In unserer hektischen Zeit lassen wir den Hautsinn verkümmern. "Online geht heute praktisch alles – nur berühren nicht. Dabei schützen 20 Minuten Kuscheln am Tag vor depressiven Verstimmungen und psychosomatischen Erkrankungen", so der Mediziner Dr. Cem Ekmekcioglu, der in seinem Buch "Der unberührte Mensch" (Verlag edition a) über die Bedeutung des Körperkontakts für psychisches und körperliches Wohlbefinden berichtet.
Warum tun Massagen gut? Weil die Berührungsreize zur Entspannung führen und das Wohlbefinden heben. Oxytocin steigt, das Stresshormon Cortisol sinkt, Überlastung, Ängste können leichter abgebaut, Schmerzen gelindert werden. Auch beim Tanzen lassen sich Berührungsdefizite ausgleichen, das beflügelt, lässt uns über die Tanzfläche "schweben".
Körperliche Nähe ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Schon beim Ungeborenen, das spürt, wie das Fruchtwasser seine Haut umspült. Der Tastsinn bleibt übrigens ein Leben lang erhalten im Unterschied zum Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, die im Alter nachlassen. Deshalb sprechen betagte Menschen, die oft ein großes Berührungsdefizit haben, sehr darauf an, wenn man sie streichelt und ihnen die Hand hält. Das beruhigt, vermittelt Geborgenheit.
Auch bei Babys zeigte sich das in einer Studie: Werden sie während einer Blutabnahme von der Mutter eng an sich gedrückt gehalten, erhöht sich die Ausschüttung von Endorphinen (körpereigene Glückshormone), die angenehme Gefühle hervorrufen, aber auch die Schmerz- Weiterleitung hemmen. Die Kleinen schreien viel seltener.
Vorbei ist die Zeit, als Frühchen nur steril abgeschirmt von den Müttern im Inkubator lagen. Die Wiener Neonatologin Dr. Marina Markovich gilt als Pionierin, was den Umgang mit Frühgeborenen betrifft. "Durch unmittelbaren Körperkontakt mit der Mutter stabilisieren sich Körpertemperatur, Herzschlag und Atmung, die Babys nehmen schneller zu." Diese "Kängurumethode" ist heute weltweit anerkannt. Intensiver Körperkontakt von der ersten Minute an ist auch wichtig, um die Mutter- Kind- Bindung aufzubauen. Liebevoller Umgang innerhalb der Familie kann z.B. das Risiko für Depressionen und Aggressionen deutlich vermindern.