Nicht nur in Graz

„Bus kaputt“: Metal-Band knöpft Passanten Geld ab

Steiermark
31.07.2026 05:00

Estländische Musiker touren mit einer trügerischen Verkaufsmasche durch Österreich. Auf teils aggressive Art und Weise versuchen sie, Passanten ihre CDs anzudrehen. Zuletzt kam es zu mehreren Zwischenfällen in Graz. Polizei und Ordnungswache fehlt die rechtliche Handhabe.

Ihre Metal-Band aus Estland ist in Graz gestrandet. Ihr Tourbus ist kaputt, ihre Taschen sind leer: Mit dieser Masche fängt aktuell eine Gruppe an Männern Passanten ab. Zuerst fragen sie freundlich nach dem Musikgeschmack, dann versuchen sie, ihre CDs anzubringen. Lehnt man ab, kippt die Stimmung.

„Uns haben unzählige Nachrichten erreicht“, berichten die Macher des Instagram-Accounts Grazwellness, die sich als Sprachrohr der Grazer verstehen. Die Musiker sind seit dieser Woche an unterschiedlichen Plätzen in der steirischen Landeshauptstadt unterwegs – mal am Hauptbahnhof, mal in der Innenstadt, mal auf Supermarktparkplätzen oder in Einkaufszentren. Vor Kurzem waren sie laut Berichten noch in Wien, Villach, Leoben, Knittelfeld und Gleisdorf.

Bands existieren tatsächlich
Ihre Platten laufen unter unterschiedlichen Namen: Defrage, Illumenium und California Condor. Laut einer Internetrecherche gibt es die Bands tatsächlich, sie traten sogar bei großen Festivals wie dem Nova-Rock auf. Der angebliche Bass-Spieler meldete sich zudem bei Grazwellness. Ob die Lieder auf den CDs qualitativ hochwertig sind, da scheiden sich die Geister.

Rechtliche Handhabe fehlt
Fest steht: Das Auftreten der estländischen Männer sorgt für Unmut. Bürger berichten, sie wurden „wild beschimpft“ und partout nicht in Ruhe gelassen. Von der Grazer Ordnungswache heißt es auf Anfrage: „Uns ist die Truppe bekannt. Sie kommt alle Jahre wieder“, sagt Geschäftsführer Alexander Lozinsek. Beschwerden seien aber keine gemeldet worden.

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Uns sind einige Fälle bekannt. Wenn es zu einer Anzeige kommt, wird der Sache natürlich nachgegangen. Ob eine Übertretung vorliegt, ist allerdings fraglich.

Polizeisprecher Fritz Grundnig

Ähnlich ist die Auskunft der Polizei: „Uns sind einige Fälle bekannt“, sagt Sprecher Fritz Grundnig, „wenn es zu einer Anzeige kommt, wird der Sache natürlich nachgegangen.“ Doch die rechtliche Handhabe fehlt. Zwar braucht es für den Verkauf einen Bescheid des Grazer Straßenamts, doch die Band setzt auf Spenden. Das macht es schwer, ihnen das Handwerk zu legen – und sie werden vermutlich weiterziehen.

Mitleid dient nicht nur auf der Straße als Verkaufsmasche. Zunehmend sind auch im Internet Videos von Personen zu finden, die ihre Handwerkskunst oder Ähnliches verkaufen wollen. Oft steckt dahinter jedoch KI – die gezeigten Menschen gibt es gar nicht. Verkauft werden vermeintlich handgefertigte Produkte, die sich identisch auf Amazon oder internationalen Billig-Plattformen finden.

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