Sa, 21. Juli 2018

Vor Börsengang

02.04.2018 08:58

Hat Spotify das Zeug zum nächsten Netflix?

Spotify-Chef Daniel Ek ist ein Mann mit einer Mission. In seinen eigenen Worten klingt sie so: „Das Potenzial der menschlichen Kreativität erschließen, indem wir Millionen Künstlern die Möglichkeit geben, von ihrer Kunst zu leben, und Milliarden von Fans die Möglichkeit, zu genießen und sich inspirieren zu lassen“. Eks Problem: Damit hat er bisher kein Geld verdient. Das könnte Anleger beim Börsengang abschrecken, der am 3. April an der New York Stock Exchange ansteht.

Spotify ist zwar der klare Marktführer im Musik-Streaming, aber weit entfernt von einem profitablen Geschäftsmodell. Ende 2017 hatte das schwedische Unternehmen 71 Millionen zahlende Abo-Kunden und 159 Millionen Nutzer insgesamt. Doch trotz rasanten Wachstums - der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um fast 39 Prozent - nahm der operative Verlust von 349 Millionen auf 378 Millionen Dollar (rund 305,4 Millionen Euro) zu. 2018 will Spotify die 200-Millionen-Nutzer-Marke knacken, rechnet aber mit einem operativen Minus von 230 bis 330 Millionen Dollar.

Parallelen zu Netflix
Um Anleger vor dem Börsendebüt zu überzeugen, vergleicht sich Spotify gerne mit Netflix. Nicht zuletzt hat Firmenchef Ek mit Barry McCarthy den Mann als Finanzchef an Bord geholt, der 2002 bereits den heutigen Marktführer im Video-Streaming an die Börse brachte. Parallelen gibt es durchaus: Bevor Netflix zum Inbegriff einer neuen Fernsehkultur wurde, die ohne klassische Kabelanbieter auskommt, schrieb das Unternehmen auch lange Zeit rote Zahlen. Heute ist Netflix profitabel und an der Börse über 130 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Spotify trauen Analysten eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar zu.

Ähnlich wie Netflix die TV-Welt revolutioniert, tut Spotify es mit der vom technologischen Fortschritt überrollten Musikbranche. „Wir haben einer rapide schrumpfenden Industrie wieder zu Wachstum verholfen“, meint Ek, der Spotify 2006 gründete. Dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied, der Zweifel an einer Erfolgsstory wie bei Netflix aufkommen lässt. Denn der Spotify-Boom füttert vor allem die Rechtebesitzer der Musik, die der Streamingdienst seinen Kunden gegen Gebühren oder in einer Gratisversion mit Werbung anbietet. An sie gehen mehr als 75 Cent von jedem Dollar, den Spotify einnimmt.

Abhängigkeit von Labels
Während Netflix sich mit eigenen Inhalten zum Angstgegner von Unterhaltungsriesen wie Disney oder Time Warner aufbaute, ist Spotify abhängig von den großen Labels Sony Music, Warner und Universal Music. Ek soll es zwar schon gelungen sein, etwas niedrigere Lizenzgebühren für den rund 35 Millionen Songs umfassenden Spotify-Katalog herauszuschlagen, doch seine Verhandlungsposition ist angesichts der geballten Marktmacht der Gegenseite überschaubar. Und anders als Netflix, dass inzwischen jede Menge Streaming-Inhalte exklusiv selbst produzieren lässt, hat Spotify bisher offenbar keine Pläne, den Plattenfirmen Konkurrenz durch eigene Musik zu machen.

„Noch viel, viel größere Möglichkeiten“
Finanzchef McCarthy machte bei einer Präsentation kürzlich deutlich, dass höhere Gewinnspannen vor allem durch die Erschließung anderer Umsatzquellen erreicht werden müssten. Dazu zählen Werbe-Deals mit Promotern oder der Verkauf von Daten an Musiker, Plattenfirmen und Konzertveranstalter. Bisher erzielt Spotify 90 Prozent seiner Erlöse mit kostenpflichtigen Premium-Abos. Doch Ek buhlt mit großen Versprechen um Anlegergeld. „Wir sind erst in der zweiten Runde dieses Spiels“, sagte der 35-Jährige jüngst vor Investoren. „Die Möglichkeiten, die vor uns liegen, sind viel, viel größer als Sie denken.“

Börsenpremiere mit Risiko
Beim Börsenstart an der New York Stock Exchange setzt Spotify indes auf ein für Unternehmen in der Größenordnung ungewöhnliches Verfahren: den kostensparenden Weg einer sogenannten Direktplatzierung. Spotify lässt sich dabei zwar von Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten, beauftragt sie aber nicht wie üblich mit einer Aktienausgabe und dem dazugehörigen Preisbildungsverfahren. Das spart Geld, birgt aber auch das Risiko einer chaotischen und unberechenbaren Handelspremiere.

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