Martha Schultz sollte gegen den Ausschluss des Wiener Kammerchefs aus der ÖVP stimmen – tat es aber nicht. In einem internen Schreiben, das der „Krone“ vorliegt, erklärt sie nun, warum sie sich widersetzte.
Es rumort im Wirtschaftsbund. Nicht nur, dass am Montag Ex-Ministerin und ÖVP-Urgestein Maria Rauch-Kallat symbolisch ihre Mitgliedschaft beim Wiener Wirtschaftsbund niederlegte und dafür dem Oberösterreichischen Ableger beitrat.
Nachdem die ÖVP die Reißleine gezogen und den Wiener Wirtschaftskammerchef Walter Ruck ausgeschlossen hatte, sind es vor allem die WB-Landesorganisationen, die Sturm laufen. Ruck war über ein geleaktes Gesprächsprotokoll gestolpert, in dem er bei Postenbesetzungen mitmischte, Verwandte und Vertraute protegierte und sich abfällig über Frauen sowie politische Weggefährten äußerte.
Es herrscht kein Machtkampf, sondern ein Festklammern an der Macht – aus falsch verstandener Loyalität.

Maria Rauch-Kallat über die Zustände im (Wiener) Wirtschaftsbund
Bild: APA/GEORG HOCHMUTH
Das brachte die Wirtschaftskammerpräsidentin und Bundesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ Martha Schultz in die Zwickmühle. Denn im mächtigen Wirtschaftsbund hat Ruck noch viele Verbündete, die sich für den in Ungnade gefallenen Kammerboss starkmachen.
So soll Schultz von den Länderkammerchefs den klaren Auftrag erhalten haben, gegen Rucks Ausschluss zu stimmen. Das tat sie nicht – auch wenn sie während der Sitzung noch mit sich gehadert haben soll.
Schultz rechtfertigte sich in einem Brief
In einem Schreiben, das der „Krone“ vorliegt, erklärt sie sich ihren Bund-Kollegen: „Der Schaden reicht mittlerweile weit über die Parteigrenzen hinaus und hat noch nicht abschätzbare Folgen für unsere demokratischen Institutionen ausgelöst.“ Das betreffe laut der Tirolerin auch den Wirtschaftsbund und die Wirtschaftskammer. „Aus dieser Sorge heraus habe ich den Beschluss im BP-Vorstand mitgetragen“, schrieb Schultz. Dieser Schritt sei „die logische Konsequenz, die er selbst zu verantworten hat“.
Verständnis für Rucks Rauswurf gibt es in den Ländern anscheinend nicht. Der stellvertretende Wirtschaftsbund-Präsident und WK-Boss im Burgenland Andreas Wirth sieht offenbar auch keinen Grund für einen Rücktritt Rucks. Auf die Frage, ob dieser zurücktreten sollte, meinte Wirth: „Warum?“
„Schultz hat alles zu diesem Thema gesagt“
Zwar dürfte Schultz‘ Abweichen erneut auf ihr Image als „Reformerin“ einzahlen, die Länderkammerchefs sind allerdings wenig begeistert. Da hilft wohl auch der Appell der Präsidentin wenig: „Schauen wir, dass wir unseren Weg der Reformen und der Wiedergewinnung des Vertrauens unserer Mitglieder gemeinsam weiter gehen“, so Schultz. Offiziell übt sich Schultz im Schweigen, auf „Krone“-Anfrage hieß es nur knapp: „Zu diesem Thema hat Obfrau Schultz alles gesagt. Die WB-Obfrau ist mit den Landeskammerpräsidenten in gutem Austausch und laufender Abstimmung.“
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