So, 21. Oktober 2018

Sanfter Tourismus

22.05.2018 09:00

Steiermark: Lebenslust auf blühenden Hügeln

Wer in den Südosten der Steiermark fährt, sollte einen ordentlichen Kohldampf (Hunger) mitbringen - und viel Zeit zum Genießen. Sanfter geht Tourismus nicht.

Es ist kein Malheur, dass der Südosten der Steiermark nicht so berühmt ist wie die Weinstraße im Südwesten oder das Ausseerland mit seinen Bergen und Seen. Dieses freundliche, gutmütige Stück Erde, das sich von den Almen des Weizer Berglands über malerische Hügel ins Grenzgebiet zur slowenischen Stajerska zieht, umgarnt seinen Gast mit Geborgenheit, Lebenslust und schönen Überraschungen.

Das Zauberwort heißt Genuss
Genuss heisst deshalb auch das Zauberwort für eine Reise durch diese üppige Landschaft. Genuss, das bedeutet hier nicht dekadenten Luxus oder Hochglanz-Design, sondern nachhaltiges Erleben dessen, was das freundliche Klima gedeihen lässt. Dass Nachhaltigkeit am besten dort funktioniert, wo die Akteure auf ein paar Prozent Gewinn verzichten und lieber fair zusammenarbeiten, beweist die Erfolgsgeschichte des Schafes in der Region. Noch vor zwei, drei Jahrzehnten schrie kein Hahn nach dem Schaf - heute begegnet man immer wieder einer grasenden Herde - weißen Tupfern auf saftigem Grün. Das zarte charakteristische Lammfleisch und die vielen Käsesorten mit der herzhaften Würze sind der Renner - nicht nur in der funkelnagelneuen Schau-Manufaktur, die die Genossenschaft der Weizer Schafbauern vor einem halben Jahr in Obergreith eröffnete.

Keine echte Konkurrenz für die Schafe sind die putzigen, wuscheligen Alpakas, die ein paar Kilometer weiter südöstlich im „Cria Valley“ in Stang bei Hatzendorf ausgelassen über eine Weide tollen. Wem es gelingt, bei einem gemeinsamen Spaziergang das Vertrauen eines dieser eher scheuen Wesen zu gewinnen, der hat seine Seele erfolgreich ausbalanciert.

Ähnlich therapeutisch wirkt ein Besuch in Eva Kraußlers „Talcus“-Werkstatt in Stubenberg. Aus weichen Specksteinstücken jeder Größe werden hier mittels Feile und Schleifpapier mehr oder weniger originelle Figuren geformt - auch bei Regen eine wundervolle Quelle der Kontemplation. In Ilz (sagen Sie Ülz, wenn Sie verstanden werden wollen) ist die Natur schon ein paar Tage weiter. Dort verarbeitet die Mühle der Familie Schalk die Schätze der Region mit den gleichen Methoden wie vor 100 Jahren. Fast kein Bäcker der Region will noch auf diese Qualität verzichten - und nebenan duftet es mächtig nach dem schwarzen Gold der Steiermark: dem Kernöl, dessen Röstaromen dank der speziellen Verarbeitung im holzbeheizten Kessel geradezu explodieren ...

Matthias Wagner, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.