Do, 20. September 2018

Thema Erziehung

24.07.2017 11:55

Schreibabys: Untröstliches Weinen

Jeder Säugling schreit - nicht nur bei Hunger oder vollen Windeln. Doch was tun, wenn man ein Schreibaby hat?

Natürlich weinen alle Neugeborenen. Jedes Baby hat in unterschiedlicher Ausprägung anfangs Schwierigkeiten, sich an die neuen Bedingungen in der Welt zu gewöhnen. "Im Mutterbauch hatte es konstante Körpertemperatur, lag eng zusammengehalten im Fruchtwasser, die Schwerkraft spielte keine Rolle, es hatte gedämpfte Geräusche, abgedunkeltes Licht, keinen Hunger oder Ausscheidungsdrang. Die Umstellungen sind also enorm", betont Peter Voitl, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Auch das Verdauungssystem muss sich erst auf die Ernährung umstellen, wodurch es in den ersten Wochen manchmal auch vermehrt zu Koliken kommen kann. Gleichzeitig führt auch das starke Schreien selbst zum Schlucken von Luft, wodurch wiederum Koliken begünstigt werden können.

Als Schreibabys bezeichnet man im Allgemeinen Säuglinge, die an mehr als drei Stunden pro Tag, an mehr als drei Tagen pro Woche und seit mehr als drei Wochen heftig weinen und sich kaum beruhigen lassen.

Eine enorme Belastung
Es ist nicht die Idylle, die sich die werdenden Mütter und Väter erwartet hatten. "Ich war fertig. Wir waren oft beim Kinderarzt, weil wir dachten, unser Baby leidet unter starken Schmerzen", schildert Helena (34). Sie ist nicht allein mit dieser Erfahrung. Jeder vierte Säugling ist ein Schreibaby. Unwissen fördert starke Schuldgefühle, da Betroffene nicht wissen, dass das Schreien meist durch Reizüberflutung und einer Selbstregulationsstörung ihres Kindes hervorgerufen wird. Mittlerweile ist auch geklärt, dass die Koliken nicht die Ursache der Unruhe bei Schreibabys sind. Schreiambulanzen sind eine wichtige Anlaufstelle für betroffene Eltern.

Kommentar von Eltern-Kids-Coach Nina Petz
Mein Sohn (7) jammert jetzt schon über Langeweile in den Ferien und will immer, dass ich mit ihm spiele. Ich habe viele Aktivitäten geplant, aber es braucht doch auch einmal eine Pause, oder?

Da haben Sie absolut Recht! Ich finde es essentiell, dass Kinder auch lernen, mit Langeweile umzugehen. Nichtstun ist nachweislich wichtig für die Entwicklung des Gehirns und damit auch notwendig, dass Kreativität entstehen kann. "Over Scheduling", also das Überfrachten der Ferienzeit mit Terminen, hält Kinder davon ab, selbst zu entdecken, was sie wirklich interessiert. Planen Sie daher nicht zu viel für Ihren Sohn, sondern helfen Sie ihm, damit er auch selbst lernt, seine Freizeit zu gestalten. Setzen Sie sich mit ihm zusammen, und schreiben Sie auf, welche Ideen und Bedürfnisse jeder für diesen Sommer hat. Auf diese Liste gehören z. B. "Kleinigkeiten", wie ein Brettspiel spielen, ein Bild malen oder ein Buch lesen, aber auch größere Projekte, wie eine Fahrradtour, ein Surfkurs oder das Zubereiten eines gemeinsamen Essens. Klagt Ihr Sohn dann über Langeweile, erinnern Sie ihn an die Liste und bitten ihn, sich etwas auszusuchen. So lernt er, Verantwortung zu übernehmen und seinen eigenen Bedürfnissen nachzuspüren.

Susanne Zita, Kronen Zeitung

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