19.04.2017 10:30 |

Ilha formosa

Taiwan: Großstadtdschungel und heiße Quellen

Ilha formosa, die "schöne Insel", wie Taiwan von portugiesischen Seefahrern genannt wurde, besticht durch Großstadtflair, unschätzbare kulturelle Schätze und Nationalparks zum Entspannen.

Obwohl der Taipei 101 (508 Meter) seit 2007 nicht mehr das höchste Gebäude der Welt ist, ist sein Anblick dennoch imposant, wie er von überall sichtbar über der Hauptstadt Taiwans (Republik China) thront. Der Ausblick über die 2,55-Millionen-Stadt vermittelt einen ersten Überblick über das rege Treiben auf den Straßen, die großteils von den vielen Motorrollern beherrscht werden. An die 14 Millionen davon soll es im ganzen Land geben, man könnte aber den Eindruck gewinnen, die sind alle direkt in Taipeh unterwegs.

Taiwan ist fast "unerforschtes Land" für österreichische Touristen. Nur ca. 6000 pro Jahr verschlägt es auf die 23,5-Millionen-Einwohner-Insel, die selbst nicht einmal halb so groß wie Österreich ist.

Longshan-Tempel, Nachtmärkte und mehr
Tauchen Sie ein in die Welt der Einheimischen: Schon beim Betreten steigt der Geruch unzähliger Räucherstäbchen in die Nase. Im Longshan-Tempel - einer der ältesten Taiwans aus 1738 - herrscht ein reges Kommen und Gehen an Gläubigen, die ihren Beistand der Götter erbitten und Opfergaben darbringen. Erleben Sie die Eindrücke auf einem der vielen Nachtmärkte. Spazieren Sie durch schmale Gassen, wie die Dihua Street, mit kleinen authentischen Geschäften. Hier finden Sie Apotheken mit chinesischen Heilmitteln, getrocknete Früchte, Textilien usw. Einen echt guten Tipp hatten wir Reiseführer Alberts Frau zu verdanken: samstags unbedingt in den Jianguo Holiday Flower & Jade Market gehen. Sie werden viel Zeit im Getümmel einplanen müssen. Orchideen und andere exotische Blumen, Jadeschmuck in allen Variationen werden hier auf einer riesigen, fast endlos scheinenden Fläche angeboten.

Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle
Eine der meistbesuchten und wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist aber die Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle. Ein bombastisches Andenken an den wohl prägendsten Politiker und die wichtigste Führungspersönlichkeit des 20. Jahrhunderts des Landes. Über 89 Stufen - so alt war Chiang Kai-shek als er 1975 verstarb - gelangen wir in die 70 Meter hohe gigantische Halle mit dem thronenden Staatsmann. Die Wachablöse lockt täglich zahlreiche Schaulustige an.

National Palace Museum
Aber auch die Ausstellungen im National Palace Museum sind ein Publikumsmagnet. Hauchdünne, filigran bemalte Porzellantassen, Elfenbeinschnitzereien, Utensilien für Kalligrafie und Schmuck aus Perlen und Jade von unschätzbarem Wert sind nur einige der Stücke, die hier zu bewundern sind. Die Exponate stammen aus dem Kaiserpalast in Peking und gelangten 1949 nach Taiwan. "Viermal im Jahr - zu jeder Jahreszeit - wird die Ausstellung gewechselt. Aber um je alle der Kunstwerke gesehen zu haben, würde es 25 Jahre dauern", erklärt unser Guide Michael verschmitzt. Ein Grund, noch öfter wiederzukommen

Nationalparks - im "Wienerwald" Taipehs
Erholung vom Großstadtrummel findet man in einem der neun Nationalparks der Insel. Der Yangmingshan National Park kann als der "Wienerwald" Taipehs bezeichnet werden. Unweit der Metropole bietet er zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen in dichten Wäldern - fast Dschungel für unser Gefühl. Heiße Quellen, die mit einer Temperatur von ca. 90 Grad an die Oberfläche sprudeln, weiß aufsteigender Dampf und der Geruch nach Schwefel muten im Nebel, der in den Bergen hängt, mystisch an. Viele der umliegenden Spa-Hotels machen sich diese heißen Quellen zunutze. Im Tien Lai Resort zum Beispiel kann man am Zimmer in einem privaten Hot-Spring-Bad auf dem Balkon entspannen

Spektakel auf Kinmen
Nur eine Stunde dauert der Flug auf die Insel Kinmen - das Festland China liegt hier nur zwei Kilometer entfernt. Jahrzehntelang war die Insel militärisches Sperrgebiet. Jetzt ist das alles nur noch Show. Vom Staat engagierte Schauspieler, verkleidet als Soldaten, bieten ein kleines Spektakel für Besucher. Stampfenden Militärschrittes und mit viel Geschrei wird hier Disziplin gezeigt, inklusive "Abschuss" einer Kanone.

Um Waffen geht es auch bei Maestro Wu. Bereits in dritter Generation stellt der 69-Jährige Messer her. Doch das Interessanteste daran sind nicht die Messer selbst - sie sind von ausgezeichneter Qualität - sondern woraus sie gemacht werden. Propaganda-Granaten, die die Chinesen auf Kinmen abgeworfen haben, werden hier verarbeitet. Aus einer werden 60 Messer hergestellt. So werden aus Kriegsmaterialien nützliche Alltagsgegenstände.

Ein kleines Juwel hat Grace Yang mit ihrem Piano Piano B & B geschaffen. Ihr war es ein besonderes Anliegen, die Tradition in der Region zu pflegen, und sie hat mit viel Liebe zum Detail ursprüngliche Wohnhäuser renoviert - wohnen also wie im Freilichtmuseum. Ein äußerst gemütlicher und pittoresker Innenhof, der zum gemeinsamen Zusammensitzen einlädt, im Zentrum von 5 Wohneinheiten, bildet den Mittelpunkt der kleinen Anlagen. Geweckt wird man in der Früh vom Zwitschern der Vögel und nicht vom Straßenlärm der Großstadt. Daher verwundert es nicht, dass wir hier eine der erholsamsten Nächte verbracht haben.

Elisabeth Salvador, Kronen Zeitung

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