Betongold und Hitze

Kann Architektur die Welt retten, Angelika Fitz?

Kultur
03.11.2026 07:00

Angelika Fitz, Direktorin im Architekturzentrum Wien zu Gast im „Krone“-Podcast: Ein Gespräch über Betongold und traditionelle Technologien, Häuser, die krank machen und das richtige Bauen. 

Hier geht es direkt zur Folge des Kultur Kompass mit Angelika Fitz!

Gebäude prägen unseren Alltag und unser Zusammenleben – von den eigenen vier Wänden und gemeinsamen sozialen Räumen über Bodenversiegelung am Land bis zu Umgang mit Hitze in der Stadt. Architektur ist dabei weit mehr als schöne Fassade.

Mit den gesellschaftlichen Funktionen von Architektur beschäftigt sich auch Angelika Fitz. Die Kulturwissenschafterin ist seit 2017 Direktorin im Architekturzentrum Wien. Vor der Eröffnung ihrer letzten Ausstellung „Temporär. Strukturen der Notwendigkeit“ sprach sie im „Krone“-Podcast über die Herausforderungen des Bauens in Zeiten multipler Krisen – aber auch über kreative Lösungen.

Architektur als wichtiger Hebel
„Architektur ist ein riesengroßer Hebel, den wir in der Klimakrise haben“, betont sie. Etwa in der Bauwirtschaft mit ihren massiven CO2-Emissionen und der Müllproduktion. Oder in der klugen Weiterentwicklung von Bestand oder kreativen gebauten Lösungen in überhitzten Städten: „Es wird auch bei uns immer wieder Neubauten brauchen. Aber viel weniger als zurzeit. Zum Beispiel im ländlichen Raum: Wir haben wirklich genug Einfamilienhäuser.“ Auch hier sieht Fitz großes Potenzial für neue lustvolle Architektur.

Dass aktuell so viel gebaut wird, liegt nur teilweise am gesellschaftlichen Bedarf: „Bauen ist zu einem großen Faktor des Kapitalismus geworden“, kritisiert Fitz den Trend zu Betongold und Vorsorgewohnungen.

Architektur kann auch krank machen
Wenn Architektur einen Beitrag leisten kann, die Probleme der Gegenwart zu lösen, dann müsse sich der Fokus der Debatte ändern, ist Fitz überzeugt: „Es ist interessant, dass Beton und Stahl immer noch als Fortschritt gelesen werden“, verweist sie auf nachhaltigere Technologien wie Holzbau und Lehmbau, die sich stark weiterentwickelt haben.

Doch nicht nur die Art des Bauens kann für Fitz einen Unterschied machen: „Wir sprechen viel zu selten über Architektur als eine Gesundheitsfrage.“ Sie kritisiert, dass Architektur meist über Funktion und Schönheit beurteilt wird. Dabei beeinflussen Materialien, Raumklima, Licht, Außenräume und die Aufenthaltsqualität unmittelbar unsere Gesundheit: „Auch Häuser können krank machen.“

Brauchen wir also angesichts von Teuerung und Klimakrise künftig weniger Architektur? „Im Gegenteil! Wenn man sie als gute Kraft versteht, die das Bauen besser macht, dann brauchen wir dringend mehr Architektur!“

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