Mi, 26. September 2018

Glimmende Grotten

31.07.2017 08:48

Felsalgarve: Ein Lied von wogenden Wellen

Palmen, breite feinsandige Strände, versteckte Buchten, verträumte Dörfer und schroffe Klippen - das sind die Attribute, mit denen sich die Felsalgarve schmücken darf - das wohl bekannteste Geheimnis der Welt.

Betörendes Blau, sonnenfarbiger Sand und geheimnisvolle Grotten - die portugiesische Südküste singt das Lied des Meeres und des Lichts. Des Aufbruchs über den Horizont hinaus. Das Spiel aus Gezeiten, Wind und Natur formte nicht nur die Landschaft, sondern auch die Menschen, die hier wohnen: bedächtig, ruhig, in sich gekehrt, aber dem Neuen aufgeschlossen. Stolz. Dieser von der Sonne so begünstigte Landstrich hat schon das Kommen und Gehen von Phöniziern, Karthagern, Griechen, Römern, Goten und Mauren erlebt. Daher der Name Algarve, vom Arabischen "Al Gharb" abgeleitet, der Westen.

Feinkörniger Sand und bizarre Felsformationen
Und hart am Rande Europas locken feinkörniger Sand und bizarre Felsformationen. Die Grotten tragen klingende Namen wie "Kathedrale" aufgrund ihrer Größe und den beiden kreisrunden Öffnungen, oder "Kapitäns-Strand", wegen seiner Schönheit, sowie etwa auch "geheime Grotte", weil sie nur bei Ebbe erreichbar ist. Die Magie der bizarren von Meerwasser durchfluteten Höhlen mit im Abendlicht glimmenden, gelben Sandsteinklippen ist einzigartig. Und mittendrin liegt auch einer der zehn schönsten Strände Europas, der Praia da Marinha, auf jeden Fall einen Abstecher wert. Durch die Erderwärmung stieg auch die Temperatur des Atlantiks auf badefreundliche Werte. Zur Freude der Touristen, Meeressäuger wie Delfine oder Wale, die genau auf kühleres Wasser eingestellt sind, verschwinden schön langsam.

Faro
Faro ist die Hauptstadt. Sie liegt an einem der schönsten Naturparadiese mit Lagunen, natürlichen Dünen und atemberaubenden Stränden - dem Naturpark Ria Formosa, der sich über eine Länge von 60 Kilometern erstreckt. Es gibt viele Strände, von dem des beliebten Urlaubsortes Armona mit Bars und Restaurants, bis hin zu den abgelegenen, kilometerlangen Dünen der Insel Barreta, die zwischen dem Atlantik und einer der Mündungen der Lagune gelegen ist.

Nach einem kurzen Espresso der Marke Delta-Cafés, weil er den Ruf hat, der beste weit und breit  zu sein, und einem "Pastel de Nata" - einem Küchlein mit Vanillecreme und Mandeln - in der pittoresken Fischereihafenstadt Olhão mit nettem Fisch- und Gemüsemarkt geht es los. Das Schlauchboot steuert die flachen Eilande an mit ihren wie auf dem Sand ausgestreuten geduckten Häusern. Die Vorgärten werden zu "Pools", wenn das Meer bei Vollmond und Flut an den Zäunen endet.

Fischerboote tuckern kreuz und quer
Flamingos ziehen über den Köpfen dahin. Aufgetürmte Netze, Kisten mit Meerestieren und Drahtkäfige mit Ködern auf bunten Planken. Rund 1000 Menschen leben da draußen auf dem Atoll Culatra im Dorf Farol das ganze Jahr über. Ausnahmslos fleißige Fischer und ihre Familien. Mit dem höchsten Bierverbrauch einer bestimmten Marke pro Kopf in der Algarve. Wenn der Duft nach frischen Kuchen durch die schmalen Gassen weht, dann weiß man: Jetzt legt die Fähre vom Festland an, und die Bäckerinnen warten auf neue Kundschaft. Mit der Harpune in der Laguna ist Rui Manuel in der Nacht unterwegs. In seinem Fischrestaurant À-do-João, dem südlichsten Punkt des portugiesischen Festlands, kommt auf den Grill, was der Chef selbst Stunden zuvor selbst fängt. Frischer geht's nicht.

Nach intensiven Strandfreuden und einem Rundgang durch die Küstenstadt Lagos, deren Architektur an marokkanische Häuser erinnert und von wo aus Heinrich der Seefahrer die Ozeane eroberte, kommt eine Jeep-Safari ins Hinterland gerade recht. Auf geht es in einem robusten Geländewagen. Eine der Dachluken ist fix ausgebaut. Bei 300 Sonnentagen im Jahr ist auch nicht viel Regen zu befürchten.

Eukalyptusplantagen und Agaven säumen unseren Weg
Auf dem Weg zum höchsten Punkt, dem Monte Fóia (902 Meter), wachsen Eukalyptusplantagen, Johannisbrotbäume, Feigen, Agaven, dazu natürlich Mandelbäume sowie Zitrusfrüchte. Auch mit der Axt von Könnern fein säuberlich geschälte Korkeichen blitzen hervor, die erst nach 42 Jahren richtig guten Ertrag abliefern. Sie werden daher immer schon für die nächste Generation gepflanzt. Eine Zahl am Stamm signalisiert, wann die nächste "Rindenrasur" fällig ist.

Miguel, der drahtige Führer, stoppt immer wieder und rupft Blätter vom Fahrersitz aus am Wegesrand ab. Etwa Currystängel oder wilden Fenchel. Exotisch auch der Erdbeerbaum, der hier gedeiht: Aus den kleinen roten Früchten destilliert der Schnapsbrenner Senhor Joaquim hoch über der ehemaligen Hauptstadt Silves sein begehrtes Feuerwasser. Seit Neuestem in Plastiktanks, weil die EU Holzfässer verboten hat. Auch speziellen Honig bietet er an.

Zurück zum Strand ins von dem Kärntner Kurt Gillig geführten Fünf-Sterne-Hotel Vila Vita Parc nach Porches samt Gourmettempel Ocean, wo der Tiroler Hans Neuner für Geschmacksexplosionen sorgt. Auf der Fahrt geht es durch das Tal der Tausend Störche - die Kolonie der Klappervögel nistet auf Telegrafenmasten, Kaminen, Palmen und Verkehrsinseln - gibt es deshalb so viele Babys an der Südalgarve?

Florian Hitz, Kronen Zeitung

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