07.11.2007 12:38 |

"Verpetzt"

Yahoo als "moralischer Zwerg"

Nach Google gerät nun auch Yahoo ins Kreuzfeuer der Kritik, weil man mit der chinesischen Regierung in Sachen Datenschutz kooperierte. Während Google bloß Websites sperrte und Suchergebnisse filterte, die dem chinesischen Regime nicht passten, hat Yahoo ganz konkret "gepetzt". Von Yahoo an die chinesische Regierung herausgegebene Mails führten zur Verhaftung eines pro-westlich orientierten, kritischen Journalisten. In den USA musste die Nummer zwei der Suchmaschinen hinter Google ordentlich Hiebe einstecken.

Technologisch und wirtschaftlich sei Yahoo ein Riese, moralisch aber ein Zwerg, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses, Tom Lantos.

Zuvor hatten Yahoo-Chef Jerry Yang und Firmenanwalt Michael Callahan die Rolle des Unternehmens bei der Festnahme des opositionellen Journalisten Shi Tao verteidigt. Shi wurde 2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich in einer E-Mail kritisch über die Zensur für Medien in China geäußert hatte.

Yahoo gab später zu, dass es den chinesischen Behörden Informationen gegeben hat. Callahan sagte, dass sich in China arbeitende Unternehmen an die dort geltenden Gesetze halten müssten. Er könne von den Mitarbeitern dort nicht verlangen, „sich gesetzlichen Forderungen zu widersetzen und die persönliche Freiheit zu riskieren“.

Vergleiche mit Nazi-Regime
Der republikanische Abgeordnete Chris Smith verglich die Kooperation von Yahoo mit der chinesischen Regierung mit der Kollaboration von Unternehmen mit dem NS-Regime im Zweiten Weltkrieg. Bei der Anhörung in Washington war auch Shi Taos Mutter, Gao Qingsheng, anwesend. Yang und Callahan verbeugten sich vor ihr. Callahan erklärte, bei der Erschließung neuer Märkte wie beispielsweise Vietnam werde sich Yahoo bemühen, einen Weg zu finden, wie die Herausgabe von Kundendaten an die Regierung vermieden werden könne.

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