12.04.2019 06:09 |

Gefahr Hypertonie

Der Blutdruck steigt schon bei den Kleinsten

Bereits Kinder und Jugendliche können unter Bluthochdruck leiden. Oft, weil sie unsportlich und unbeweglich sind sowie Übergewicht haben. Dieses Thema wurde auf der Apothekertagung in Schladming (Stmk.) vorgestellt.

Ging man bis jetzt davon aus, dass Hypertonie erst ab 16 als eigenständige Erkrankung auftritt, wurde dies nun widerlegt: Mittlerweile gibt es äußerst viele junge Menschen mit sehr hohen Werten. „Um die 160.000 Kinder zeigen hierzulande bereits erhöhten Blutdruck, Tendenz steigend“, schlug Kinderkardiologin Prim. Dr. Doris Ehringer-Schetitska, LKH Wr. Neustadt auf der Apothekertagung in Schladming (Stmk.) Alarm. „Charakteristisch für die jungen Betroffenen ist eine milde Form, oft zeigt sich nur der erste, sogenannte systolische, Wert erhöht. Häufig finden sich in der Familie ebenfalls Menschen mit Hypertonie oder anderen herz- und gefäßabhängigen Krankheiten. Wird nicht therapiert, verschwindet das Problem allerdings nicht von alleine, sondern setzt sich im Alter fort.“ Und das hat mitunter verheerende Folgen für die zukünftigen Erwachsenen: von Atherosklerose bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall!

Der Ursprung des Leidens findet sich meist schon im Mutterleib. So „programmiert“ eine übergewichtige oder rauchende Schwangere (30 Prozent qualmen weiterhin) bereits die Blutgefäße ihres Ungeborenen in Richtung spätere Hypertonie. Den Blutdruck ihrer Sprössling genau im Auge zu behalten empfiehlt Dr. Ehringer-Schetitska auch allen Eltern jener Kinder, die mittels künstlicher Befruchtung (IVF) empfangen wurden. Laut einer aktuellen Studie altern die Gefäße dieser Menschen schneller als im Durchschnitt.„Panik ist jetzt jedoch keine angebracht! Ich rate aber dazu, ab Schulalter konsequent mit den Messungen zu beginnen, bei familiärer Hypertonie-Vorgeschichte bereits früher.“ Eines der größten Probleme der jungen Bluthochdruckpatienten stellt jedoch Übergewicht dar! Dr. Ehringer-Schetitska: „50 Prozent der Betroffenen haben Adipositas. Der Anstieg des BMI um eine Einheit steigert auch den Blutdruck um 0,55 mmHg. In den Arterien ,herzgesunder‘ 16- bis 20-jähriger Amerikaner fanden sich im Rahmen einer Studie bei mehr als 30 Prozent der Jugendlichen Ablagerungenals Ausdruck weit vorangeschrittener Atherosklerose.“

Eine Diagnose gestaltet sich kompliziert, da normale Blutdruckgrenzen mit Alter, Körpergröße und Geschlecht variieren.Grundsätzlich rät die Expertinab dem 3. Lebensjahr zur regelmäßigen Messung der Werte, bei vorliegenden Risikofaktoren bereits eher. „Für korrekte Ergebnisse muss jedoch eine Blutdruckmanschette gewählt werden, welche eine kindgerechte Größe aufweist. Die Messung erfolgt am rechten Oberarm nach einer fünfminütigen Pause“, erläutert die Ärztin. Bei zu hohen Werten muss Übergewicht reduziert und tägliche Bewegung angestrebt werden. Bereits eine Abnahme von einem Kilo bewirkt eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg.

Zuckerhaltige Limos und Energiegetränke am besten generell vom Speiseplan streichen! Vor allem in den vermeintlichen Vitalitätsbringern sehen Experten eine massive Gefahr für junge Leute. „Der Konsum von Energy-Drinks kann Herz-Rhythmus-Störungen auslösen und steht auch schon in frühen Jahren in Verbindung mit zu hohem Blutdruck“, warnt Dr. Ehringer- Schetitska. „Diese Getränke gehören bei uns eigentlich auf die ,schwarze Liste‘, wie es schon ineinigen europäischen Ländern für Jugendliche der Fall ist.“ Bei Jugendlichen leider nach wie vor Thema: Der blaue Dunst begünstigt Hypertonie ebenfalls. Da in Österreich 27 Prozent der Teenager rauchen, muss auch dadurch langfristig mit Erkrankungen gerechnet werden. Gibt es keine organischen Ursachen und reicht eine Lebensstiländerung (sechs Monate!) nicht aus, um den Blutdruck in den Griff zu bekommen, und liegen bereits Probleme wie etwa Diabetes vor, kommt medikamentöse Therapie zum Einsatz, die in manchen Fällen bei Gewichtsabnahme etc. später auch wiederreduziert werden kann.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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