Geförderte Piraterie

Kopierschutz- Gesetz verärgert Apple

Web
23.03.2006 10:26
Mit einem abgestuften Strafenkatalog will Frankreich dem illegalen Kopieren von Filmen und Musik aus dem Internet ein Ende machen. Nach heftiger Debatte beschloss die Nationalversammlung ein Gesetz zum Schutz der Autorenrechte im Internet. Es sieht für Privatleute, die Musik nur zum Eigenbedarf herunterladen, lediglich ein Bußgeld von 38 Euro vor. Für Kontroversen dürfte die Forderung des Gesetzes sorgen, dass alle digitalen Formate miteinander kompatibel sein müssen. Dies könnte nach Experteneinschätzung den Marktführer bei legalen Musik- Downloads, den Computerkonzern Apple mit seinem Online-Shop iTunes, zu Rückzug von französischen Markt veranlassen. iTunes-Songs spielen nur auf Apples iPod-Playern.

Der Computerkonzern Apple hat das in Frankreich geplante Urheberrechtsgesetz mit der Forderung nach Kompatibilität verschiedener digitaler Musikformate scharf kritisiert. "Die französische Umsetzung der EU-Direktiven wird zu staatlich geförderter Piraterie führen", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Stellungnahme von Apple Computer. Der legale Musik-Verkauf werde einbrechen.

Der am Dienstag vom französischen Parlament beschlossene Gesetzesentwurf enthält neben einem Strafenkatalog für Raubkopien unter anderem die Forderung, dass im Internet gekaufte Songs auf Geräten verschiedener Hersteller laufen müssen. Derzeit ist die Kopierschutz-Software von Apple, Sony und Microsoft nicht miteinander vereinbar und Songs können nur auf bestimmten Playern abgespielt werden.

So lässt sich zum Beispiel auf Apples iPod nur Musik aus dem Musikladen iTunes des US-Computerkonzerns hören. Von einem einheitlichen Kopierschutz könnten möglicherweise die Absätze der iPod-Player profitieren, meinte Apple zugleich. Den Filmangeboten für den iPod drohe allerdings eine "staatlich gesponserte Piraterie- Kultur".

Microsoft will mit Industrie kooperieren
Von Microsoft gab es bislang keine Kritik. "Wir werden weiter daran arbeiten, mit der Industrie gemeinsame Lösungen zu finden", zitiert Bloomberg eine Microsoft-Stellungnahme. Apple ist seit Jahren unangefochtener Marktführer bei legalen Musik-Downloads mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent. Marktbeobachter gehen davon aus, dass Apples iTunes sich wegen des Gesetzes aus dem französischen Markt zurückziehen könnte.

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