Do, 25. April 2019
06.04.2019 16:45

Komfort-Fetischist

Citroën C5 Aircross: Kunterbuntes Schwebekerlchen

Angesichts der Optik mag man den Citroën C5 Aircross gar nicht ernst nehmen - das wäre aber ein Fehler, denn das peppige Kompakt-SUV kann mehr als nur auffallen: Auf 4,50 Meter Länge bietet der Franzose richtig viel Platz (jedenfalls vorne und ganz hinten) und sein neuartiges Komfort-Fahrwerk holt Fans der legendären Hydropneumatik ab.

Zwei Dinge verbinden die meisten seit je her mit Citroën: Avantgarde und das schwebende Fahrgefühl der Hydropneumatik (aber auch deren Anfälligkeit). Aus der Avantgarde wurde eine verspielte Optik mit Plastikstoßfängern rundum und Farbakzenten.

Auch die Hydropneumatik mit ihrer genialen, aber teuren Technik ist passé und bleibt im Museum, dafür setzt Citroën jetzt auf eine Stahlfederung mit hydraulischen Anschlagdämpfern, plakativ „Advanced Comfort Federung“ genannt.

Im Detail: Das bedeutet, die Dämpfer des Stahlfahrwerks haben zusätzliche Dämpfer integriert, wodurch sowohl beim Ein-, als auch beim Ausfedern statt eines harten Anschlages eine hydraulische Dämpfung am Ende des Federweges steht. Das verlängert den Federweg und die Federung an sich kann weicher abgestimmt werden, ohne dass das Fahrwerk großartig an Präzision verliert.

Erstmals verbaute Citroën dies serienmäßig im neuen C4 Cactus, der einen für einen Kleinwagen absolut außergewöhnlichen Fahrkomfort aufweist. Im C5 Aircross sorgt das Fahrwerk nicht für gar so großes Erstaunen, aber es ist tatsächlich sehr komfortabel. Ein Beispiel: Zwischen den Knoten Inzersdorf und Vösendorf auf der Südautobahn in Wien fühlt sich die optisch brettlebene Fahrbahn mit vielen Autos an wie eine Wellblechpiste. Mit dem C5 Aircross hat man das Gefühl, über Sandpapier zu gleiten.

Hektisches Entschleunigen
Prinzipiell geht es hier im C5 also eher ums entspannte Gleiten. Dennoch wäre eine gefühlvollere Lenkung wünschenswert, die bei Kurvenfahrten nicht so oft nach Korrektur verlangt. Auch die Achtgangautomatik dürfte gerne etwas weniger hektisch agieren.

Der 1,6-Liter-Turbobenziner ist faktisch eine recht passende Motorisierung, 181 PS treffen auf 1,5 Tonnen und sorgen für einen Standardsprintwert von 9,0 Sekunden. Maximal läuft der Wagen 216 km/h (Testverbrauch: 9,4 l/100 km). Insgesamt klingt der Motor aber ein wenig zu angestrengt für so ein gemütliches Fahrzeug. Vermutlich wäre der starke Dieselmotor mit identischer Leistung, aber 400 statt 250 Nm maximalem Drehmoment die stimmigere Wahl.

Keine Alternative gibt es leider für das schlechte Bremsgefühl. Die Bremse ist teilweise schwer zu dosieren, was vor allem beim engen Rangieren Nerven kostet. Außerdem ist das Bremspedal so ungünstig gebaut, dass man mit der Fußspitze immer oben auf dem Bügel steht, an dem die Trittfläche befestigt ist. Mag sein, dass das mit Schuhgröße 36 kein Thema ist, mit Größe 45 stört das.

Auch wenn wir hier ein SUV haben: Allradantrieb wird nicht angeboten. Stattdessen soll ein elektronisches System den Vorderrädern allzeit zu genügend Grip verhelfen. Was der C5 anderen SUVs voraus hat: 23 Zentimeter Bodenfreiheit.

Bequem, hinten eng, großer Kofferraum
Der Innenraum müht sich nach Kräften, eventuell aufkommende Missstimmung in Wohlgefühl zu ertränken. Schöne Materialien, angenehme Haptik, elegantes Design, außerdem praktische Details wie das gekühlte Fach unter der Mittelarmlehne, das sogar eine 1,5-Liter-Flasche aufnimmt.

Das digitale Tacho-Display macht im oberen Bereich einen auf sympathischen Lupentacho wie im legendären Citroën CX, der auch in der dicken, viereckigen Steppung der Sitze zitiert wird. Denen sieht man ihr angenehmes Sitzgefühl dadurch schon an und sie bestätigen den Eindruck mit wohnzimmerartigem Komfort. Vorne sitzt man entsprechend gut, während es auf den Rücksitzen enger zugeht. Der Knieraum ist eingeschränkt und die Kopffreiheit ist maximal für Menschen bis 1,80 Körpergröße ausreichend. Dass im Testwagen dennoch alles so luftig wirkt, liegt am riesigen Panorama-Glasschiebedach.

Wirklich opulent hingegen die Platzverhältnisse im Kofferraum: 580 Liter sind das bereits hervorragende Standardmaß. Schiebt man jedoch die drei Einzelsitze der zweiten Reihe ganz nach vorne, ergibt sich ein Stauraum von beeindruckenden 720 Litern. Legt man die Rücksitze um, sind es gar 1630 Liter. Die Heckklappe öffnet optional elektrisch nach Fußkick unters Auto - aber nur so weit, wie es Leute brauchen, die auf der Rückbank kein Problem mit der Kopffreiheit haben.

Von Piepsen und fahren lassen
Teilweise optional sind für den C5 Aircross viele Assistenten zu haben, die das Leben leichter machen sollen. Dazu gehört ein teilautonomer Tempomat mit Lenkfunktion ebenso wie ein Notbremsassistent. Die Verkehrszeichenerkennung erwies sich als nicht sonderlich zuverlässig. Dieses Tempo kann man den Tempomaten automatisch übernehmen lassen.

Unterm Strich
Bei 25.490 Euro fängt der Spaß mit dem Citroën C5 Aircross an, da sind dann bereits aktiver Spurhalter, Notbremsassistent, die Scheibenwischer mit integrierten Spritzdüsen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Audiosystem mit Bluetooth-Freisprechanlage etc. dabei. Der Testwagen mit „einmal alles“ kommt auf 43.000 Euro.

Da bekommt man viel Auto fürs Geld. Wer gegenüber einer gefühllosen Lenkung oder einer seltsamen Bremse unempfindlich ist, außerdem den ungewöhnlichen Style mag und grundsätzlich mehr auf Komfort als auf Sportlichkeit steht -der sollte sich diesen charmanten Kandidaten näher anschauen.

Warum?
Komfortables Fahrwerk
Wohlfühlambiente
Auffälliges Design

Warum nicht?
Schwer dosierbare Bremse

Oder vielleicht …
… VW Tiguan, Peugeot 3008, Opel Grandland X, Seat Ateca, Hyundai Tucson

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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