Mehr Höflichkeit, weniger Hassbotschaften: Beim Umgangston auf Twitter gibt es einer Studie zufolge eindeutige Unterschiede zwischen Kanadiern und US-Nutzern. Bei der Vorliebe für bestimmte Wörter gebe es ein „klares Übergewicht an negativem Output in amerikanischen Tweets gegenüber kanadischen“, heißt es in der in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlichten Untersuchung.
Während Kanadier etwa häufiger Begriffe wie „danke“, „großartig“ oder „glücklich“ verwendeten, kreisten US-Tweets häufiger um die emotional aufgeladeneren Wortgruppen „hassen“, „fühlen“, „lieben“ oder von etwas „ermüdet“ oder über etwas „wütend“ sein. Für ihre linguistische Auswertung nahmen Experten der kanadischen McMaster University dabei 37 Millionen Kurzbotschaften aus den Jahren 2015 und 2016 unter die Lupe.
Dabei zeigte sich auch, dass es bei der US-Wortwahl für die 280-Zeichen-Texte eine „relativ klare Präferenz für Tabubegriffe inklusive Schimpfwörtern, Kraftausdrücken und rassistischen Verunglimpfungen“ gebe, schrieben die Forscher. Außerdem verwendeten US-Nutzer häufiger Emojis und Abkürzungen wie „lol“ für „laughing out loud“ (laut loslachen).
Kanadier laut Soziologen nicht per se netter
Zugleich hoben sie hervor, dass soziologische Untersuchungen der Vergangenheit entgegen des weitverbreiteten Klischees gezeigt hätten, dass Kanadier nicht grundsätzlich freundlicher als ihre südlichen Nachbarn seien. „Das von uns beobachtete Twitter-Verhalten spiegelt nicht das tatsächliche zugrundeliegende Persönlichkeitsprofil eines durchschnittlichen Amerikaners oder Kanadiers wider“, erklärte Mitautor Daniel Schmidtke.
Als möglichen Erkläransatz vermuten die Forscher nun eine „Strategie zur Identitätskonstruktion“. Demnach greifen kanadische und US-Twitterer womöglich selbst die über sie grassierenden nationalen Stereotype auf und verstärken sie damit letztlich - eine Hypothese, die nach Angaben der Forscher allerdings noch bestätigt werden muss.
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