ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat Pius Strobl freigestellt. Damit muss wohl der nächste Top-Manager – aus Compliance-Gründen – seinen Hut nehmen. Es seien „zahlreiche Meldungen“ zu einem „möglichen Fehlverhalten“ eingegangen, heißt es beim Rundfunk.
Strobl polarisierte seit jeher. Der Mitgründer der Grünen, der bis 2006 im ORF-Stiftungsrat saß und danach als Manager auf den Küniglberg wechselte, befeuerte als Topverdiener mit millionenschwerer Zusatzpensions-Forderung die aktuelle Debatte über den Staatsfunk.
Zuletzt sorgte auch eine „Krone“-Enthüllung für Aufsehen – eine Baufirma, die vom ORF Millionenaufträge erhielt, arbeitete auch bei der Sanierung von Strobls Privathaus. Zuletzt war Strobls Name auch in der Causa rund um den Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann gefallen.
Außerdem war – wie die Staatsanwaltschaft Wien der „Krone“ erst Ende Mai bestätigte – ein Vorhabensbericht zu Strobl an die Oberstaatsanwaltschaft geschickt worden. Der Verdacht: Pensionszusagen seien intern „verschleiert“ und nicht im Interesse des ORF getätigt worden.
Strobl mit sofortiger Wirkung freigestellt
„Bei der ORF-Compliance-Stelle sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Hinweise bzw. Meldungen im Hinblick auf ein mögliches Fehlverhalten von Pius Strobl eingegangen“, heißt es nun auch in einem aktuellen Statement seitens des ORF. Generaldirektorin Ingrid Thurnher habe Strobl daher mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt.
Im ORF arbeitet ein Transparenzbeirat seit Wochen intensiv am Aufbau eines neuen Compliance-Systems, im Zuge dessen auch Altfälle unter die Lupe genommen werden. Zu Strobl – hört man – hat sich der Beirat „sehr kritisch geäußert“. Am Küniglberg wird derzeit spekuliert, dass es im Fall Strobl auch um Aktivitäten seiner privaten Firma gehen könnte – womöglich wurden während seines ORF-Krankenstands Rechnungen geschrieben. Und: Offenbar soll in der Endphase der Compliance-Untersuchung sichergestellt werden, dass Strobl keine Mitarbeiter beeinflussen könnte, die etwas zur Aufklärung beizutragen haben.
„Keine Vorverurteilung“
„Die Maßnahme erfolgte, um eine unvoreingenommene und unbeeinflusste Durchführung der Untersuchung durch die ORF-Compliance-Stelle sicherzustellen, und stellt keine Vorverurteilung dar“, wird beim Rundfunk betont.
Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin „profil“ über Strobls Freistellung berichtet. Strobl selbst hat am Montagnachmittag zu Wort gemeldet und meinte, dass ihm „bis dato keine Gründe und Begründungen bekannt gemacht wurden“. Zudem habe er „nach wie vor eine ,Schweigeweisung‘ des ehemaligen Generaldirektors“ (Roland Weißmann, Anm.). Unter anderem angesichts dieser Umstände könne und werde er keine Stellungnahme abgeben.

ORF-Enterprise-Geschäftsführer bereits zu Ostern beurlaubt
Vor Strobl wurde zu Ostern bereits Oliver Böhm, Geschäftsführer der ORF-Enterprise, beurlaubt. Auch hier war es um mutmaßliche Compliance-Verstöße gegangen.
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