Diözese elektrisiert

Immer mehr Stromkunden setzen jetzt auf die Kirche

Burgenland
11.10.2026 06:00

Auch Kirche kann Energie! Im Burgenland sind bereits 65 der insgesamt 172 katholischen Pfarren Teil der diözesanen Energiegemeinschaft. Mit 36 Photovoltaikanlagen erzeugen und teilen sie regionalen, erneuerbaren Strom und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. 

Die „Martinus Energiegemeinschaft“ ist zwar noch ein relativ junges Energieprojekt der Diözese Eisenstadt, aber inzwischen im gesamten Burgenland aktiv. Produziert wird der Strom via Photovoltaikanlagen auf kirchlichen Dächern bzw. Grundstücken. Interessant ist das Modell aber nicht nur für Pfarren und diözesane Einrichtungen, sondern auch für Privatpersonen.

Das Prinzip ist einfach: Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kann überschüssigen Strom in die Energiegemeinschaft einspeisen. Wer selbst keine PV-Anlage hat, kann Strom aus der Gemeinschaft beziehen. So gelangt überschüssiger Strom, der vor Ort gerade nicht benötigt wird, dahin, wo er gebraucht wird.

Der Strom, der innerhalb der Gemeinschaft bezogen wird, kostet 9,50 Cent pro Kilowattstunde. Für eingespeisten PV-Strom werden 7,50 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Wird zu einem bestimmten Zeitpunkt kein Gemeinschaftsstrom erzeugt, erfolgt die Versorgung weiterhin über den bisherigen Energieanbieter. Damit soll möglichst viel des regional erzeugten Sonnenstroms tatsächlich genutzt werden, anstatt ihn ungenutzt ins öffentliche Netz abzugeben. Ab Oktober 2026 wirkt sich zusätzlich die Nahbereichsbegünstigung positiv auf den Tarif aus.

„Großpetersdorf ist bereits an Bord“, sagt Pfarrer Edakarottu.
„Großpetersdorf ist bereits an Bord“, sagt Pfarrer Edakarottu.(Bild: Diözese Eisenstadt)

Schon jetzt werden täglich mehr als 2000 kWh Strom erzeugt
65 Pfarren sind bereits Teil der Community und sorgen mit 36 PV-Anlagen für eine regionale Stromversorgung. Dass hinter der Energiegemeinschaft nicht nur technische und finanzielle Überlegungen stehen, zeigen die Erfahrungen der bisherigen Mitglieder. „Umweltbewusstsein ist uns zu profan. Wir wollen auf die nächste Generation schauen“, sagt etwa Franziskanerpater Thomas Lackner von der Basilika Frauenkirchen. „Auch für uns ist Sonnenstrom selbstverständlich geworden. Als nächstes wollen wir uns einen Speicher anschaffen, um noch mehr zur CO₂-Reduktion beizutragen“, erzählt Pfarrer Sebastian Edakarottu von der Pfarre Großpetersdorf.

Für den Beitritt ist lediglich ein Formular auszufüllen und eine Einlage von 50 Euro zu leisten. Zusätzlich ist eine Zustimmung über das Portal des jeweiligen Netzbetreibers erforderlich. Umbauarbeiten oder ein eigener Ansprechpartner für den Netzbetreiber sind nicht notwendig. 

„Das Anmelden ist ganz einfach“, sagt Maria Schmölzer aus Edelstal.
„Das Anmelden ist ganz einfach“, sagt Maria Schmölzer aus Edelstal.(Bild: Diözese Eisenstadt)

Bewahrung der Schöpfung
Mit der „Martinus Energiegemeinschaft“ will die Diözese Eisenstadt den Einstieg in ein regionales Energie-Ökosystem bilden, in dem künftig auch Themen wie Stromspeicherung und E-Mobilität eine Rolle spielen sollen. So will man zeigen, dass kirchliche Gebäude und Pfarren nicht nur Energie verbrauchen, sondern selbst Teil einer regionalen Energiewende sein können: „Die Bewahrung der Schöpfung ist ein kirchlicher Auftrag. Mit der Martinus Energiegemeinschaft wird daraus konkretes Handeln: Wir erzeugen Energie mit der Sonne, teilen sie innerhalb der Gemeinschaft und schaffen damit einen regionalen Kreislauf.“

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