Hexenjagd beginnt

Britische Musikindustrie verschickt Warnbriefe

Web
04.07.2008 10:15
Die Hexenjagd auf Tauschbörsennutzer beginnt: Die britische Musikindustrie lässt jetzt Warnbriefe an angebliche Filesharer verschicken. Bei Tausenden Breitband-Kunden, die im Verdacht stehen, illegale Musik aus dem Netz zu laden, langen dieser Tage Benachrichtigungen vom britischen Phonoverband BPI ein. Darin werden mögliche Konsequenzen angedroht und über die Illegalität des Filesharing auf diversen Plattformen "aufgeklärt". Bislang seien etwa 800 Kunden des Internetproviders Virgin Media ausgeforscht worden, die in irgendeiner Weise urheberrechtlich geschütztes Material im Netz getauscht haben.

Auf Druck der BPI hatte Virgin zugestimmt, die Warnbriefe an seine Kunden zu verschicken. Die Musikindustrie fordert dieselbe Zusammenarbeit auch von anderen Internetanbietern und droht mit Klagen, sollten diese eine Kooperation verweigern. Österreichern bleibt dieses Horrorszenario vorerst erspart. "Hierzulande gibt es derzeit keine konkreten Pläne zu einer Zusammenarbeit zwischen Musikindustrie und Internetprovidern", sagt IFPI-Sprecher Thomas Böhm. Es gebe viele Möglichkeiten, die Piraterie im Internet zu bekämpfen. Warnbriefe wie in Großbritannien seien einer von verschiedenen Wegen, an das Problem heranzugehen.

Frechheit: Zugang soll gesperrt werden
 Der britische Phonoverband fordert von den Internetanbietern außerdem, den Leuten den Zugang ins Netz zu sperren, wenn sie die Warnungen wiederholt ignorieren. Die Provider sollten laut BPI ihre Kunden "erziehen". Nun hofft die Musikindustrie darauf, dass die Regierung einen Gesetzesvorschlag umsetzt, wonach die Internetanbieter rechtlich zu der Kooperation bzw. der Zugangssperre verpflichtet würden.

Während Virgin sich bereiterklärte, die Warnbriefe für die BPI zu versenden, zeigen sich andere Provider bislang weniger angetan von einer Zusammenarbeit. Carphone Warehouse etwa hat sich dezidiert gegen einen gemeinsamen Kampf gegen illegale Filesharing-Plattformen bzw. deren Nutzer ausgesprochen. "Wenn mit den Briefen wirklich etwas erreicht werden kann und damit ein Umdenken eingeleitet wird, dann kann auch so gegen die Piraterie vorgegangen werden", so Böhm. Hierzulande sei dies aber wie erwähnt bislang kein Thema. (pte)

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