Die Idee ist Jahrzehnte alt, nun soll sie Realität werden: 60 Jahre nach dem „Anwerbeabkommen“ mit dem damaligen Jugoslawien gibt es grünes Licht für ein Gastarbeiter-Denkmal in Wien – aus Spenden finanziert. Nicht wegen leerer Stadtkassen, sondern mit voller Absicht, wie betont wird.
„Seitdem ich da bin, kenne ich das Thema“, gibt auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zu. Nun sollen vielen Worten Taten folgen: Ein wissenschaftlicher Beirat soll erarbeiten, was das Denkmal ausdrücken soll, 2028 soll der künstlerische Wettbewerb starten, und schon 2029, „spätestens aber 2030“ soll das Denkmal stehen. Die Kosten dafür werden auf 150.000 bis 250.000 Euro geschätzt. Die Stadt zahlt davon nur den Prozess bis zur Errichtung, der Rest soll aus Spenden finanziert werden.
Wahrscheinlicher Standort steht schon fest
Dass die Zivilgesellschaft für das Denkmal selbst aufkommt, sei der explizite Wunsch der Initiatoren Savo Ristic und Senol Grasl-Akkilic vom Volkshilfe Community Work gewesen, betont das Rathaus. Die Volkshilfe Wien übernimmt auch das Werben um Spenden. Begonnen bei einer „Baustein-Aktion“ wie einst für das Dach des Stephansdoms werde man sich „viele lustige Sachen einfallen“ lassen, verspricht Volkshilfe-Geschäftsführerin Tanja Wehsely. Doch auch Institutionen und Firmen hätten Bereitschaft signalisiert, sich an dem Projekt zu beteiligen.
Als Standort wird ein Grünflächen-Zwickel zwischen Karl-Popper-Straße, Alfred-Adler-Straße und Antonie-Alt-Gasse hinter dem Hauptbahnhof in Aussicht genommen. Favoriten als Bezirk und die Gegend des einstigen Südbahnhofs böten sich wegen der Symbolkraft an, heißt es, und sowohl Bezirk als auch die ÖBB als Grundeigentümer seien nicht abgeneigt. Zusätzlich soll es in der Nachbarschaft in Räumlichkeiten der Volkshilfe einen Studienraum zur Geschichte der Arbeitsmigration in Wien geben.
„Schon Ötzi kam aus Anatolien“
Nur durch Arbeitsmigration sei Wien „zu dieser schillernden Metropole geworden“, findet Kaup-Hasler und Wehsely stimmte unter Verweis die vielen böhmischen Namen in Wien, darunter ihren eigenen, zu. Immerhin sei laut jüngsten Forschungsergebnissen sogar schon „Ötzi aus Anatolien gekommen“, gab wiederum Grasl-Akkilic zu bedenken. Tatsächlich war Wien auch 1910 schon eine Zwei-Millionen-Stadt, mit ähnlichem Migrantenanteil wie heute.
Waff-Geschäftsführer Marko Miloradović – er hatte zur Präsentation der Pläne das Familienfotoalbum seiner eigenen in den 1970ern eingewanderten Großeltern mitgebracht – unterstrich, das Denkmal habe nicht nur mit der Vergangenheit zu tun. So wie damals die Babyboomer-Generation noch zu jung zum Arbeiten gewesen sei, wird sie nun langsam zu alt dafür: Wien brauche weiterhin Arbeitskräfte aus dem Ausland, und Wehsely assistierte, umso mehr sei man „sehr interessiert an Diversität, die auch funktioniert“.
Wir wollen mit dem Denkmal auch eine positive Geschichte erzählen, die alle stolz macht, hier in Wien zu leben.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler
Bild: Stadt Wien / Votava
Ein Denkmal für die „Gastarbajteri“ – die Initiatoren bevorzugen das serbokroatische Lehnwort, nicht zuletzt, weil das deutsche Wort vom Nazi-Regime für damalige italienische Arbeitsmigranten erfunden wurde – braucht es aus Sicht der Betreiber allein schon, um „die österreichische Geschichte vollständig zu erzählen“. Der Wunsch: Am Ende sollen alle – alteingesessene Wiener mit böhmischen oder anderen Namen, einstige Gastarbeiter und ihre Nachkommen, aber auch „Mohammed und Saha aus Afghanistan“ – davor stehen und sich denken: „Hier bin ich zu Hause.“
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