21.12.2018 09:56 |

„Wollen Produzenten“

Programmieren bald ab erster Klasse Volksschule?

Im Frühjahr 2019 will das Bildungsministerium einen „Masterplan Digitalisierung“ für den Einsatz digitaler Medien an Schulen vorlegen. Einsatz mit Augenmaß lautet dabei die Devise, so Martin Bauer vom Bildungsministerium. Niemand wolle ausschließlich digital unterrichten. Pläne für die Modernisierung der Lehrpläne gibt es aber durchaus. „Es liegt am Lehrer zu entscheiden, welche Methode eingesetzt wird, um mit den Kindern möglichst weit zu kommen.“

An den Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen wurde schon mit dem laufenden Schuljahr verpflichtend die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ eingeführt. In zwei bis vier Wochenstunden innerhalb von vier Jahren sollen die Schüler dabei lernen, etwa kritisch mit Medieninhalten und ihren persönlichen Daten umzugehen, Office-Anwendungen zu nutzen und selbst Medien zu gestalten. Die Schulen können selbst entscheiden, ob sie dies in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermitteln.

„Wollen nicht Konsumenten, sondern Produzenten“
„Es soll ein motivierender Zugang geschaffen werden und die digitale Kompetenz für die Kreativität genutzt werden kann - Stichwort Making. Wir wollen nicht digitale Konsumenten, sondern wir wollen digitale Produzenten“, fasst Bauer, der im Bildungsministerium für IT-Didaktik und digitale Medien zuständig ist, zusammen. Große Chancen bieten digitale Medien für ihn im Bereich Individualisierung. „Durch digitale Unterstützung kann ich jedem Kind Lernen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Schwierigkeitsgraden anbieten.“

In Österreich ist der Einsatz digitaler Medien im Unterricht laut Bauer an einem Teil der Schulen schon angekommen: 2300 der rund 6000 österreichischen Schulen beteiligen sich am Netzwerk eEducation, in dem sich Schulen gegenseitig beim digitalen Lehren und Lernen unterstützen. Die Lernmaterialien auf der Plattform werden ständig erweitert und können kostenlos genutzt werden.

IT-Laboratorien an pädagogischen Hochschulen
An allen Pädagogischen Hochschulen, die für die Ausbildung der Lehrer für die Sechs- bis 14-Jährigen und die Fortbildung aller Lehrer verantwortlich sind, wurden zudem sogenannte Education Innovation Studios ausgerollt. In diesen Lernlabors lernen Pädagogen, wie sie Schüler an informatisches Denken, digitale Kompetenzen und „Skills des 21. Jahrhunderts“ wie problemlösungsorientiertes, kreatives, selbstorganisiertes Arbeiten im Team heranführen können. Die virtuelle PH, wo Lehrer Videos, aktuelle Beispielsammlungen, Feedbacktools, Lehrinhalte und Unterlagen für Fachdidaktik finden, ist laut Bauer stark nachgefragt. Auch mit schulinternen Fortbildungen sollen Lehrer motiviert werden, digitale Medien im Unterricht einzusetzen.

In der Praxis liegt der Fokus an den Volksschulen laut Bauer vor allem auf Schreib- und Rechentrainingsprogrammen. Spielerisches Lernen sei hier ein guter Einstieg und sorge für Motivation und dafür, dass man länger etwas lernt, so Bauer.

Programmier-Einstieg für Erstklässler im Gespräch
Für den „Masterplan Digitalisierung“ ist in Diskussion, Programmieren ab der ersten Schulstufe zu üben. Das bedeute aber nicht, dass Sechsjährige Programmcodes tippen, betont Bauer. Die Kinder würden etwa Roboter bauen und diese dann spielerisch programmieren mit Scratch, einer für den Bildungsbereich entwickelten visuellen Programmiersprache. „Die Idee ist, dass die Kinder dabei lernen, was ein Algorithmus ist, wie er funktioniert und programmtechnische Elemente wie Schleifen, Bedingungen oder Funktionen kennenlernen. Das braucht man dann auch wieder in anderen Fächern wie Mathematik, wo man abstraktes Denken stark trainieren muss.“

Dass so manche Eltern von Volksschülern dem Einsatz digitaler Medien in diesem Alter skeptisch gegenüberstehen, versteht Bauer. Er gibt allerdings zu bedenken, dass Kinder heute immer früher ein eigenes Smartphone bekommen. „Unter diesen Bedingungen gehört es zu den Aufgaben der Schule, den Kindern auch einen reflektierten Umgang näherzubringen, damit ihnen klar ist, dass man nicht 1000 WhatsApp-Nachrichten am Tag schickt und es auch nicht egal ist, was man schickt und dass das Internet auch Gefahren birgt.“ Die Schule müsse die Geräte „mit Bedacht sinnvoll für das Lernen einzusetzen - und dabei auch die Bildschirmzeit im Auge zu haben“.

Fächerübergreifender Unterricht denkbar
Ab zehn Jahren sind dann anspruchsvollere Anwendungen möglich. Im Pilotprojekt „Microbits“ werden über eine Scratch-artige Programmierumgebung kleine Mikroroboter programmiert, über deren Sensoren man etwa die Lage abfragen und deren Tasten man programmieren kann. Die Idee sei fächerübergreifender Projektunterricht etwa in Mathematik, Physik, Biologie und Werkerziehung. „Jeder Lehrer soll die in seinem Fach jeweils spannenden Themenbereiche bearbeiten und für die Kinder ergibt sich ein Ganzes. Die Lehrer müssen sich dafür stärker abstimmen“, schildert Bauer. Die notwendigen Materialien seien alle fertig, qualitätsgesichert und stehen kostenlos zur Verfügung.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit für digitale Didaktik wäre, Aufgaben nicht auf einem Blatt Papier zu lösen, sondern mithilfe einer Tabellenkalkulation, bei der zusätzlich gleich weitere Kompetenzen angesprochen werden. Wenn man bei dieser an die Grenzen stoße, könne man die Problemlösung auch programmieren. In jedem Fach könne der Einsatz anders aussehen. „Im Zentrum steht aber immer der Content und das, was ich pädagogisch und didaktisch machen möchte.“

Für den „Masterplan Digitalisierung“ angekündigt sind u. a. moderne Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien, Verbesserungen bei der Infrastruktur und eine verstärkte Aus- und Weiterbildung der Lehrer. Künftig sollen außerdem das Verständnis für große Zusammenhänge Vorrang bekommen vor Faktenlernen und das Interesse an Technologie (vor allem auch bei Mädchen) gesteigert werden.

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