Sa, 18. August 2018

Jetzt Lichtgestalt

21.04.2015 23:34

Mercedes CLS Shooting Brake: Einer wie keiner

Ein Kombi ist ein Kombi ist ein Kombi. Die meisten schauen irgendwie ganz gut oder sogar richtig gut aus, aber das hat trotzdem immer was von Familie, Vertreter oder so etwas, also auf jeden Fall von Nutzwert. Und dann gibt es da eine Lichtgestalt namens Mercedes CLS Shooting Brake. Der ist zwar fast genauso praktisch, das aber eigentlich eher zufällig, denn sein killer feature ist das Design, diese zum Niederknien schöne Linie.

Fällt Ihnen sonst noch ein Kombi mit rahmenlosen Seitenscheiben ein? Klar, der CLS Shooting Brake (wir dürfen unter Freunden CLS SB sagen) lässt sich gerne auch als Kombi-Coupé bezeichnen, und da braucht er das. Der Gipfel wäre natürlich, wenn er auf eine B-Säule verzichten könnte wie ein echtes Coupé, aber so weit gehen die Möglichkeiten dann doch nicht.

Der CLS SB ist der Kombi für Leute, die keinen Kombi haben wollen oder es sich aus Imagegründen nicht leisten können. Das geht bis hin zum Zweitleben-Papagallo, der beim Aufriss des Abends nicht wie ein Familienvater wirken will, aber im Erstleben Familienvater ist. Aber das ist wohl eher nicht die Hauptzielgruppe.

Auf jeden Fall drückt dieser Wagen Stil aus, wobei da der Kofferraum noch nicht mal um 6.000 Euro mit "amerikanischem Kirschbaum mit schwarzen Intarsien" vertäfelt sein muss. Es fällt gar nicht auf, dass man die Rücklehnen fernentriegelt flachlegen kann, die Hebel dafür sind zwar griffbereit, aber doch gut versteckt. Statt 590 lassen sich dann 1.550 Liter verstauen. So kann man den Shooting Brake auch mal dem beführerscheinten Nachwuchs überlassen, wenn dessen sportlicher Kompaktwagen zu klein für den Einkauf im Möbelhaus ist (der CLS-Fahrer selbst würde wohl eher liefern lassen, aber der Bursche soll ja endlich selbständig werden). Unterm Ladeboden lassen sich optional Alustangen fixieren, mit denen man bei Bedarf für sicheren Halt im Gepäckraum sorgen kann - bzw. am Bootsdeck, wenn das 6.000-Euro-Holz verlegt ist. Das Abdeckrollo lässt sich aber nicht fix verräumen.

Nachteil der extravaganten Karosserieform ist, dass sie im Gegensatz zu klassischen Kombis nach hinten komplett unübersichtlich ist. Parkpiepser, Rückfahrkamera - alles essentiell. Wider Erwarten muss man aber auf den Rücksitzen nicht den Kopf einziehen, sondern kann sich wohlfühlen und ausbreiten.

Licht und mehr: Neue Technik an Bord
Der CLS ist ja gerade frisch überarbeitet worden. Auf den ersten Blick sieht man das am neuen Diamant-Kühlergrill, oder auch an den Multibeam-LED- Scheinwerfern (über 2.000 Euro extra), die durch Abschalten einzelner Leuchtsegmente um den Gegenverkehr herumleuchten können (normale Voll-LED-Scheinwerfer sind Serie). Nicht nur das: Das aktive Kurvenlicht schwenkt nicht erst dann zur Seite, wenn der Fahrer einlenkt, sondern folgt kamerabasiert dem Straßenverlauf von selbst. Im Kreisverkehr werden beide Seiten ausgeleuchtet.

Im Innenraum fällt nun das inzwischen Mercedes-typische frei stehende 8-Zoll-Display auf, das einfahrbar aussieht, aber nicht einfahrbar ist. Ebenfalls neu gestaltet ist das Multifunktionslenkrad, das in der Bedienbarkeit allerdings einen Rückschritt darstellt, weil die vier Pfeiltasten jetzt die OK-Taste nicht mehr in ihrer Mitte haben. Das altbekannte Comand-Infotainmentsystem ist zwar okay, aber das können Audi und vor allem BMW besser.

9 ist mehr als 7, und 4 mehr als 2
Brandaktuell und ein echter Quantensprung ist das neue Neungang-Automatikgetriebe namens 9G-TRONIC. Schaltet geschmeidig und findet zielsicher den richtigen Gang, ohne nervös hin- und herzuschalten. Allerdings ist sie derzeit nur für die heckgetriebenen Dieselversionen sowie den CLS 500 als einzigen Benziner erhältlich. Die anderen Motorisierungen sowie die Allradvarianten müssen sich mit der alten 7G-TRONIC begnügen. Das ist schade, denn mein Testwagen mit dem 258 PS starken V6-Diesel überfordert dank seines hervorragenden maximalen Drehmoments von 620 Nm ab 1.600/min. bei nasser Straße gerne mal die Hinterachse. Und in einem Fahrzeug, das so auf Komfort ausgelegt ist wie der CLS, kann das stören. Allrad eliminiert den Schlupf, aber eben nur mit sieben Gängen.

Der Verbrauchsunterschied ist deutlich: Der CLS 350 mit Heckantrieb kam auf einen Testverbrauch von 8,5 l/100 km, während sich der Allradler über 10 Liter gegönnt hat. Den Aufschlag werden sich Automatikgetriebe und Allradantrieb teilen. Wer nicht auf die Ganganzeige schaut, merkt spätestens beim Abstellen das Motors, welche Version der Automatik er an Bord hat: Die 9G schaltet sofort auf P, die 7G zunächst auf N und erst beim Öffnen einer Tür auf P.

Der günstigste Einstieg in den CLS Shooting Brake liegt bei 61.150 Euro für den Einstiegs-Diesel mit 170 PS und 9G-TRONIC. Multibeam-LEDs kosten rund 2.000 Euro extra, dann hat man die wichtigsten Neuheiten dabei. Tatsächlich wird man aber eine ausgedehnte Wanderung durch die Aufpreisliste unternehmen, weil alles andere dem Charakter des Wagens einfach nicht gerecht wird. Ausstattungsmöglichkeiten gibt es genug, auch Leistung (bis zu 585 PS in der AMG-S-Version). Stil ist aber schon im Basismodell serienmäßig.

Warum?

  • Stil. Punkt.

Warum nicht?

  • Neungang-Automatik nicht für die Allradversionen

Oder vielleicht …

… warten, bis die 7G-TRONIC ganz ausrangiert wird.

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