Car Specialist bei RM Sotheby’s, dem Auktionshaus, das das Fahrzeug versteigert. Eine Preisvorstellung nennt das Unternehmen nicht. Aber einen weiteren Grund, nicht geizig zu sein: Mit diesem Auto werde der neue Besitzer nicht nur zu jedem Porsche-Event weltweit eingeladen, sondern dort auch in der ersten Reihe stehen.

Nachdem die Auktion nun gescheitert ist, steht der Porsche Typ 64 noch immer zum Verkauf. Wann und wo ein neuer Versuch gestartet wird und ob es dann zu einem Zuschlag kommt, bleibt abzuwarten.

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