Der „Konsument“ hat zehn große Breitbandanbieter in Wien und Oberösterreich getestet. Dass dabei die Angebote der Mobilfunker, die Geschwindigkeiten ohnehin bereits mit der Betonung auf „bis zu“ bewerben, abstinken, wundert kaum. Verblüffend ist, dass auch nicht jeder ortsgebundene Anbieter hält, was er verspricht. Bis auf die teilweise nur in Wien verfügbaren Angebote von UPC (chello und inode), die bisweilen sogar eine um ein Altzerl schnellere Downloadrate als die in der Werbung versprochene bieten, hinkt der Rest der großen Anbieter hinterher. Darunter befindet sich auch die halbstaatliche Telekom Austria, bei der aus den 2 Megabit/s schnell einmal 1,77 werden. Selbiges gilt für den Anbieter Tele2, bei dem man ebenfalls über die Telefonleitung surft.
Bei den mobilen Angeboten zeigt der „Konsument“ zwar eindeutige, aber dennoch streitbare Vergleiche auf. So wird den Anbietern One, 3, A1 und T-Mobile unterstellt, sie würden ihre HSDPA-Angebote mit einer Geschwindigkeitsangabe von 7,2 Mbit/s bewerben, was aber nicht direkt der Fall ist, wenn man das Kleingedruckte liest. Auf ihren Websites umschiffen die Anbieter Aussagen über die Qualität ihrer Handynetze mit geschickten Wortspielen: Bei A1 ist das eigene Angebot schlicht „das schnellste“, bei One ist man „höllenschnell“ bzw. „bis zu 100x schneller als ein 56k-Modem“ und bei T-Mobile entzieht man sich jeder qualitativen Bewertung des eigenen Netzes und führt nur die von Modems unterstützten, maximalen Downloadraten von 3,6 Mbit/s und 7,2 Mbit/s an. Nur 3 schwört per Gütesiegel Stein und Bein darauf, das eigene Netz würde 7,2 Mbit/s hinbekommen.
Bei den gemessenen Downloadraten sieht‘s anders aus: T-Mobile, One und das schnellere der beiden A1-Angebote kamen im Durchschnitt nicht über 1,1 Mbit/s hinaus. Die 3,6-Mbit/s-Variante von A1 brachte es nur auf 980 Kbit/s und bei 3 sind es gar nur 960 Kbit/s, die sich aus den durchschnittlichen Downloadraten ergeben, die die Konsumentenschützer in Wien und Oberösterreich gemessen haben. Man könnte nun von einem Nepp oder glatter Lüge sprechen - generell sind aber maßlose Übertreibung in der Werbung und Trägheit beim Netzausbau schuld daran, dass die Anbieter schlecht dastehen.
Die geringen Downloadraten haben die Mobilfunker nämlich zum Großteil dem Erfolg ihrer Produkte zu verdanken. Bei einem Testlauf mit H.U.I. (One) im Juni hat Krone.at noch eine durchschnittliche Downloadrate von 1,8 Mbit/s gemessen und kam in manchen Fällen sogar in die 2-Mbit/s-Region. Mittlerweile sind die Netze der Betreiber durch die vielen Neuanmeldungen derart ausgelastet, dass die Downloadraten rapide gesunken sind. Der Netzausbau geht zwar voran und HSDPA ist auch schon in ländlichen Gegenden verfügbar, doch die Tragfähigkeit des Signals ist bei Beanspruchung nicht gegeben. Beispiel: Wer im nördlichen Burgenland mit T-Mobile surft, kommt an guten Tagen auf 2 Mbit/s, in Wien erreicht man diesen Wert selten bis gar nicht.
Worauf man bei „Festnetz-Internet“ aufpassen muss
Grundsätzlich darf man „Festnetz-Anbietern“ ein höheres Maß an Vertrauen schenken, weil ihr Markt schon länger geöffnet und gesättigt ist, als der Mobilsektor, wo der Kampf um den Kunden eben erst entbrannt ist. Allerdings stellen die Anbieter Kostenfallen auf: Freischaltungskosten oder Anmeldegebühren sind von den Anbietern „erfundene“ Rechnungsposten, die seit Jahren gerne als Ersparnis und Preissenkung verkauft werden. Bei UPC hat man etwa seit Monaten keine Chance, solche Kosten auf seiner Rechnung zu finden, weil man sie sich bei einer Anmeldung eben gerade „jetzt“ ersparen soll. Wer die Anschaffung eines Breitbandanschlusses plant, sollte auf solche Aktionen achten und nicht genau in den einzigen vier Wochen im Jahr zuschlagen, in denen die Angeboten nicht laufen.
Weitere Kostenfallen sind etwa versteckte Anschlussgrundgebühren. So wird bei der Telekom Austria etwa bei zwei Drittel der Angebote die Grundgebühr von 15,90 Euro für einen Festnetzanschluss (26,59 Euro bei ISDN) fällig. Ein wichtiges Kriterium ist auch das Downloadlimit oder so genannte Fair-Use-Policys. Aon etwa verrechnet bei dem Tarif „aonSpeed 250“ nach Überschreitung des Downloadlimits sieben Cent pro Megabyte. Tele2 knöpft dem Kunden bei einer Überschreitung des Downloadlimits um 100 Megabyte 3,90 Euro ab, bei 500 Megabyte satte 9,90 Euro. Dabei ist es bei beiden Anbietern nicht einfach, sich einen Überblick auf das bisher verbrauchte monatliche Downloadvolumen zu verschaffen. Bei der Telekom Austria sind die Zusatzkosten nicht einmal auf der Website angeführt, man muss sich erst ein gut verstecktes PDF mit den „Leistungsbestimmungen“ herunterladen.
Ein anderes Kapitel sind so genannte Fair-Use-Policys. So heißt es etwa bei dem Telekom-Tarif „aon pur“, man habe „unbegrenztes Surfvergnügen“ ohne Telekom-Grundgebühr. Stutzig macht jedoch der in den Details angeführte Posten, man könne in einer Online-Statistik sein Datenguthaben kontrollieren. Ein Blick in die Leistungsbestimmungen zeigt: Der Tarif ist auf zwanzig Gigabyte im Monat begrenzt, was zwar ein enormes Downloadvolumen darstellt, aber eben nicht „unbegrenzt“. Unter den großen Anbietern geht hier einzig UPC einen anderen Weg. Chello-Classic-User haben etwa keine Downloadbeschränkung und auch keine Fair-Use-Policy. Bei Chello-Light-Benutzern, die maximal fünf Gigabyte im Monat downloaden dürfen, wird man beim Erreichen von 80% des Downloadvolumens per E-Mail verständigt. Bei Überschreitung kommen keine Zusatzkosten, man wird aber auf 56k-Geschwindigkeit heruntergeschraubt.
Kostenfallen und Funklöcher: Risiken bei Mobil-Breitband
Die wichtigste Frage bei der Anschaffung eines mobilen Breitband-Internetzugangs muss lauten: Ist dieser Service im von mir vorgesehenen Haupteinsatzgebiet verfügbar? Die Mobilfunker bieten zwar illustrierte Landkarten, in denen Versorgungsgebiete ersichtlich sind, das ist jedoch keine Garantie. In einer hofseitigen Erdgeschosswohnung in der Innenstadt ist das Handysignal möglicherweise schwächer und die Downloadrate verringert. Die einzige Möglichkeit dies zu testen, ist oftmals nur der Vertragsabschluss beim Anbieter mit einer eingetragenen Rücktrittsmöglichkeit im Fall einer Signalbeeinträchtigung. Mit einem zuverlässigen Geschwindigkeitstest im Internet (etwa speedtest.net) erhält man schnell einen Näherungswert für die Qualität der Verbindung. Wenn dieser unter einem Level der Erträglichkeit (vorher im Shop mit dem Händler klären!) liegt, muss der Vertrag auflösbar sein.
Ähnlich wie beim ortsgebundenen Internetzugang warten auch beim mobilen Internet Kostenfallen. Anmeldegebühren sind hier zwar kaum ein Problem und einfach zu erfragen, jedoch schlagen manche Anbieter bei Überschreitung des Downloadvolumens gnadenlos mit der Zusatzkostenkeule zu. So sind beim A1-Tarif „Breitband 300“ nach dem Überschreiten des Downloadlimits 25 Cent pro zusätzlichem Megabyte zu zahlen. Wer auf seinem Laptop Windows Update aktiviert hat und automatisch Updates bezieht, kann an einem größeren Patch-Day arg draufzahlen, wenn der Computer unbemerkt Updates bezieht. Ähnlich sieht es bei T-Mobile aus, wo für ein Zusatzmegabyte zehn Cent fällig sind. Der Mobiklfunker 3 stellt für ein Zusatzmegabyte bei seinen normalen Data-Tarifen ebenfalls zehn Cent in Rechnung, bietet jedoch so genannte Fix-Tarife an, bei denen aber wiederum die Datenkarte (ab 79,- Euro statt 3,- Euro) teuer bezahlt werden muss. Bei One wird man nach Verbrauch des Datenvolumens auf 56k-Geschwindigkeit herabgesetzt oder kann Downloadvolumen nachkaufen.
Fazit: Wer vergleicht, gewinnt. Und wer bei Anbietern wie der Telekom Austria, Tele2 oder den drei Mobilfunkern mit den Zusatzmegabyte-Kosten nicht das Kleingedruckte liest, kann sehr schnell mit hochrotem Kopf vor der Monatsabrechnung sitzen.
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