Im Test mussten sich beide Geräte in verschiedenen Disziplinen beweisen: Kino-Feeling mit Fokus auf Farbtreue, Kontrast und Schärfe, PC-Betrieb und Powerpoint-Präsentationen, Handlichkeit und Einsatzmöglichkeiten und schließlich zogen wir ein Preis/Leistungs-Fazit. Zuerst aber die wichtigsten Eckdaten, damit jeder weiß, wovon hier die Rede ist:
KANDIDAT 1: Sony VPL-HS60
Charakteristik: Mach die Kinos arm, Baby!
UVP-Preis: 2.599,- Euro
Max. Bilddiagonale: 5 Meter (und mehr)
Kontrastverhältnis: 10.000 zu 1
Auflösung: 1280 x 720 (WXGA)
Eingänge: Monitoranschluss, AV-Cinch,
RGB-Component, S-Video und HDMI
Besonderheiten: Immense Bildgröße,
umfangreiche Anschlussmöglichkeiten,
HD-Ready
Einrichtungszeit bis zum ersten guten Bild: 30 Minuten gefolgt
von zahllosen Nachbesserungsschritten
KANDIDAT 2: Samsung Pocket Imager
Charakteristik: Beamen? Just do it!
UVP-Preis: 899,- Euro
Max. Bilddiagonale: 2,8 Meter
Kontrastverhältnis: 1.000 zu 1
Auflösung: 800 x 600 bzw. 1024 x 768 im PC-Betrieb
Eingänge: Monitoranschluss (VGA), AV-Cinch
Besonderheiten: Taugt für die Hosentasche, Akku-Betrieb möglich,
Lampe lebt 10.000 Betriebsstunden
Einrichtungszeit bis zum ersten guten Bild: Fünf Minuten?
Kino-Feeling mit Neo, Tarantino und J.Lo
In der Königsdisziplin „Film“ mussten sich die Beiden ausgewählten Titeln stellen: So flimmerten der erste Teil der Matrix-Trilogie, Tarantinos „Kill Bill“, der Klassiker „Pulp Fiction“, sowie die J.Lo-Schnulze „Das Schwiegermonster“ und die Komödie „Hochzeit auf Griechisch“ über die Leinwände. Zum Einsatz kamen auch Ausschnitte aus bildgewaltigen Epen wie „Herr der Ringe“ und den TV-Serien „Gilmore Girls“ und „24“.
Groß, farbig und fast tadellos
Beim Sony-Beamer stand schnell fest: Man braucht viel Zeit beim Einrichten und die Leinwand ist immer zu klein! Die knapp 3 Meter verfügbare Bilddiagonale füllte das HD-Kraftpaket schnell aus und der Zoom-Ring war noch weit vom Anschlag entfernt. Zum Einsatz kam auch ein DVD-Player mit HDMI-Ausgang von Philips, der die Bilddaten in digitaler Form an den Beamer übertrug. Erstes Manko beim häufigen Filme-Wechseln: Fürs Umstellen von 16:9 auf das TV-Format 4:3 muss man sich bei Sony mühsam durchs weit verzweigte Menü navigieren. Die Fummelei wurde aber belohnt: Der HD-Beamer lieferte bei allen Filmen ein tadelloses, scharfes und kontrastreiches Bild mit leuchtenden Farben.
Schwarz, das sieht er nicht so gern!
Einzig bei düsteren Szenen gab es kleine Probleme: „Matrix“ wirkte in einigen Passagen etwas zu grau und mit den Nachtszenen in „24“ musste der VPL-HS60, was den Schwarzwert betrifft, ebenfalls ein klein wenig kämpfen. Sony hat dem aber zum Teil vorgebeugt: Es gibt eine Vielzahl an Funktionen mit denen man das Bild des VPL-HS60 einstellen kann. Fast zu viele: Schon die automatische Einrichtung kann noch durch mehrere Pre-Settings verändert werden. Danach gibt’s einen Farbkorrektur-Modus, für den man halb Grafiker sein muss, editierbare Gamma-Settings und so weiter... Und obwohl das Bild schon nach einer halben Stunde hervorragend ist, kriegt man das „Aber da gibt’s doch noch so viel zu verstellen“-Gefühl nicht los. Warnung: Dies kann dazu führen, dass man seine Freundschaft zu Menschen, die zum gemütlichen Kino-Abend kamen, einer ordentlichen Zerreißprobe unterzieht.
Problem am Rande: Miese DVD, schlechtes Bild
Eine böse Überraschung, die die Tücken der hochauflösenden Technologie schonungslos offenbarte, gab es bei „Pulp Fiction“: Bei Diagonalen von mehr als 2 Metern zeigte das Bild vom HD-Beamer überraschenderweise einen starken Kästcheneffekt. Der Grund: Der Film ist ja schon ein wenig älter, die DVD gab’s für schlappe 5 Euro im Handel und die ist schlicht und einfach nicht gut gemacht! Zu geringe Auflösung und eine schlechte Digitalisierung hatten zur Folge, dass einfach nicht genügend „Material“ für die digitale Übertragung per HDMI-Kabel zur Verfügung stand. Kombiniere: Für den großformatigen Film-Genuss braucht man also exzellente Bildquellen und wenn man da an einige Uralt-DVDs und die meisten Western-Filme denkt, muss man mit grässlichen Kästchen und einem ruckelnden Bild rechnen.
Problemlos, einfach und gut
Das langwierige Einstellen und Einrichten beim Sony-Modell steht im krassen Gegensatz zu Samsungs Pocket-Winzling. Die Filme gelangten hier abwechselnd über ein Apple iBook und einen handelsüblichen DVD-Player in das Handflächen-große Beamer-Wunder. Schnell stand fest: Im PC-Betrieb entsteht das bessere Bild. Aufgrund der neuen LED-Technologie kann sich Samsungs Pocket Imager unglaublich schnell auf neue Bildquellen einstellen. Die automatische Bildeinrichtung funktioniert vollends zufriedenstellend und man will auf die zusätzlichen Parameter eigentlich gar nicht mehr zugreifen. Gleich beim ersten Film zeigten sich also die Vorteile der neuen LED-Lampe: Blitzschnelles Kinovergnügen. Und: Nicht nur, dass die Lampe die bis zu fünffache Betriebsdauer herkömmlicher Halogen- oder Xenonlampen aufweist, auch ihre die Farbwiedergabe ist einfach nicht zu schlagen.
Wo schwarz noch schwarz ist
Ein Beispiel: Man projiziert ein schwarzes Bild, hält die Hand vor die Leinwand und es entsteht kein erkennbarer Schatten. Bei „Matrix“ lieferte der Pocket Imager einen Schwarzwert, von dem andere Beamer nur träumen können! Allerdings geschieht dies immer auf maximal 2,8 Metern Bilddiagonale und somit in beschaulichem Format. Zoom-Einstellung gibt’s beim Pocket Imager auch keine. Die Bildgröße definiert man über die Distanz zur Leinwand und übertreiben sollte man’s hier auch nicht: Versucht man ein größeres Bild durch eine weitere Entfernung zu erzielen, verliert es an Schärfe, Farbe und massiv an Helligkeit.
Klare Menüstruktur mit Fitness-Bedienung
Beachtet man das aber, so gibt’s bei Filmen gänzlich keine Probleme. Es bleibt eben alles in kleinerem Rahmen, denn wirklich gut ist der Pocket Imager bei 2 Metern Bilddiagonale. Die Umstellung von 4:3 auf 16:9 erfolgt hier zwar auch übers Menü, jedoch nicht so fummelig wie bei Sonys HD-Riesen. Trotz der weitaus geringeren Kontrastrate gibt’s im Übrigen am Bild nicht viel auszusetzen. Lediglich die Helligkeit ist manchmal zu gering. Die Farben strahlen dadurch ein bisschen weniger intensiv, was aber noch einmal der Schwarzwertdefinition zu Gute kommt. Bleibt nur noch ein (kleiner) Haken: Für den Pocket Imager gibt’s – im Gegensatz zum Sony-Beamer – keine mitgelieferte Fernbedienung. Wer etwas ändern will, muss aufstehen und direkt am Gerät werkeln. Aufgrund der intelligenten und überschaubaren Einstellungsmöglichkeiten beim Pocket Imager, wird dies aber selten der Fall sein.
PC-Arbeiten über den Beamer erledigen?
Durch die hohe Auflösung von 1280 x 720 Pixel drängt es Sonys HD-Beamer geradezu auf, den Computerbildschirm für viele Arbeiten auszuschalten. Sowohl mit Windows- als auch Apple-Computern lieferte er ein gestochen scharfes Bild. Internet-Surfen auf 5 Metern Bilddiagonale, das hat was für sich! Allerdings braucht man dafür einen PC im Wohnzimmer, ein langes Kabel oder Funktastatur und –Maus und obendrein ist es ein kostspieliger Spaß. Die Lampe für Sonys HD-Beamer hält – wie auch alle anderen herkömmlichen Projektor-Lampen – im günstigsten Fall zwei- bis dreitausend Arbeitsstunden durch. Bedingt durch Staub, Zigarettenrauch und etwaige Temperaturunterschiede wird’s im Regelfall weniger. Wer seinen PC also oft und gerne „beamt“, muss mit einrechnen, dass ein- oder sogar zweimal im Jahr eine neue Lampe fällig wird. Und die kostet, je nach Händler, zwischen 320 und 400 Euro.
Vorraussetzungen hervorragend
Bei Samsung sieht die Welt ganz anders aus. Die LED-Lampe verspricht eine Haltbarkeit von 10.000 Betriebs-Stunden. Das macht laut Adam Riese bei 8 Stunden Betrieb täglich, eine mögliche Haltbarkeit von d 1024 mal 768 Pixel. Wer ein LC-Display am Computer mit dieser Auflösung betreibt, weiß was das bedeutet: Weniger Platz am Desktop und ein latenter „Kästcheneffekt“ bei der Darstellung von Schriften in Websites und generell im Betriebssystem. Bei einem Apple-Computer fällt das aufgrund der besseren Schriftglättung fast gar nicht auf, für Windows PCs, die heutzutage meist mit Auflösungen bei 1280 x 1024 und höher betrieben werden, bedeutet dies eine Rückkehr zu „alten“ Maßstäben.
Häufiges Einsatzfeld: Powerpoints
Hier gilt für beide: absolut geeignet. Obwohl Sonys HD-Beamer sich selbst die Möglichkeiten einschränkt. Für die Fixinstallation an der Decke eines Konferenzzimmers ist er zwar absolut geeignet, bliebe dann aber fürs Heimkino ungenutzt. Zum Transport von einem Sitzungssaal zum anderen ist er generell „zu schade“. Die Lampe wäre starken Temperaturschwankungen ausgesetzt und bei fünf Kilogramm Lebendgewicht hätte man schwer zu schleppen, wenn man etwaige Akten und ein Notebook noch mit einberechnet.
Bei Präsentationen triumphiert also Samsungs Pocket Imager. Er wird mit einem robusten Hardcase geliefert, in das sich alle notwendigen Kabel und Netzteile, sowie der optional erhältliche Akku packen lassen. Die Schachtel misst gerade einmal 30 x 20 x 7 Zentimeter und findet in jedem geräumigen Notebook-Rucksack ihren Platz. Durch den schnellen Aufbau und die zuverlässige automatische Einstellung kann man auch einmal zu spät zum Präsentationstermin erscheinen. Das Pixelproblem bei Schriften taucht bei Powerpoint-Präsentationen oder PDFs, sowie bei Fotos und Videos natürlich nicht auf.
Handlichkeit und Einsatzmöglichkeiten
Bei Sonys Projektor ist der Bestimmungsort klar ersichtlich: Wohnzimmer. Dort, und auch nur dort, kann er seine unglaublichen Kräfte optimal entfalten. Egal ob an der Decke oder im Ikea Regal an der hinteren Zimmerwand, der HD-Beamer ist für den stationären Einsatz gedacht. Und auch wenn er sich mit einem angeschlossenen PC mehr als nur gut verträgt, der Film und somit das Heimkino sind sein Metier.
Der Einsatzort von Samsungs Pocket Imager hingegen ist genauso beliebig wie sein Einsatzfeld. Theoretisch könnte er im Schlafzimmer, verbunden mit einer Stereoanlage, vom Nachtkästchen aus den Gute-Nacht-Film an die Wand werfen. Genau so gut kann er zum treuen Begleiter des Handelsreisenden werden. Auch beim DVD-Abend unter Freunden ließe er sich von einer Wohnung zur anderen tragen. Als einzige Vorraussetzung würde er eine Leinwand oder auch nur eine glatte, in Weiß gestrichene Zimmerwand benötigen.
Preis/Leistung
Obwohl der Preis von 2.599,- Euro bei Sonys HD-Riesen völlig überzogen erscheint, so wird im Vergleich zum Minimal-Extrem „Pocket Imager“ deutlich klar, dass seine Größen-Vorteile nahezu undiskutierbar sind. Die Bilddimension schlägt jedes Provinzkino und hat man die unzähligen Parameter im Menü erst einmal justiert, so bietet sich ein Kinogenuss, der mit ein bisschen Popcorn und einer kuscheligen Couch, die dicht gedrängten Cineplexxes und Riesenkinos der Städte schnell überflüssig macht. Bevor man sich für (ebenfalls) teures Geld einen großen Plasma-TV zulegt, sollte man sich die HD-Beamer-Alternative ins Gedächtnis rufen. Mit einem Satellitenreceiver oder einer Kabel-Set-Top-Box wird der Projektor schnell zum Fernseher. Kostspielig bleibt er aber immer: Denn zusätzlich werden noch Investitionen für einen HDMI-DVD-Player fällig und ein geeignetes Soundsystem benötigt man auf jeden Fall.
Sonys Größenvorteil und die fehlenden digitalen Standards macht Samsungs Pocket Imager durch seine Winzigkeit und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten wett. Klar, in Sachen Bildgröße und auch in manchen Punkten von Schärfe und Kontrast kann der Mini-Projektor mit Sonys VPL-HS60 (und auch vielen anderen) nicht mithalten. Ein Ersatz zum TV-Gerät ist er schon wegen der beschaulichen Anschlüsse nicht. Attraktiv machen den Pocket Imager aber auch in erster Linie sein relativ geringer Preis von 899,- Euro – der im freien Handel sicher noch unterboten wird – und die Möglichkeit, sich sein Heimkino in die Hosentasche zu stecken. Bei Geschäftsleuten und Vertretern wird sich der Pocket Imager jedenfalls noch größter Beliebtheit erfreuen. Und auch bei mobilen Menschen mit kleinem Wohnzimmer und großem Freundeskreis ist er gut aufgehoben.
Allgemeines Fazit
Abseits der Testergebnisse dieser beiden Projektoren ist noch anzumerken, dass die Hersteller im Beamer-Segment nicht schlafen. Neben Sony, die sich mit dem neuen HD-Modell einiger Vorurteile entledigen konnten und Samsung, die ihren Einstand auf dem Beamer-Markt mit einer intelligenten und alternativen Lösung feiern, legen ja auch Canon und die beiden Beamer-Experten Sanyo und Panasonic gerade wieder nach. Mit identischen Konzepten und Leistungsmerkmalen. Die Kauf-Entscheidung muss also im Wesentlichen nur mehr aufgrund von Sympathie und Preis fallen.
Z'erst überlegen, dann entscheiden!
Den Heimkino-Projektor einem opulenten LCD-TV vorzuziehen, diese Alternative sollte man in Zukunft auf jeden Fall erwägen. Für die ZiB und die Talkshow am Vormittag tut’s ja auch ein kleiner, günstiger Fernseher, der außerdem noch Platz spart. Wer eine Wand frei hat, der sollte sich bei den neuen HD-Beamern unbedingt umsehen, bevor er sich für 3.000 Euro einen 107-Zentimeter-Flat-TV anschafft.
Traum vom "Westentaschenkino"
Mit den kommenden Zeiten von DVB-T – dem digitalen TV-Signal, das vollkommen unabhängig von stationären Antennen empfangen werden kann – werden auch die kleinen, portablen Beamer einen neuen Status erlangen. Den Laptop mit DVB-T-Antenne, g’scheite Boxen und die kleine Schachtel mit dem Mini-Beamer in einen Rucksack gepackt - und das Heimkino geht auf Reisen!
Und ewig plagt der Kontostand...
Der einzige leidige Faktor am Heimkino-Spaß wird aber bleiben: Die Dinger kosten ein Schweine-Geld! Und das wird sich leider auch in Zukunft nicht ändern…
Test und Bericht: Christoph Andert
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