Faserhersteller kürzt

Lenzing baut 2000 Jobs ab – Aktienkurs bricht ein

Oberösterreich
28.07.2026 11:56
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing baut weltweit bis Ende 2027 rund 2000 Jobs ab. Das bestätigte CEO Georg Kasperkovitz. Am Standort Heiligenkreuz im Burgenland läuft die Faserproduktion bis Ende 2026 aus, in Grimsby in England Ende 2027. Die Lenzing-Aktien sind an der Wiener Börse inzwischen um knapp 17 Prozent nach unten gestürzt.

Die beiden Standorte sollen verkauft werden. Für die betroffenen Mitarbeitenden in Heiligenkreuz, wo noch 285 Leute arbeiten, gelte ein existenter Sozialplan. Man sucht einen Käufer, um möglichst viele Jobs zu halten.

2000 Stellen weniger
Die Mitarbeiterzahl von weltweit 7.700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) bei der Lenzing wird bis Ende 2027 deutlich sinken. Kasperkovitz sagte auf Nachfrage, es gehe bis dahin um etwa 2000 Stellen, die es weniger werden sollen. Es handle sich aber keineswegs um ein Schließungs- und Cost-Cutting-Programm im Zuge der neuen Strategie, verwies der Lenzing-Chef auf das Vertrauen in die Pläne durch die Aktionäre und weitere Finanzierende, die bis zu 600 Millionen Euro frisch geben. Auch der Hauptsitz in Lenzing in Oberösterreich werde aufgewertet.

Die Aktien des Faserherstellers Lenzing sind am Dienstagvormittag – also nach Bekanntwerden der Abbaupläne – an der Wiener Börse dennoch um knapp 17 Prozent nach unten gestürzt und waren damit zuletzt nur mehr 20,30 Euro wert.

Kapitalerhöhung geplant
Zur Stärkung der Finanzstruktur will Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro durchziehen, für die es eine Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung braucht, die voraussichtlich am oder um den 25. August 2026 stattfinden soll. Dazu bringen die neuen Finanzierungsvereinbarungen bis zu 300 Millionen Euro. Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert.

Insgesamt wolle sich der Konzern stärken und für eine stabile und zuverlässige Versorgung der Kunden sorgen. Man beschleunige die „strategische Neuausrichtung“ namens „Grow Nonwovens, Reset Textiles“. Man wolle die „Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der Lenzing Gruppe nachhaltig verbessern, die Kapitalrendite erhöhen und das Unternehmen für langfristiges Wachstum in höherwertigen Marktsegmenten positionieren“. Angesichts des insgesamt herausfordernden Marktumfelds für Cellulosefasern will die Firma unter anderem das Textilgeschäft neu ausrichten.

„Schwierige, aber notwendige Entscheidung“
„Wir sind uns bewusst, dass das geplante Auslaufen der Produktion an einzelnen Standorten eine schwierige, aber notwendige Entscheidung ist, die unsere Mitarbeitenden betrifft“, so Kasperkovitz. Man wolle verantwortungsbewusst gegenüber den Mitarbeitern handeln, die die Jobs verlieren. „Derzeit führen wir konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die notwendigen Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Sozialpläne und geltenden lokalen Rahmenbedingungen.“ Bei Lenzing läuft auch ein Verkaufsprozess des indonesischen Viscosestandorts PT South Pacific Viscose.

Als Teil dieser Standortkonsolidierung erwartet die Lenzing AG im Jahr 2026 Wertminderungen auf langfristige Vermögenswerte, insbesondere auf Sachanlagen, in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro zu erfassen. Diese nicht zahlungswirksamen Wertminderungen (Abschreibungen) werden voraussichtlich das Konzern-EBIT sowie das Konzernergebnis 2026 negativ beeinflussen, haben jedoch keine Auswirkungen auf das EBITDA im Jahr 2026. Darüber hinaus werden Restrukturierungsrückstellungen im Zusammenhang mit Personalmaßnahmen von bis zu 40 Millionen Euro das EBITDA im Jahr 2026 voraussichtlich belasten.

England und Indonesien
267 Mitarbeitende im administrativen Bereich bzw. 25 Millionen Euro seien bereits eingespart worden. Mit der Ziel-Zahl von 600 Mitarbeitern, die vorigen Herbst bekannt gegeben worden war, sollen in diesem Teilbereich 45 Millionen Euro eingespart werden. Die weiteren Einsparungen zur Gesamtsumme von 120 Millionen Euro sollen durch die neu präsentierten Schritte gelingen.

Für die betroffenen Mitarbeitenden im englischen Grimsby will sich die oberösterreichische Firma mit Sitz in Lenzing, wo sie Cellulosefasern produziert sowie Forschung und Entwicklung betreibt, mit den Arbeitnehmervertretern und den betroffenen Interessengruppen abstimmen. In Purwakarta in Indonesien reduziert Lenzing die Produktion auf zwei Linien und will den einhergehenden Stellenabbau im Einklang mit lokalen gesetzlichen Vorschriften umsetzen.

Die Eigentümer der Lenzing
Lenzing verarbeitet Holz zu Zellstoff und stellt daraus Fasern für die Bereiche Mode, Handel, Industrie, Kosmetik und Hygiene her. Hauptaktionär der Lenzing AG ist die heimische Industrieholding B&C, die 37,25 Prozent hält. 2024 gab die B&C ihre Mehrheit an Lenzing ab, der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano übernahm einen 15-Prozent-Anteil und ist mit B&C syndiziert. Suzano hat eine Kaufoption auf weitere 15 Prozent bis zum Jahr 2028. 10,01 Prozent gehören der US-Investmentbank Goldman Sachs, 37,74 Prozent der Lenzing-Aktien sind in Streubesitz.

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