Mo, 18. Juni 2018

Mach‘s gut, Kazuma!

18.04.2018 09:00

„Yakuza 6“: Der Abschluss des Mafia-Epos im Test

Selbst ein Epos ist irgendwann am Ende angelangt. Begeistert, aber auch zunehmend erschöpft, hat man den Protagonisten durch sein Abenteuer, seine Freuden und Leiden begleitet. Die „Yakuza“-Reihe war die fernöstliche Antwort auf „Der Pate“ und so manche Telenovela. So lebendig, so detailliert, so spannend und so bewegend wie nie soll Teil 6 einen würdigen Abschluss um die Geschichte von Hauptfigur Kazuma Kiryu bilden. Ob es gelingt? Wir haben es getestet.

Obwohl die „Yakuza“-Reihe eine eingefleischte Fan-Gemeinde hat, konnte sie sich hierzulande nie als Massenphänomen durchsetzen. Dabei ist sie im Kern ein Prügelspiel. Das ist dann aber doch zu kurz gegriffen. Vielmehr wurde es in eine äußerst umfangreiche Umwelt eingebettet.

Ein „GTA“ mit ausufernder asiatischer Erzählweise sozusagen. Allerdings auch eines mit japanischer Sprachausgabe, englischen Untertiteln und langen - teils zu langen - Dialogen sowie Wanderungen durch japanische Örtlichkeiten, die mitunter kein Ende nehmen wollen. Kurzum, zu speziell für den Gelegenheitsspieler, aber ein wahres Kleinod für den geneigten Gamer.

Überzeichnete und skurrile Erzählung
Bei Teil 6 versucht Sega erzähltechnisch noch eines drauf zu setzen. Mit dem Erfolg, dass vieles sehr stark überzeichnet und somit teils skurril anmutet. Im Grunde geht es jedoch noch immer um die Intrigen japansicher und chinesischer Clans.

Seine wahren Stärken spielt „Yakuza 6“ bei der Darstellung der Umgebung aus. Die Straßen und Gässchen wirken unheimlich detailliert und liebevoll gestaltet. Laufend gibt es etwas Neues zu entdecken.

Dazu kommt erstmals die Möglichkeit, in First-Person-Perspektive - ohne nerviges Button-Drücken -  durch die Szenerie zu schlendern. Das entschleunigt, entspannt. Eine fast schon buddhistische Gelassenheit stellt sich ein. Für alle Gehetzten und Ungeduldigen die Chance, ihre innere Balance zu finden.

Prügeleien lassen sich super steuern
Aufkeimende Aggressionen sind dabei kein Hindernis. Die überabeiteten Prügelszenen bewirken hier wahre Wunder. Noch nie konnte Kazuma Kiryu so gut steuerbar über seine Kontrahenten herfallen. Ganze sechs Teile hat es gebraucht, aber jetzt - Halleluja! - ist die Kamera kein ärgerliches Hindernis mehr.

Online-Kämpfe gegen die Lakaien Dritter
Die eigenen Fäuste schwingen zu können ist gut, die Drecksarbeit andere erledigen zu lassen aber noch immer besser. Die Gefolgsleute seines gegründeten Clans treten in Echtzeitgefechten gegen andere Clan-Mitglieder an.

Der Clou dabei: Es gibt Online Kämpfe gegen die Schläger anderer Spieler. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Kazuma Kiryu als gewieften Taktiker zu inszenieren verspricht mehr Erfolg, als geradeaus mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Tolle Minispiele fesseln langfristig
Derart motiviert und vor Energie strotzend sollte es ein Leichtes sein, der Haupthandlung folgend rasch das Ende zu erreichen. Aber weit gefehlt! Die zahlreichen Minispiele haben eine ähnliche Anziehungskraft wie die Sirenen bei Odysseus.

Eine Partie Baseball gefällig? Kein Problem. Ein oder zwei, drei schnelle Spiele in der Spielhalle? Warum nicht? „Fantasy Zone“, „Puyo“, „Virtua Fighter 5“, „Outrun“, „Super Hang-On“ oder „Space Harrier“ warten regelrecht darauf, in Beschlag genommen zu werden. Aus ein paar Minuten werden so Stunden und mitunter sogar Tage. Das eigentliche Ziel wird nur mehr zu einem sich verflüchtigenden Gedanken.

Wenig Dynamik, nostalgisches Dialogsystem
Wie das so ist mit in Ehren ergrauten Legenden, machen sich zunehmend kleinere oder größere Wehwehchen bemerkbar. Dynamisch ist in „Yakuza 6“ nichts. Schon gar nicht die Umgebung. Das Dialogsystem hat seine besten Zeiten auch schon hinter sich, versprüht aber vielleicht auch deshalb einen gewissen Charme.

Letzten Ende ist es aber so: Wir haben Kazuma Kiryu trotz seiner Schrullen und Macken ins Herz geschlossen und meistern auch sein letztes großes Abenteuer gern mit ihm gemeinsam.

Fazit: „Yakuza 6“ ist auch in seiner letzten Auflage kein Spiel der Massen hierzulande geworden. Trotz vieler Verbesserungen bleibt es den Feinschmeckern, Enthusiasten, den langjährigen Fans von Kazuma Kiryu vorbehalten. Sie werden auch über die vorhandenen Schwächen hinwegsehen, sich am Setting, weniger an den Dialogen, den Minispielen und dem endlich tadellos funktionierenden Kampfsystem erfreuen. Ein würdiger Abschluss der epischen Saga, mit dem Sega Kazuma Kiryu in den wohlverdienten Ruhestand schickt.

Plattform: PS4 (getestet)
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 8/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan

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