An der Spitze der Euro-Notenbank steht ein Wechsel bevor. Christine Lagarde will ihr Amt im Februar 2027 niederlegen. EU-Ratspräsident António Costa hat bereits die Suche nach einem Nachfolger angekündigt.
Sie führte Europas wichtigste Notenbank durch Pandemie, Krieg und eine massive Teuerungswelle. Doch nun zeichnet sich das Ende ihrer Amtszeit ab. Christine Lagarde will als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) am 7. Februar 2027 zurücktreten. Das teilte EU-Ratspräsident António Costa in einer Stellungnahme mit. Lagarde habe ihn über ihre Absicht informiert, ihr Amt niederzulegen.
Warum sie diesen Schritt plant, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Costa erklärte, er respektiere ihre Entscheidung. Zugleich würdigte er ihre Arbeit seit November 2019, als Lagarde die Führung der EZB übernommen hatte.
Durch Krisen und Inflation
Die vergangenen Jahre stellten die Notenbank vor große Herausforderungen. Die Corona-Pandemie erschütterte die Weltwirtschaft, der Krieg in Europa brachte neue Unsicherheiten, dazu kamen Energiekrisen und starke Inflationsschübe. In dieser Zeit habe Lagarde die EZB mit Verantwortungsbewusstsein und Entschlossenheit geführt, betonte Costa.
Ihre Arbeit habe dazu beigetragen, die Stabilität des Euroraums zu sichern und seine Widerstandsfähigkeit zu stärken. Auch ihr Einsatz für das europäische Projekt sei hervorzuheben, so der EU-Ratspräsident.
Schon länger Spekulationen über Rückzug
Seit Längerem hatte es Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt der 70-Jährigen und einen Wechsel zum Weltwirtschaftsforum gegeben. Lagardes Rückzug gibt den europäischen Staats- und Regierungschefs die Möglichkeit, noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr über die Nachfolge an der EZB-Spitze zu bestimmen.
Tausch kurz vor politischem Machtwechsel?
Hintergrund seien Sorgen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte. Macron darf bei der Präsidentschaftswahl nicht erneut antreten.
Für die Lagarde-Nachfolge hatte sich auch Deutsche-Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ins Spiel gebracht. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Notenbank noch nie die EZB-Spitze.
Erste Favoriten schon in Stellung
Als Favoriten für die Lagarde-Nachfolge gelten aber der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die ebenfalls Interesse an Lagardes Nachfolge angemeldet hatte, wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington.
Wer übernimmt die EZB-Spitze?
Lange warten will die EU mit den nächsten Schritten offenbar nicht. Laut Costa soll das Verfahren zur Ernennung eines Nachfolgers noch am selben Tag beginnen und ohne Verzögerung vorangetrieben werden. Eine rechtzeitige Entscheidung durch den Europäischen Rat in seiner Zusammensetzung für den Euroraum sei das Ziel.
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