Bis 15 Euro pro Monat

E-Auto-Fahrern drohen ab 2027 höhere Stromkosten

Wirtschaft
06.11.2026 22:30

Wer zu Hause ein E-Auto lädt, eine Sauna oder eine Wärmepumpe betreibt, muss sich auf höhere Stromnetz-Kosten einstellen. Dafür werden Niedrig-Verbraucher entlastet. Das ist im Kern die Botschaft der größten Stromnetz-Tarifreform seit 25 Jahren. Doch es gibt auch – ganz offizielle – Wege, den Anstieg zu umgehen ...

Bisher hängt der Netztarif – also jener Teil der Stromrechnung, der an den Netzbetreiber geht und rund ein Drittel des Strompreises ausmacht – fast ausschließlich davon ab, wie viele Kilowattstunden ein Haushalt aus dem Netz bezieht. Das aber entspreche nicht den tatsächlichen Kosten: „Die Kosten verursachen die Spitzen, also wenn Sie sehr viel gleichzeitig machen“, so Michael Strebl, Chef der E-Control. Künftig werde daher stärker die gleichzeitig bezogene Leistung bepreist – und nicht mehr nur die Menge.

Konkret heißt das: „Die, die das Netz stärker belasten, die stärkere Spitzen haben, müssen einen faireren Beitrag zahlen. Die, die das Netz gleichmäßig belasten und daher die Netzkostenentwicklung dämpfen, müssen davon profitieren“, sagt Strebl.

Zehn bis 15 Euro mehr pro Monat
Für Haushalte mit hohem Verbrauch, die ihr Verhalten nicht ändern, beziffert Strebl die Mehrbelastung mit „ungefähr zehn bis 15 Euro pro Monat“. Wer etwa gleichzeitig die Sauna aufheizt, den Backofen einschaltet und das E-Auto lädt, verursacht eine Leistungsspitze, die das Netz teuer macht.

E-Control-Vorstand Michael Strebl: „Die, die das Netz stärker belasten, die stärkere Spitzen ...
E-Control-Vorstand Michael Strebl: „Die, die das Netz stärker belasten, die stärkere Spitzen haben, müssen einen faireren Beitrag zahlen.“(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Umgekehrt profitieren alle, die keine hohen Stromspitzen haben, durch niedrigere Netzkosten. Strebl: „Das sind die meisten, ungefähr 75 bis 80 Prozent werden sozusagen Gewinner sein. Du brauchst gar nichts tun.“

Die Ersparnis ist allerdings überschaubar: Nach vorläufigen Berechnungen sinken die Netzkosten mit dem neuen System im Schnitt um 5,7 Prozent – bei einem Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch macht das höchstens wenige Euro im Monat aus.

So lassen sich die Mehrkosten vermeiden
Wer viel Strom verbraucht, kann die höheren Kosten aber umgehen – indem er seine Verbrauchsspitzen vermeidet. Das Zauberwort heißt Flexibilität. „Sie können sagen, ich nehme ein Energiemanagementsystem, das Ihnen das automatisch steuert“, so Strebl. Solche Systeme verhindern etwa, dass Sauna und das Aufladen des E-Autos gleichzeitig laufen – das E-Auto wird dann erst geladen, wenn die Sauna schon warm ist.

Auch der Betrieb einer Sauna kann bald teurer werden.
Auch der Betrieb einer Sauna kann bald teurer werden.(Bild: BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Besonders attraktiv ist die sogenannte flexible Entnahme: Verzichtet ein Kunde in zwei Zeitfenstern, die der Netzbetreiber als Spitzenzeiten definiert (beispielsweise 7 bis 9 Uhr und 17 bis 19 Uhr), auf einen Teil seiner Nutzung, „dann kriegt er einen Rabatt auf den Preis“.

Zeitplan und Info-Kampagne
Die Umstellung erfolgt nicht von heute auf morgen. Die Netzbetreiber können zwischen 1. Jänner 2027 und 30. Juni 2028 umstellen – je nach internem Vorbereitungsbedarf, etwa wegen laufender IT-Projekte. „Wir machen die Umstellung natürlich schrittweise. Wir machen sie mit einem relativ langen Einführungszeitraum“, sagt Strebl.

Bevor es so weit ist, soll eine große Informations-Kampagne – gemeinsam mit den Netzbetreibern – die Kunden aufklären. „Kunden verwirren ist das Schlimmste, was man tun kann. Das werden wir tunlichst unterlassen“, so Strebl.

Das steckt dahinter: 300 Millionen Euro Ersparnis
Der Sinn der Reform: Die Netze sollen nicht mehr für wenige Spitzenstunden im Jahr teuer ausgebaut werden müssen. „Genau diese Spitzen, die für wenige Stunden oft im Jahr auftreten, genau dafür muss man die Netzstruktur auslegen. Wenn Sie das runterbringen, sparen Sie sich Netzausbau und das sind diese 300 Millionen Euro pro Jahr“, rechnet Strebl vor. Diese Einsparung soll den Anstieg der Netzkosten dämpfen, der durch den notwendigen Ausbau – Stichwort Elektrifizierung von Verkehr und Wärme – ohnehin auf uns zukommt.

Fünf Millionen Haushalte, 22 Prozent potenziell betroffen
In Österreich gibt es rund fünf Millionen Haushalts-Stromkunden. Nach Berechnungen der E-Control sind etwa 75 Prozent Gewinner der Reform, drei Prozent bleiben gleich, und rund 22 Prozent – also etwa eine Million Haushalte – sind potenziell gefährdet, mehr zu zahlen, wenn sie nichts tun. Das sind vor allem Haushalte mit hohem Stromverbrauch, etwa durch E-Auto, Sauna und Wärmepumpe. „Und auf diese Kunden muss man zugehen und sagen: Passt auf, ihr seid jetzt gefährdet, dass ihr mehr zahlt, wenn ihr nichts tut“, so Strebl.

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