Mo, 19. November 2018

Jugend im Visier

05.11.2018 16:00

Verbraucherschutz warnt vor Bitcoin-Bauernfängerei

Dubiose Anbieter von Bitcoin und Co versuchen, in sozialen Medien zunehmend junge Anleger zu ködern. „Sie locken offenbar gezielt jüngere Verbraucher, zum Beispiel mit einem vielversprechenden Investment rund um die neuen Kryptowährungen“, erläuterte Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen.

Hinter den Angeboten dürften oft verbotene Schneeballsysteme stecken, „oder das investierte Geld ist am Ende einfach weg und der Anbieter nicht mehr erreichbar“.

Generell überwiegt bei Internetnutzern laut einer Umfrage von deutschen Verbraucherzentralen aber die Skepsis gegenüber Digitalwährungen, die kein gesetzliches Zahlungsmittel sind. Demnach können sich 77 Prozent der Befragten, die Kryptowährungen kennen, eine Investition nicht vorstellen. 70 Prozent halten das für eher riskant oder sehr riskant. Auch bei seriösen Angeboten sollten sich Anleger angesichts starker Schwankungen über Risiken im Klaren sein, mahnen Verbraucherschützer.

„Kryptowährungen sind grauer Kapitalmarkt“
„Anleger müssen wissen: Kryptowährungen als Geldanlage sind grauer Kapitalmarkt“, sagte Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. „Regulierung und Anlegerschutz gibt es nicht.“

Für etwa jeden Zehnten ist ein Kauf eine Option, weitere elf Prozent sind unentschlossen. Am größten ist die Investitionsbereitschaft bei den 18- bis 29-Jährigen (28 Prozent). Befragt wurden etwa 1.000 Internetnutzer. Gut die Hälfte gab an, Kryptowährungen zu kennen.

Als wichtigstes Argument für einen Erwerb nannten mögliche Käufer die Chance, spekulieren und hohe Gewinne erzielen zu können (26 Prozent). Digitalwährungen hatten in der Vergangenheit in der Tat erst rasante Kursgewinne verzeichnet - heuer ging es allerdings kräftig abwärts. Die Einschätzung, Bitcoin & Co seien das „Geld der Zukunft“, teilten lediglich 17 Prozent der Befragten.

Kryptogeld als Zahlungsmittel kaum akzeptiert
Auch bei Kryptowährungen als Zahlungsmittel überwiegt den Angaben zufolge insgesamt die Skepsis. „Daneben akzeptieren momentan wenige Anbieter Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Ob diese von einer Randerscheinung zu einer echten Zahlungsalternative für Verbraucher werden, ist derzeit noch völlig offen“, sagte Kerstin Schultz, Teamleiterin Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Sachsen.

Die bekannteste Digitalwährung, der Bitcoin, ist seit 2009 im Umlauf. Sie lässt weitgehend anonyme Zahlungen zu, funktioniert unabhängig von Regierungen oder Banken und kommt vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Mittlerweile existieren auch zahlreiche andere Kryptowährungen.

Kryptowährungsbörsen sind auch ein beliebtes Ziel für Hacker. Seit 2009 wurde laut einer Studie der US-Universität Tulsa rund ein Drittel aller Handelsplattformen gehackt. Die Staatsdruckerei-Tochter Youniqx Identities AG hat gemeinsam mit der Grazer Bitcoin-Firma Coinfinity einen physischen Schlüsselspeicher für Blockchain-Systeme entwickelt, der dem Klau von Kryptowährungen vorbeugen soll.

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