Der Leichenfund einer Frau (34) und ihrer Tochter (10) in Kühltruhen in Innsbruck Ende 2025 sorgte für Entsetzen in Österreich. Ein Brüderpaar saß seitdem in Untersuchungshaft. Sie werden nun wegen Mordes und anderer Delikte angeklagt.
Zwei Frauenleichen wurden im November in einer Wohnung in Innsbruck gefunden. Bei den beiden handelte es sich um eine 34-jährige Frau und ihre zehnjährige Tochter. Zwei Verdächtige – ein Brüderpaar – wurden festgenommen und saßen in Untersuchungshaft.
Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Brüder. Ihnen werden Mord und andere Delikte, wie Störung der Totenruhe, Beweismittelunterdrückung, Diebstahl, Entfremdung der Bankomatkarte oder betrügerischer Datenverarbeitungsmissbrauch vorgeworfen.
Der 56-jährige Einheimische soll am 21. Juli 2024 seine damals 34-jährige Freundin aus Syrien und ihre Tochter gewaltsam erstickt haben. Der 54-jährige Einheimische soll seinen älteren Bruder dabei unterstützt haben. Er soll bei der Tatvorbereitung und beim Verbergen der Leichen geholfen haben.
So soll der 54-Jährige zur Aufbewahrung der beiden Leichen einen Lagerraum angemietet haben. Dort legte das Duo die beiden Opfer in Tiefkühltruhen und versperrte diese mit Kette und Vorhängeschloss – zur „sicheren Verwahrung der Leichen“, wie es seitens der Staatsanwaltschaft heißt.
Gemeinsam versteckten die beiden bis zum 12. November die Leichen in den Tiefkühltruhen hinter einem, eigens dafür mit Gipskartonplatten errichteten, Wandvorbau in der Wohnung des 54-Jährigen. Dem Duo wird daher auch die Störung der Totenruhe und Beweismittelunterdrückung angelastet.
Konto von toter Freundin geplündert
Schon vor der Tötung soll der 56-Jährige mit einem alten Smartphone seiner Freundin online auf ihr Konto zugegriffen haben und eine Kreditkarte bestellt haben. Am 21. Juli 2024 überwies er sich von ihrem Sparkonto 4500 Euro auf ihr Girokonto. Eine weitere Online-Überweisung auf sein eigenes Konto von rund 5000 Euro erfolgte am Tag darauf. Auch den Goldschmuck der Frau verkaufte er, genauso ihre Möbel, Sport- und Küchengeräte.
Am Abend des Tattages verfasste der 56-Jährige im Namen des Opfers ein Kündigungsschreiben an den gemeinsamen Arbeitgeber.
Die Staatsanwaltschaft
Weitere Verschleierungen
„Am Abend des Tattages verfasste der 56-Jährige im Namen des Opfers ein Kündigungsschreiben an den gemeinsamen Arbeitgeber (beide waren beim selben Unternehmen – er als ihr Vorgesetzter – beschäftigt)“, erklärt die Staatsanwaltschaft. Zudem täuschte er weitere Nachrichten zwischen ihm und der Toten vor und schrieb sich selbst mit ihrem Smartphone längere Abschiedsnachrichten, worauf er ihr scheinbar verzweifelte Antworten sendete.
Verwandter meldete sich bei Polizei
Nachdem ein Verwandter des Mordopfers am 25. Juli 2024 das Opfer bei der Polizei als vermisst gemeldet hatte, gab sich der 56-Jährige zunächst kooperativ und berichtete von angeblichen Auswanderungsplänen seiner Freundin. Diese – tatsächlich von ihm selbst mit dem Smartphone der Verstorbenen geschriebenen – Nachrichten wies er der Polizei vor.
Am 29. Juli 2024 fuhr der 54-jährige Bruder des Haupttäters nach Salzburg und bezahlte in einem Supermarkt mit der Bankomatkarte der Toten. Am 31. Juli reiste er nach Slowenien, wo er ebenfalls mit der Bankomatkarte des Opfers bezahlte.
Trotz verschiedener Überwachungsmaßnahmen konnte der Standort der Kühltruhen jedoch nicht festgestellt werden.
Die Staatsanwaltschaft
Ermittlungen führten zu Brüderpaar
Erste Ermittlungen zum vermeintlichen Vermisstenfall ergaben, dass es äußerst unwahrscheinlich sei, dass die Mutter und ihre Tochter verschwunden waren. Vielmehr lag der Verdacht nahe, dass der 56-Jährige die beiden getötet habe. „Trotz verschiedener Überwachungsmaßnahmen konnte der Standort der Kühltruhen jedoch nicht festgestellt werden“, heißt es.
Die beiden Brüder wurden am 20. Juni 2025 festgenommen und befinden sich seither in Untersuchungshaft. Sie zeigten sich zunächst nicht kooperativ. Hausdurchsuchungen ergaben zunächst keinen Hinweis auf den Verbleib der Leichen bzw. der Kühltruhen.
Da die Situation schwer zu erklären gewesen sei, habe er sich entschlossen, die Leichen zu verstecken und eine Abreise der Opfer vorzutäuschen.
Die Staatsanwaltschaft
War Tod ein Unfall?
Erst am 12. November 2025 machte der 56-Jährige umfangreiche Angaben. Er schilderte, dass er die Tochter leblos in der Wohnung seiner Freundin vorgefunden hätte und der Tod seiner Freundin ein Unfall gewesen wäre. Er sei aus einer Bewusstlosigkeit erwacht, seine Freundin sei tot unter ihm gelegen. „Da die Situation schwer zu erklären gewesen sei, habe er sich entschlossen, die Leichen zu verstecken und eine Abreise der Opfer vorzutäuschen“, so die Staatsanwaltschaft.
Der Mann gab an, wie und wo die Kühltruhen versteckt wurden. Der 54-Jährige erklärte, nur Aufträge seines Bruders befolgt und nicht gewusst zu haben, worum es dabei geht. „Das tatsächliche Geschehen ist insbesondere durch akribische Auswertung verschiedener Daten, nämlich Videoüberwachungsbildern, Kommunikations- und Standortdaten, Bankdaten und sich daraus ergebender Zeitabläufe und Bewegungsprofile nachvollziehbar.“
Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund der Ermittlungen davon aus, dass der 56-Jährige seine Freundin vorsätzlich tötete, weil er sich von ihr zurückgewiesen sowie finanziell ausgenützt fühlte, nachdem er sie vielfach unterstützt hatte. Danach soll er auch ihre Tochter getötet haben.
Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren droht
Ein Termin vor dem Geschworenengericht wurde noch nicht anberaumt. Die Anklage kann noch binnen zwei Wochen beeinsprucht werden. Im Falle eines Schuldspruchs droht beiden Männern eine Freiheitsstrafe von zehn bis 20 Jahren. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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