Tausende Besucher haben diese Höhle bereits durchquert, ohne ihre größte Besonderheit zu bemerken. Zwischen modernen Kritzeleien an den Wänden verbargen sich jahrtausendealte Kunstwerke aus der Eiszeit. Archäologen haben nun Hunderte prähistorische Gravuren entdeckt – darunter Darstellungen von Pferden, Bären und längst ausgestorbenen Rindern.
Wie Forscher nun im renommierten Fachjournal „Antiquity “ berichten, befinden sich die Funde in der Cova de la Font Major in Katalonien im Nordosten Spaniens. Die Gravuren sollen rund 26.000 Jahre alt sein. Die Entdeckung stellt bisherige Annahmen über die Verbreitung paläolithischer Kunst in der Region infrage, die bislang als nahezu frei von solchen Zeugnissen galt.
Entdeckt wurden die Zeichnungen bereits 2019. Der Archäologe Josep Maria Vergès Bosch vom Katalanischen Institut für Paläoökologie und menschliche Evolution (IPHES-CERCA) stieß bei einer geplanten Ausgrabung auf die ungewöhnlichen Spuren. Gemeinsam mit seiner Kollegin Míriam Salas-Altès untersuchte er insgesamt 280 prähistorische Kunstmotive. 55 davon zeigen Tiere.


Pferde, Bären und Ur-Rinder
Unter den Darstellungen finden sich Pferde, Bären und Auerochsen – die längst ausgestorbenen Vorfahren unserer heutigen Hausrinder. Daneben entdeckten die Forscher zahlreiche geschwungene Linien und geometrische Muster. Einige Gravuren weisen sogar auf frühe Versuche hin, Bewegung darzustellen.
Besonders bemerkenswert ist, dass die damaligen Künstler offenbar auch die natürlichen Gegebenheiten der Höhlenwände in ihre Werke einbezogen. So wurden vorhandene Risse und Unebenheiten genutzt, um beispielsweise den Boden unter einem Pferd darzustellen.
Jahrzehntelang verborgen
Dass die Kunstwerke so lange unentdeckt blieben, ist durchaus ungewöhnlich. Das Höhlensystem erstreckt sich über mehr als 3,5 Kilometer unterirdischer Gänge und wurde im Laufe der Menschheitsgeschichte wiederholt genutzt. Seit rund 70 Jahren ist es für Besucher zugänglich, in den 1990er-Jahren wurde es sogar in ein Museum umgewandelt.
Erst bei gutem Lichteinfall zu sehen
Doch die Gravuren waren offenbar ausgesprochen schwer zu erkennen. „Wenn man die Gravuren direkt anleuchtet, sind sie wirklich schwer zu sehen“, erklärt Salas-Altès. Man müsse mit Licht aus unterschiedlichen Richtungen arbeiten, um die Vertiefungen an den Wänden überhaupt wahrnehmen zu können.
Kritzeleien machen es den Forschern nicht einfacher
Hinzu kommt, dass sich an den Höhlenwänden zahlreiche neuere Kritzeleien befinden. Für ungeübte Augen waren die uralten Kunstwerke deshalb kaum von den modernen Spuren zu unterscheiden.
Die Entdeckung könnte zudem noch nicht abgeschlossen sein. Einige Bereiche des Höhlensystems sind im Laufe der Zeit mit Sedimenten aufgefüllt worden. Ob sich darunter weitere prähistorische Kunstwerke verbergen, müssen künftige Untersuchungen zeigen.
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