Krimi um „Timmy“
„Rettungsversuch geht am Wohl des Wals vorbei“
Der Kampf um das Leben des Buckelwals „Timmy“ in der Wismarbucht in Deutschland geht weiter. Doch langsam rennt den Helfern die Zeit davon. Ein Walforscher Fabian Ritter spricht sich erneut dafür aus, den Wal in Ruhe zu lassen: „Der Rettungsversuch geht am Wohl des Wals vorbei.“
Am Dienstagvormittag nahmen Mitglieder der privaten Initiative, die die Rettung finanziert, ihre Arbeiten wieder auf. Im aktuellen Livestream (siehe unten) ist zu sehen, dass der Wal nach wie vor vor der Insel Poel im flachen Gewässer liegt, ohne sich viel zu bewegen. Helfer sind vor Ort. Taucher versuchen, die Sandbank unter dem Tier wegzuspülen. Andere Helfer befeuchten „Timmy“, der immer wieder kurzzeitig wie wild mit den Flossen schlägt.
Livestream zum Wal „Timmy“:
Wasserpegel sinkt bedrohlich
Ein großes Problem beschäftigt die Helfer seit den Morgenstunden: Der Wasserstand vor der Insel Poel ist in der Nacht auf Dienstag deutlich gesunken. In den kommenden Tagen soll er auf niedrigem Niveau bleiben. Damit verschlechtern sich die Rettungschancen für den Buckelwal. Denn wegen des gesunkenen Wasserstands ragt das Tier weiter aus dem Wasser und sein Gewicht drückt stärker auf seine inneren Organe. Ein Retter glaubt, dass die Überlebenschancen des Tiers bei 50:50 stehen.
Dem Wal geht es den Umständen entsprechend, aber er hat erhebliche Probleme. Das weiß doch jeder Mensch.
Becken für Wal gespült
Laut „Bild“-Zeitung und „News5“ haben Retter daher eine 4 mal 14 Meter große und 2,50 Meter tiefe Kuhle gebuddelt, in die der Wal rutschen soll. Das könnte noch heute passieren. Damit soll verhindert werden, dass der Wasserstand für den Wal zu niedrig wird. Zudem wurde auch ein Sender am Wal angebracht, um ihn orten zu können, falls er wegschwimmt.
Umweltminister trat vor die Presse
In einer Pressekonferenz am späten Nachmittag sprach Till Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, über die weiteren Vorhaben der Initiative, die „zügig“ genehmigt worden seien. Geplant seien die Fütterung des Tieres mit Makrelen und die Spülung des Beckens. „Er ist ja doch ziemlich kurzatmig“, sagte Backhaus über den Gesundheitszustand des Wals. Und fügte hinzu: „Dem Wal geht es den Umständen entsprechend, aber er hat erhebliche Probleme. Das weiß doch jeder Mensch.“
Walforscher rät, die Rettungsaktion abzubrechen
Walforscher Fabian Ritter plädierte hingegen dafür, das Tier in Ruhe zu lassen. „Dieser Wal macht, was er will. Er ist nicht zu kontrollieren und wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten“, sagte der Meeresbiologe. „Wir Menschen scheinen das nur schwer aushalten zu können. Aber wir sollten ihm im Moment nur den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.“ Entweder finde er wieder zu Kräften und die Schädigungen seien nicht so groß, sodass er ohne Zutun den erneuten Aufbruch schaffe. „Oder er ist halt auf dem Weg zu seinem Lebensende. Das müssen wir einfach jetzt akzeptieren.“
Wir Menschen scheinen das nur schwer aushalten zu können. Aber wir sollten dem Wal im Moment nur den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.
Walforscher Fabian Ritter
„Wal muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt“
Aus Sicht des Teams vor Ort sei die Rettung nachvollziehbar. „Die wollen diese Rettung. Die haben einen Teil der Bevölkerung auch hinter sich“, sagte Ritter. „Aber ich glaube, es geht mittlerweile tatsächlich am Wohl des Wals vorbei.“ Ritter geht davon aus, dass der Wal die ruhende Position im flachen Wasser immer wieder einnimmt, „weil er sich das Leben erleichtern will“. „Er liegt im Wasser, das trägt ihn, das heißt, er erdrückt sich nicht mit seinem eigenen Gewicht. Er muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt. Er braucht sich nicht bewegen, wenn er Schmerzen hat. Und er kann atmen, die ganze Zeit.“
Wal „Timmy“
- Offiziellen Messungen zufolge ist der Buckelwal „Timmy“ 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit fast einem Monat in der Wismarbucht vor der Insel Poel (Bundesland Mecklenburg-Vorpommern).
- Erste Sichtungen des Wals hatte es Anfang März gegeben. Am 3. März tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Gegen Abend schwamm er wieder Richtung Ostsee. In den Tagen darauf wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesehen.
- Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
- Am 23. März strandete der Wal das erste Mal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Umfangreiche Rettungsversuche starteten, das Tier schwamm schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete es auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht weiter, lag kurz darauf in der Wismarbucht wieder auf, schwamm erneut weiter. Seit 31. März saß er dann wieder fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Die aktuelle Strandung im Zuge der morgendlichen Treibversuche ist nun die sechste in Folge.
Streitereien innerhalb der Initiative
Unterdessen gibt es innerhalb der privaten Initiative Unstimmigkeiten. Pressesprecherin Christiane Freifrau von Gregory warf am Dienstagmorgen zunächst ihre Funktion hin. Die aktuellen Entwicklungen und Dynamiken vor Ort entsprächen „nicht mehr den Grundwerten und Standards, für die ich persönlich und wir als Team stehen“, schrieb sie. Am Nachmittag dann die Wende: Nach t-online-Informationen soll der Streit im Kernteam izwischen beigelegt worden sein. Gregory soll sich der Initiative wieder angeschlossen haben.
US-Tierärztin geht auf Retter und Politik los
Bereits am Montag verließ US-Tierärztin Jenna Wallace, die extra aus Hawaii eingeflogen wurde, die Initiative. Sie kritisierte insbesondere zwei namentlich nicht genannte Team-Mitglieder – und schimpfte auch über Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium. Dem „Focus“ schrieb sie, die Regierung habe „nicht einmal die geringsten Änderungen am Plan zugelassen“.
„Sie verlangten vom Team, sich jedes Mal bei ihnen zu melden, wenn jemand zum Wal hinausfahren wollte“, zitierte der „Focus“ Wallace. In Absprache mit internationalen Experten habe das Team vorgeschlagen, den Wal mit Gurten zu transportieren, wie es die Sea World Foundation vorgemacht hat. Wie der NDR berichtete, hatte dies das Ministerium aus „tierschutzrechtlichen Gründen“ abgelehnt. Wallace selbst war mehrere Tage vor Ort, wolle aber für die „Aktion“ ihren Job nicht riskieren.

Gescheiterter Versuch am Montag
Der Wal war – nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte – Montagfrüh bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das womöglich schwer erschöpfte Tier aber. Seither liegt der Wal an der gleichen Stelle nahe dem tieferen Fahrwasser.









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