Sa, 15. Dezember 2018

„Hydrokultur-Fahrwerk“

04.06.2018 09:00

Citroen C4 Cactus: Alltag mit dem Wunderfahrwerk

Autos sollen mittlerweile alles zugleich können, vor allem aber den Spagat zwischen sportlichen Fahreigenschaften und entspannendem Komfort meistern. Citroen pfeift beim C4 Cactus auf diese Quadratur des Kreises und hat ihm bei der lebenszyklushalbzeitlichen Überarbeitung ein neuartiges Komfort-Fahrwerk verpasst. Wie bewährt sich das im Alltag? Sagen wir so: Kommt drauf an.

Der erste Eindruck bei der Präsentation des gelifteten Cactus (hier geht‘s zum Fahrbericht!) war schon mal sehr gut. Optisch ist das kleine Stachelpflänzchen erwachsener geworden, weil es die verspielten, legosteinartigen Plastikflächen abgestreift hat. Das macht den kompakten Franzosen gefälliger.

Fahrwerk mit „Hydrokultur“
Den damit einhergehenden Verlust an Charakter macht der Citroen C4 Cactus mit seinem Fahrwerk wett, das es so nirgends sonst gibt. Technisch betrachtet handelt es sich um eine „Federung mit progressivem hydraulischem Anschlag“, faktisch entsteht der Eindruck, der Wagen schwebt über schlechte Straßen und vor allem Temposchwellen wie eine S-Klasse. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich auf solche Hindernisse mit deutlich höherem Tempo zufahre, als ich das normalerweise tun würde. Und immer wieder bin ich überrascht, wie sanft der Cactus die abrupt einfedernden Räder aufnimmt, ohne sich oder mir einen Stachel abzubrechen.

Die Konfiguration des Testwagens mit 110-PS-Dreizylinder-Benziner (das ist der Basismotor) und Sechsgang-Automatik trägt das Ihre zum entspannten Fahrerlebnis bei. Der Motor läuft leise und kraftvoll und wird vom Automaten gut bei Laune gehalten. Der dürfte allerdings etwas geschmeidiger zu Werke gehen. Dieses Nachruckeln beim Anfahren nervt empfindliche Gemüter bisweilen.

Entspannung ist auch im Innenraum angesagt. Breite, weiche Sitze (leider mit zu kurzer Mittelarmlehne) verbreiten Wohnzimmer-Atmosphäre, sodass die Beifahrerin gerne mal die Beine hochlegt. Hier ist das auch kein Sicherheitsproblem, denn der Beifahrerairbag ist im Dachhimmel untergebracht und schleudert einem die Beine im Fall eines Unfalles nicht entgegen. Das Handschuhfach öffnet nach oben wie ein Koffer - sehr praktisch! Ansonsten ist die Ablagensituation aber nicht hundertprozentig optimal.

Das Fahrwerk ist übrigens nicht das einzige Feature, das an die Mercedes-S-Klasse erinnert: Das Spritzwasser für die Windschutzscheibe kommt direkt aus dem Scheibenwischer. Sehr nobel.

Solange es nicht wild wird…
Wer grundsätzlich eher gemütlich fährt, kann an dieser Stelle aufhören zu lesen, denn solange ihm keine schnellen Kurvenfahrten zugemutet werden, besticht der Cactus einfach nur mit Komfort und seine nicht sonderlich rückmeldungsreiche (aber auch nicht gefühllose) Lenkung passt da auch gut dazu. Auch der nicht erhältliche Drehzahlmesser ist egal.

Wenn einen nun aber der Hafer sticht oder einfach ein Termin, den man zu versäumen droht, ist es vorbei mit der S-klassigen Souveränität. In schnellen Kurven neigt sich der Citroen weit zur Seite, in schnell gefahrenen welligen Kurven schaukelt er sich auf, die Räder fangen früh an zu quietschen. Je holpriger, desto unpräziser rollt er dann. Das alles passiert nicht überraschend, normalerweise wird man ohnehin vom Gas gehen, wenn die Seitenneigung zunimmt. Und um Missverständnisse auszuräumen: Man kann den Cactus schon zügig fahren, wirklich dynamisch mag er es aber nicht. Etwaige Beifahrer übrigens auch nicht, weil sie dann möglicherweise ihren Magen spüren.

Der 1,2-Liter-Motor meldet sich ebenfalls zu Wort, wenn man ihn richtig arbeiten lässt. Bei höheren Drehzahlen geht ihm nicht nur die Luft aus, er quittiert die Anstrengung auch mit vernehmlichem Dreizylinder-Röhren. Auf der Stoppuhr sind beim Sprint auf 100 km/h 10,9 Sekunden möglich (eine gute halbe Sekunde mehr als mit Fünfgang-Getriebe), als Höchsttempo gibt der Hersteller 188 km/h an.

Im Testschnitt genehmigte sich der Cactus 7,3 Liter auf 100 Kilometer bei meist zügiger Fahrt (NEFZ-Verbrauch 5,3 l/100 km).

Unterm Strich
Der Citroen C4 Cactus ist sicher kein Auto, das zu jedem passt. Wer aber dezidiert auf Komfort Wert legt und einen sehr gelassenen Umgang mit dem Verkehrsgeschehen und dem Autofahren an sich hat, der wird hier dank des neuartigen Fahrwerks sicher glücklich werden - und dazu muss man nicht einmal die knapp 25.000 Euro investieren, die der Testwagen in der Ausstattung „Shine“ plus Extras kostet, sondern nur den Basispreis von 16.990 Euro.

Warum?
Sensationell komfortabel
Günstiger Preis für viel Auto

Warum nicht?
Nichts für Aktivfahrer

Oder vielleicht …
… VW T-Cross, Hyundai Kona und die anderen Kompakt-SUVs

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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