Mi, 18. Juli 2018

Wer profitiert

31.01.2018 15:00

Die Digitalisierung bringt uns neue Jobs

"Ersetzt die Maschine den Menschen?", fragte die "New York Times" vor 90 Jahren. Die Erfahrung zeigt: Neue Technologien schaffen langfristig mehr Jobs, als sie kosten.

Als die ersten Geldautomaten die Straßen säumten, fürchteten viele, Banken würden verschwinden. Als das Computerprogramm Excel es für jedermann möglich machte, große Datensätze zu berechnen, bangten Buchhalter um ihre Jobs. Beide Sorgen blieben unbegründet. Dennoch haben Maschinen das Bild von Arbeit verändert – und werden es auch in Zukunft. "Denken alleine reicht nicht – das können Maschinen auch und teilweise besser. Dafür gewinnen kreative und soziale Berufe an Bedeutung“, sagt Zukunftsforscher Franz Kühmayer.

Das bestätigen auch die Zahlen der internationalen Unternehmensberatung A.T.Kearney. Sie geht davon aus, dass die Arbeitsplätze von Menschen in Kinderbetreuung und Pflege am sichersten sind, auch Ärzte oder Archäologen haben nichts zu befürchten (Grafiken unten). Gefährdet sind hingegen Kassierer, Kreditanalysten, Service- und Hilfskräfte. Dafür entstehen neue Jobs: Derzeit sind Informatiker, Daten-Wissenschaftler gefragt, Berufsbilder wie der Maschinenbauer werden um neue Technologien erweitert. Auch Unternehmensberater, Arbeitspsychologen und Soziologen erleben eine stärkere Nachfrage, weil sie den Wandel am Arbeitsmarkt begleiten.

"Übrig bleiben Jobs, die uns menschlicher machen" 
Und der wird die Gesellschaft als Ganzes umkrempeln, glaubt der Zukunftsforscher: "Übrig bleiben Jobs, die uns menschlicher machen, die Gefühle, Ethik und Schöpfungskraft fordern", sagt Kühmayer und zieht einen philosophischen Vergleich: "Im alten Griechenland, der Wiege der Kultur, war das Hauptmotiv der Menschen, nicht arbeiten zu müssen, sondern sich mit Politik, Theater und Philosophie zu befassen." Damals hätten Sklaven die alltäglichen Arbeiten übernommen, in Zukunft könnten das die Roboter. Menschen, die heute ihr Geld mit genau diesen Tätigkeiten verdienen, müsse man umschulen und qualifizieren, aber auch sozial auffangen.

Bildung als Schlüssel zum Erfolg
Der Schlüssel, damit langfristig möglichst viele Menschen von der Digitalisierung profitieren ist Bildung, sagt etwa das IHS. In der Ausbildung müsse künftig mehr Wert auf Fähigkeiten gelegt werden, als auf Inhalte, fordert Chef Martin Kocher.  Und Kühmayer nennt ein Beispiel: "Wer heute Informatik studiert, kann bis zum Master ein Drittel von dem Gelernten wieder vergessen, weil sich die Technologie schneller ändert als die Lehrpläne." Es mache daher wenig Sinn, alle Kinder zu Informatikern auszubilden. "Stattdessen müssen wir Menschen heranziehen, die neugierig sind und das System selbst weiterentwickeln."

Teresa Spari, Michael Pichler und Vergil Siegl, Kronen Zeitung

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