Mo, 20. August 2018

Überwachungssoftware

08.04.2016 13:36

Grüne mobilisieren gegen geplanten Bundestrojaner

Die Grünen mobilisieren gemeinsam mit Experten und Aktivisten gegen die von der Regierung geplante Spionagesoftware ("Bundestrojaner"). Der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser befürchtet den Missbrauch der zur Terrorbekämpfung gedachten neuen Überwachungsmaßnahme. "Wir haben einen Polizeistaat in der Schublade", so der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Ab 2017 will die Regierung der Polizei die Möglichkeit geben, Überwachungssoftware auf Computern und Handys zu installieren, mit deren Hilfe auch verschlüsselte Kommunikation überwacht werden kann. Dass die entsprechende Novelle der Strafprozessordnung nur eine Woche nach den Anschlägen von Brüssel vorgelegt wurde, ist für Christof Tschohl von der überwachungskritischen Organisation AK-Vorrat "Anlassgesetzgebung" und "pietätlos".

Angst vor Missbrauch
Grünen-Justizsprecher Steinhauser befürchtet, dass die gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus eingeführten Ermittlungswerkzeuge missbraucht werden könnten. Er verwies darauf, dass unter ähnlichen Vorzeichen auch gegen Tierschützer, "Väterrechtler" sowie "Uni-Brennt"- und Akademikerball-Aktivisten ermittelt wurde. "Jedenfalls reden wir hier nicht nur über internationalen Terrorismus", warnte Steinhauser und forderte die Regierung auf, stattdessen die Zusammenarbeit europäischer Geheimdienste sowie die Analyse vorhandener Daten zu intensivieren.

Auch Tschohl befürchtet, dass das Gesetz deutlich mehr zulassen würde, als von Justizminister Wolfgang Brandstetter offiziell zugegeben. Er vermisst insbesondere Regeln, die sicherstellen, dass die eingesetzte Software auch tatsächlich nur das tut, was sie rechtlich darf. Beispiele nannte Andreas Krisch vom Forum Datenschutz: So sieht der Entwurf zwar nur die "Überwachung von Nachrichten" vor, in der Praxis könne die Software aber nicht unterscheiden, ob ein Internetbrowser gerade zum Surfen oder zum Schreiben einer E-Mail verwendet werde. Und die Überwachung verschlüsselter Kommunikation erfordere ohnehin die "de facto vollständige Überwachung des Systems", gab Krisch zu bedenken.

Software "löst viel weniger Probleme, als sie schafft"
Ein weiteres Problem ist für Krisch und Tschohl, dass die Überwachungssoftware auch durch Dritte missbraucht werden könne - im Extremfall sogar durch die Überwachten selbst. Sie könnten damit falsche Spuren legen oder die Ermittler hacken. Zu entdecken sei ein solches Schadprogramm nämlich vergleichsweise einfach - sei es durch Antiviren-Programme oder durch die Überwachung verdächtiger Kommunikation des eigenen Computers. "Wir lehnen das Ding dem Grunde nach ab, weil es viel weniger Probleme löst, als es schafft", so Tschohl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.