01.03.2019 05:59 |

Emporia-Chefin Pupeter

„Wichtig ist uns das, was die Benutzer wollen!“

Eveline Pupeter ist Chefin des einzigen österreichischen Handyherstellers Emporia. Das Linzer Unternehmen hat sich auf Geräte für ältere Menschen spezialisiert und sich damit einen guten Ruf erarbeitet. krone.at traf Pupeter auf der Branchenmesse Mobile World Congress in Barcelona (MWC) zum Interview.

Oberösterreichische Pünktlichkeit. Fast auf die Minute genau zum vereinbarten Termin trifft Eveline Pupeter am Emporia-Stand am MWC ein und trotzdem entschuldigt sie sich vielmals für die kaum der Rede werte Verspätung.

Gerade erst war die Chefin und Gründerin des einzigen österreichischen Handyherstellers ein paar Hallen weiter bei Lizenzverhandlungen mit einem großen Netzwerkkonzern, außerdem hat sie auf der Messe zwei neue Geräte vorgestellt. Jetzt nimmt sie sich Zeit für ihr Interview mit der „Krone“.

„Krone“: Als einziger österreichischer Handyhersteller haben Sie sich eine interessante Nische gesucht. Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich auf Geräte für Senioren spezialisiert haben?
Eveline Pupeter: Emporia kommt ursprünglich aus dem Festnetzgeschäft: Anrufbeantworter, Festnetztelefone, Walkie-Talkies. Dann haben wir Anfang 2000 gesehen: Hoppla, mit dem Geschäft ist Schluss, es braucht niemand mehr Anrufbeantworter oder Festnetztelefon. Dann haben wir uns überlegt, was wir tun können und festgestellt, dass sich jene Festnetzapparate gut verkauft haben, die große Tasten hatten. Also haben wir die großen Tasten aufs Handy gebracht. Und jetzt bei unseren Smartphones haben wir eine ähnliche Herangehensweise: Nicht, was technisch machbar ist, ist relevant, sondern das, was die Endbenutzer wollen.

Ihre Zielgruppe hat also beim Handykauf andere Prioritäten als jüngere Kunden. Was macht denn ein gutes Senioren-Handy oder Senioren-Smartphone aus?
Also beim Smartphone ist es zum Beispiel wichtig, dass man sich nicht darin verlieren kann. Da haben wir eine ganz einfache Struktur, mit großen Kacheln und der Möglichkeit, dass man, wenn man einmal etwas Falsches gedrückt hat, ganz einfach wieder zurückkommt. Dass man sozusagen bei jedem Knopfdruck eine ganz bestimmte Funktion hat. Wichtig ist auch, dass alles gut zu hören ist, auch mit Hörgerät. Unsere Geräte sind also etwas lauter als andere Handys, und haben eben diesen einfachen Aufbau vom Benutzer-Interface.

Hier am Mobile World Congress sind ja auch die ganz großen Player der Branche. Wie tut man sich da als im internationalen Vergleich doch recht kompakter Hersteller?
Ja, da sind schon wirklich die ganz Großen hier. Aber wir haben uns ja von Anfang an entschieden, uns in der Nische der älteren Nutzer zu bewegen und wir wissen, dass in Europa mehr als 100 Millionen Menschen über 65 sind. Und wir wissen auch, dass von diesen 100 Millionen nur ein Drittel online ist, also ein Smartphone nutzen kann, und zwei Drittel noch auf die „Smartphonisierung“ warten, und das werden wir begleiten. Das ist ja ein riesiger Markt: 70 Millionen Europäer und 1,3 Millionen Österreicher, die nur auf unser Smartphone warten. Das reicht als Nische für uns Österreicher.

Wie hat sich das Geschäft bei Emporia in den letzten Jahren denn entwickelt? Die Bevölkerung wird im Durchschnitt ja immer älter.
Also wir haben in Österreich bei den Tastentelefonen 55 Prozent Marktanteil und am Gesamtmarkt sechs Prozent. Das heißt, von den drei Millionen Handys, die in Österreich im Jahr verkauft werden, kommen 180.000 aus dem Hause Emporia. Wir rechnen mit weiteren Zuwachsraten und dass wir relativ schnell Richtung 300.000 marschieren, Richtung zehn Prozent Marktanteil. Und dabei wird das Wachstum im Smartphone-Bereich stattfinden, nicht mehr im Tastentelefonbereich. Die Tastentelefone werden zwar stabil bleiben, aber Smartphones werden massiv wachsen.

Das ganz große Thema auf dem Mobile World Congress ist heuer der superschnelle 5G-Mobilfunk. Ist das auch bei Emporia ein Thema, haben Sie schon Pläne dafür?
5G ist ein großes Thema, weil es ja im Alter zwei Themen gibt: Einsamkeit und Sicherheit. Die Einsamkeit können wir bekämpfen, indem man zum Beispiel Bilder verschickt, etwa mit WhatsApp über unsere Telefone. Und bei der Sicherheit ist es so, dass das Leben zuhause mit technischer Unterstützung immer wichtiger wird. Und dafür braucht es das Internet of Things und bestimmte Anwendungen, für die wird es 5G brauchen. Es wird aber schon noch ein paar Jahre dauern, bis wir Produkte haben, die man hier einsetzen kann, für das sichere Leben zuhause.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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