In den 80er-Jahren waren Microsoft und Novell noch ebenbürtige Gegner. Novell hatte damals quasi ein Monopol für die Technologie, Computer in einem Unternehmen miteinander zu vernetzen. Doch während Microsoft sich in den 90er-Jahren mit Produkten wie Windows und Office zu einem Megakonzern entwickelte, verpasste Novell den Anschluss in die erste Liga der Software-Hersteller.
Mit dem Verkauf des Software-Unternehmens aus dem US-Bundesstaat Utah an die Investorengruppe Attachmate für 2,2 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) schnappt sich nun Microsoft indirekt ein Filet-Stück des Konkurrenten. Im Rahmen des Deals gingen nämlich 882 Patente von Novell für 450 Millionen Dollar an das bisher unbekannte Konsortium CPTN Holdings LLC, das von Microsoft organisiert wurde.
Auge auf Unix-Patente geworfen?
Zu den Juwelen von Novell gehört nicht nur das Netzwerk-Betriebssystem Netware, das im Wettbewerb mit den Windows-Serversystemen von Microsoft steht. "Interessant sind vor allem die Unix-Patente von Novell", sagt Richard Seibt, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Foundation. Novell hatte zwar die Marke Unix 1995 an die SCO Group verkauft, aber wesentliche Teile des Copyrights an dem Server-Betriebssystem behalten. Diese Ansprüche wurden später im Streit mit SCO in einem langen Gerichtsverfahren weitgehend durchgesetzt.
Nun fragen sich die Beobachter, warum Microsoft so viel Geld für die Technologie eines Wettbewerbers ausgibt, der sich bereits auf dem absteigenden Ast befand. In diesem Zusammenhang rückt der deutsche Linux-Spezialist Suse ins Blickfeld. Novell hatte im November 2003 die Nürnberger Suse AG übernommen. Das Unternehmen bietet nicht nur Dienstleistungen rund um das freie Betriebssystem Linux an, sondern war mit etlichen Spezialisten an der Entwicklung von Linux beteiligt.
Um einen Dauerstreit um Patentrechte um Linux und Windows aus dem Weg zu räumen, hatten Microsoft und Novell im Jahr 2006 eine Vereinbarung geschlossen, mit der Novell-Kunden vor rechtlichen Schritten wegen einer möglichen Verletzung von Microsoft-Patenten in Schutz genommen wurden. Seibt, früher Chef der Suse AG, geht davon aus, dass das spezielle Linux-Know-how von Suse nun nicht in Hände von Microsoft fällt. "Sonst hätte der Novell-Käufer Attachmate bei der Übernahme den eigenständigen Wert von Suse nicht so sehr betont." Da aber bisher nur spärlich Informationen veröffentlicht worden seien, bleibe viel Raum für Spekulationen.
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