31.08.2018 11:30 |

Geschlechtskrankheit

Unterschätzter „Sexkeim“

Spezielle Bakterien, die Frauen und Männer befallen, bleiben oft unbehandelt - neuer Test kann diese jetzt entlarven. Rasche Therapie kann bei Frauen Unfruchtbarkeit, durch Verklebung der Eierstöcke, verhindern.

Rund ein Viertel aller Frauen und 10 Prozent der Männer tragen einen Keim, der vor knapp 40 Jahren entdeckt wurde: Mycoplasma genitalium. Forscher fanden dieses Bakterium im Abstrich von zwei Patienten mit Harnröhrenentzündung mittels Elektronenmikroskop.

Dieser Erreger wird durch Sexualkontakt übertragen und verursacht bisweilen verschiedene Beschwerden - beim Mann eben eine Entzündung der Harnröhre mit Brennen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang und glasigem Ausfluss. Bei Frauen verläuft die Infektion tückischerweise häufig zunächst unbemerkt. Eine Entzündung des Muttermundes wird oft nicht wahrgenommen. Bleibt die Krankheit jedoch unbehandelt, können sich die Bakterien auf Eileiter und Eierstöcke ausbreiten. Das kann zu chronischen Unterbauchbeschwerden führen. Es besteht aber auch der Verdacht, dass durch Verklebung der Eileiter Unfruchtbarkeit entsteht!

Bisher war es nur möglich, den bösartigen „Sexkeim“ in Forschungslabors nachzuweisen. Es gab daher auch keine entsprechende Sekretuntersuchung bei Beschwerden im Harntrakt. So blieben leider viele Fälle unentdeckt und damit auch ohne Therapie. Unklare Beschwerden im Urogenitalbereich konnten meistens nicht zugeordnet werden.

Seit Kurzem steht jedoch ein höchst empfindlicher Test für Routineuntersuchungen zur Verfügung. Dabei nimmt der Arzt einen Abstrich aus der Genitalgegend und untersucht ihn mittels der neuen Methode auf Mycoplasma genitalium. Derzeit wird der Test noch als Privatleistung angeboten (etwa in den Pilzambulatorien Wien), weil ihn die Kassen vorläufig nicht bezahlen. Die Behandlung dieser Infektion erfolgt durch Antibiotika. Allerdings gestaltet sich die Therapie mitunter schwierig, weil das Bakterium häufig gegen die eingesetzten Mittel resistent ist, sich also nicht bekämpfen lässt. Nach abgeschlossener Behandlung ist auf jeden Fall eine Kontrolluntersuchung erforderlich.

Dr. Claudia Heller-Vitouch*, Kronen Zeitung

*Fachärztin für Haut-und Geschlechtskrankheiten aus Wien.
Information: www.heller-vitouch.at

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