Unter seinem Internet-Pseudonym "jeanfer" hatte Jean Anleu die Menschen aufgefordert, ihr Geld von der in einen politischen Skandal verwickelten guatemaltekischen Bank für landwirtschaftliche Entwicklung (Banrural) abzuziehen. "Die erste konkrete Aktion sollte es sein, Geld von der Banrural abzuziehen und die Bank der Korrupten bankrottgehen zu lassen", hieß es in seiner Twitter-Mitteilung.
Den Behörden gelang es nachzuweisen, dass "jeanfer" besagte Nachricht von seiner Wohnung in Guatemala-Stadt aus verschickte. Die Polizei verhaftete ihn, woraufhin er zusammen mit Kidnappern, Erpressern und anderen Kriminellen eineinhalb Tage im Gefängnis saß, bevor er gegen Kaution freikam. Der Vorwurf von Staatsanwalt Genaro Pacheco: Mit seiner Twitter-Nachricht habe Anleu das öffentliche Vertrauen in das Bankensystem Guatemalas untergraben.
Anleus Anwalt Jose Toledo glaubt, dass die Regierung ein Exempel statuieren wollte. "Die Botschaft ist doch klar: 'Passt auf, wenn ihr Nachrichten verbreiten wollt. Das kann jedem von euch passieren.' Es ist eine Abschreckungsmaßnahme."
Druck der Öffentlichkeit stieg
Falls die Regierung aber gehofft hatte, Kritiker zum Schweigen zu bringen, so hat sie genau das Gegenteil erreicht. Tausende leiteten Anleus ursprüngliche Nachricht nach Bekanntwerden seiner Verhaftung als neuen Tweet weiter und vergrößerten damit die Öffentlichkeit. Die Hälfte seiner Kaution von 6.200 Dollar kam von anderen Twitterern, die Geld über PayPal aus 19 Ländern schickten. Und die Zahl seiner Follower, also derjenigen, die seine Nachrichten abonniert haben, stieg von 175 auf 1.600. Dieser öffentliche Druck dürfte schließlich dazu geführt haben, dass die Anklage gegen Anleu fallengelassen wurde. Der Twitterer will nun allerdings versuchen, sich in seinen Tweets zurückzuhalten und weniger politisch zu sein.
Kritiker leben gefährlich
Dass Kritiker der guatemaltekischen Regierung gefährlich leben, zeigte bereits der Fall des Anwalts Rodrigo Rosenberg. Dieser warf dem linksgerichteten Präsidenten Alvaro Colom vor, den Drogenkartellen zu helfen, ihr Geld über die Banrural zu waschen. Wenn er getötet werden solle, dann geschehe dies im Auftrag von Colom, erklärte Rosenberg. Wenige Tage später wurde er von Unbekannten erschossen.
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