Kurz nach Mega-Flut
Schon wieder erschüttert riesige Wasserwalze Nepal
Im Himalaya-Staat Nepal haben gewaltige Wassermassen erneut schwere Schäden angerichtet. Entlang des Flusses Budhi Gandaki mussten Bewohner ihre Häuser verlassen. Mindestens fünf Menschen werden vermisst, während Rettungskräfte nach weiteren Betroffenen suchen.
Die Sturzflut traf am Sonntag den zentralnepalesischen Distrikt Gorkha. Nach Angaben der Behörden wurden Dutzende Häuser fortgerissen oder beschädigt, mehrere Brücken zerstört und eine im Bau befindliche Wasserkraftanlage in Mitleidenschaft gezogen. Auch Strom- und Kommunikationstürme entlang des Flusses wurden beschädigt.
Die nepalesische Armee brachte bis zum Sonntagnachmittag 49 Menschen in Sicherheit. Die Rettungsarbeiten wurden mit Hubschraubern und Bodentruppen fortgesetzt. Die Katastrophenschutzbehörde ließ zudem Dörfer evakuieren und warnte weitere Bewohner, sich in sichere Gebiete zu begeben. Die Bevölkerung sollte bis in den späten Sonntag hinein wachsam bleiben.
Fluss steigt binnen Stunden dramatisch an
Wie gewaltig die Wassermassen waren, zeigen die Messungen an einer Stelle des Flusses. Innerhalb weniger Stunden stieg der Wasserstand dort von rund zwei Metern auf beinahe 8,5 Meter. Eine hydrologische Messstation wurde von den Fluten mitgerissen, wie der Meteorologe Binod Parajuli mitteilte. Deshalb lägen von diesem Standort keine weiteren Daten vor.
Aufnahmen in sozialen Medien zeigen, wie die Wassermassen durch ein enges Tal zwischen hohen Bergen strömen und Gebäude mit sich reißen. Das genaue Ausmaß der Schäden in den abgelegenen Bergdörfern war zunächst unklar.
Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde wurde die Flut durch einen Erdrutsch ausgelöst. Dieser habe den Fluss Budhi Gandaki zunächst in der Nähe des Dorfes Chumchure aufgestaut. Als der dadurch entstandene Damm aus Geröll und Erdreich brach, ergossen sich die aufgestauten Wassermassen flussabwärts.
Ursache zunächst nicht eindeutig
Auch andere mögliche Auslöser wurden zunächst diskutiert. Experten verwiesen auf die Möglichkeit, dass ein Erdrutsch den Fluss oder einen Zufluss vorübergehend blockiert haben könnte. Zudem gab es Berichte über eine mögliche Eis-Lawine im Oberlauf. Die genaue Ursache war zunächst nicht abschließend geklärt.
Nach Einschätzung von Fachleuten fiel die aktuelle Geröll- und Flutwelle allerdings deutlich kleiner aus und bewegte sich langsamer als die verheerenden Sturzfluten im August.
Der Budhi Gandaki mündet in den Fluss Trishuli, der eine wichtige Wasserstraße in der Region rund um die Hauptstadt Kathmandu ist. Die aktuelle Katastrophe ereignete sich flussabwärts eines weiteren Zuflusses, in dessen Einzugsgebiet es bei der früheren Katastrophe zu einem Gletscherkollaps gekommen war.
Kinder erneut von Katastrophe betroffen
Besonders schwer wiegt die erneute Zerstörung für die betroffenen Familien. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und wissen nicht, wo sie sicheren Unterschlupf finden oder wie sie an lebenswichtige Versorgungsgüter gelangen sollen. Die Flut traf die Region ausgerechnet zu Beginn des Dashain-Festes, eines der bedeutendsten Feiertage im nepalesischen Kalender.
Die Hilfsorganisation Save the Children mobilisierte ein Notfallteam. „Das Leben von Kindern wurde innerhalb eines Augenblicks erneut auseinandergerissen“, sagte Tara Chettry, die Direktorin der Organisation in Nepal. Das volle Ausmaß der Schäden sei noch nicht bekannt. Viele Kinder könnten ihre Häuser, Schulen und Gemeinschaften verloren haben. Zudem seien zahlreiche Kinder in Gorkha nach den schweren Überschwemmungen im August noch immer traumatisiert und verängstigt. „Sie hatten kaum eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen“, warnte Chettry.
Nepal kämpft weiter mit den Folgen der Mega-Flut
Erst vor rund zwei Monaten hatten katastrophale Überschwemmungen in den Grenzgebieten zwischen Nepal und China mehr als 1400 Menschen das Leben gekostet. Tausende weitere wurden vermisst. Die Schäden waren enorm, zahlreiche Verkehrsverbindungen wurden unterbrochen und die Versorgung entlegener Regionen erschwert.
Am Montag kündigte das Büro des nepalesischen Ministerpräsidenten Balendra Shah das Ende der Suche nach weiteren Opfern dieser Katastrophe an. Der Schwerpunkt liege nun auf dem Wiederaufbau, insbesondere der Reparatur zerstörter Straßen und Brücken sowie der Wiederherstellung unterbrochener Verkehrsverbindungen.
Die Regierung schätzt die Kosten für den Wiederaufbau auf umgerechnet rund 4,1 Milliarden Euro. Fast 33.000 Menschen waren von der Katastrophe betroffen, etwa 7500 Häuser wurden beschädigt oder zerstört.

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